Der „Credit to the Edit – Podcast”, in dem über Filmschnitt gesprochen wird, konnte nur entstehen, weil es bereits Formate gab, die das Sprechen über Filmschnitt etabliert haben. Beispiele hierfür sind das Festival Filmplus (heute Edimotion) oder der Podcast „The Rough Cut“.
Im deutschsprachigen Raum waren jedoch Dirk Grau und Theo Strittmatter die Pioniere auf diesem Gebiet. Sie riefen im Jahr 2012 den Podcast „Der gute Schnitt“ ins Leben. Zu einer Zeit, als Podcasts noch eine Seltenheit waren, widmeten sie sich bereits dem Thema Filmschnitt.

Dieser Podcast brachte Dirk, den erfahrenen Filmeditor, mit Theo, seinem Assistenten, zusammen. Die Zuhörer:innen begaben sich mit den beiden auf eine Reise, bei der nicht nur Filmschnitt erläutert wurde, sondern auch Spaß und Wissen vermittelt wurden. Die Hörer:innen konnten quasi mitfiebern und erfahren, was es bedeutet, Filme zu schneiden. Besonders interessant war Theos Entwicklung: Begann er als Assistent, so wurde er im Verlauf des Podcasts selbst zum Filmeditor, als er anfing, eigene Filme zu schneiden.
In der aktuellen Folge sprechen wir mit diesen beiden Schnitt-Podcast-Pionieren, 12 Jahre nach der Erstveröffentlichung ihres Podcasts. Wir unterhalten uns über die vergangene Zeit, ihre Philosophie, ihre heutige Sichtweise und vor allem darüber, womit sie sich aktuell beschäftigen. Ob es immer noch der Filmschnitt ist?
zu Gast
Dirk Grau, geboren 1963, ist ein renommierter deutscher Filmeditor mit über 150 Kino- und Fernsehfilmen seit 1987. Für „Rhythm Is It!“ und „Knallhart“ erhielt er den Deutschen Filmpreis für den besten Schnitt. Neben seiner Haupttätigkeit als Editor ist Grau auch Autor, Regisseur und Mitbegründer einer Produktionsfirma. Als aktives Mitglied der Deutschen Filmakademie und des Bundesverbands Filmschnitt Editor e.V. (BFS) engagiert er sich in der Branche und ist Mitherausgeber des Fachpodcasts „Der gute Schnitt“.

“Ich habe nicht gedacht, dass das überhaupt jemand hört. Wir haben das ja auch eher gemacht, um uns auszutauschen. ”
Dirk Grau
zu Gast
Theo Strittmatter startete seine berufliche Laufbahn im Alter von 22 Jahren als Praktikant bei Dirk Grau. Unter Dirks Anleitung erlernte er das Handwerk des Filmeditors und unterstützte ihn als Assistent. Sein Debüt als Filmeditor feierte Theo mit dem Film „König Laurin“. Es folgten diverse Fernsehfilme, aber auch Kinofilme wie wie “Steig. Nicht. Aus.” von Christian Alvart.
Inzwischen hat Theo Strittmatter seine Karriere in eine neue Richtung gelenkt. Er arbeitet nicht mehr als Filmeditor, sondern widmet sich dem akademischen Bereich. Derzeit absolviert er einen Master of Science in klinischer Psychologie und Psychotherapie, den er voraussichtlich im Oktober 2024 abschließen wird.

“Es ist wieder soweit!“
Theo Strittmatter
Wiederveröffentlichung „Der gute Schnitt“
Mittlerweile ist der Podcast “Der gute Schnitt” nicht mehr online verfügbar. Deswegen haben wir uns entschlossen, die alten Folgen in Absprache mit den beiden wieder herauszugeben. Ab jetzt werden alle alten Folgen wieder im 2-Wochen-Turnus neu herausgebracht. Viel Spaß mit den sehr launigen und schnittphilosophischen Gedankengängen von Dirk und Theo. Der gute Schnitt – es ist wieder soweit! Bitte abonnieren!

Timeline-Shortcuts
Links und Empfehlungen
Unsere Gäste
Bestgeschnittener Film / Serie
Theo
- Sopranos (Schnitt u.a.: Sidney Wolinsky, William B. Stich, Conrad M. Gonzalez)
- Knallhart (Schnitt: Dirk Grau)
- Chico (Schnitt: Sebastian Thümler)
Dirk
- Das Lehrerzimmer (Schnitt: Gesa Jäger)
- Meinen Hass bekommt ihr nicht (Schnitt: Andrea Mertens)
Transkript der Folge lesen
Automatisch erstelltes Transkript von Apple Podcasts. Schreibweisen und die Zuordnung der Sprecher:innen können Fehler enthalten.
00:03 Gast: Heutiges Thema die Filmmontage in Theorie und Praxis.
00:15 Jan Henrik Pusch: Hallo und herzlich Willkommen zu Credit to the Edit, dem Podcast über Filmschnitt. Mein Name ist Jan Henrik Pusch.
00:23 Rainer Nigrelli: Mein Name ist Rainer Nigrelli und hier sprechen wir mit FilmeditorInnen über das, was sie schneiden und zwar aus allen Genres. Wir haben unsere Anmoderation ein bisschen schräger als sonst gemacht, aber das ist okay. Denn heute wird es auch eine Folge, die ein bisschen anders ist.
00:37 Jan Henrik Pusch: Ja, also ich wollte es eigentlich weglassen. Ich weiß nicht, warum du das immer noch sagst, weil es stimmt ja nicht mehr.
00:42 Rainer Nigrelli: Wir sprechen doch mit FilmeditorInnen.
00:44 Jan Henrik Pusch: Aber nicht darüber, was sie schneiden, sondern über irgendwas anderes.
00:49 Rainer Nigrelli: Ah, stimmt. Wir sprechen über... Worüber sprechen wir denn mit denen?
00:53 Jan Henrik Pusch: Also heute sprechen wir zum Beispiel mit zwei Filmeditoren über Podcasten. Und ihr merkt, alles ist ein bisschen anders, denn wir reden mit den Königen des Laberpodcasts. Und zwar mit Theo Strittmatter und Dirk Grau.
01:11 Rainer Nigrelli: Die haben nämlich vor gefühlt 100 Jahren den guten Schnitt gemacht. Wir sind hier in Berlin. Wir stehen noch in der Garage, fahren jetzt gleich zu denen. Und wir sind super gespannt, was das gibt.
01:24 Jan Henrik Pusch: Also ich bin auch so ein bisschen nervös, weil das sind ja jetzt auch so die Helden, nicht der Kindheit, sondern die Helden meines Editor werdens.
01:34 Rainer Nigrelli: Und dadurch, dass das kein Laberpodcast ist, sollten wir jetzt einfach sagen, vielen Dank an Adobe für die Unterstützung.
01:40 Jan Henrik Pusch: Und auch danke an die VG Bildkunst, Stiftung Kulturwerk. Und sag mal, heute wird es doch ein Laberpodcast. Wir sprechen mit den Königen des Laberpodcasts, da können wir jetzt nicht anfangen, irgendwie unser Ding durchzuziehen. Heute stellt euch drauf ein, nehmt euch vielleicht noch was Schönes zum Snacken, Popcorn, was auch immer ihr braucht. Und dann werden wir uns heute schön drauf einlassen.
02:03 Gast: Labern, labern, labern.
02:08 Gast: Flughafen München, letzter Sonntag. Ich gehe auf den hochgewachsenen, eleganten Mann zu und frage ihn mit hüpfendem Herzen, sind Sie Christopher Lee? Er lächelt und nickt. Ich sage ihm, sein Film The Wicker Man habe mein Leben verändert. Er dankt und wird kurz nachdenklich und sagt, es fehlen viele Sequenzen in der britischen Schnittfassung. Sehr schade, keine Ahnung warum. Ich danke ihm und behällige ihn nicht weiter. Und ich frage mich, ob ich auch Eric Boyd Perkins angesprochen hätte, den Bildschneider des Films The Wicker Man, der die wunderbaren Schnittsequenzen des Erntedankfestes so unglaublich montiert hat. Vermutlich hätte ich es nicht. Ist das noch tragisch oder schon jenseits davon?
02:57 Gast: Der gute Schnitt.
02:59 Gast: Es ist endlich wieder soweit.
03:01 Gast: Ja, tatsächlich nicht. Aber wir haben jetzt mal hier den Podcast von Jan und von Rainer gekidnappt, um nochmal unser altes Intro hier rauszuholen. Ja, ich freue mich tatsächlich, dass ihr bei uns seid, obwohl wir bei euch sind.
03:17 Jan Henrik Pusch: Wir freuen uns auch sehr. Und vor allem ist das jetzt sozusagen die endlich die Abschlussfolge von eurem Podcast, oder?
03:27 Gast: Es gab ja viele Abschlussfolgen.
03:29 Gast: Gefühlt ja, ne? Man hat sich nochmal zusammen... Ne, es ist unglaublich dann auch so cross-plattform-mäßiger, quasi, also jetzt quasi auf euer Medium unser Ende zu feiern. Da würde ich mich von vorne rein direkt bei euch bedanken wollen und für die treuen Zuschauer und Zuschauerinnen von Kördetur, es tut mir wahnsinnig leid, was hier jetzt passiert ist.
03:53 Rainer Nigrelli: Das wird gar nicht schlimm, Theos.
03:55 Gast: Wir werden wahrscheinlich das Format sprengen und alles anders machen als bisher. Es gibt genau zwei Möglichkeiten. Entweder die Leute werden hinter sagen, mach doch so weiter, oder die werden sagen, bitte, bitte, machs wieder wie vorher.
04:08 Jan Henrik Pusch: Also wir fühlen uns hier schon direkt bei euch willkommen geheißen und halten uns jetzt mal schön zurück und lassen euch das hier alles moderieren. Nein, es ist tatsächlich, wir freuen uns total, hier zu sein und nochmal euren alten Podcast zu feiern, möchte ich dir wirklich sagen. Wir haben ja alles nochmal hören dürfen und ich glaube, da sind wir auch schon direkt dabei, darüber zu reden, wo die Unterschiede liegen zwischen eurem Podcast und unserem.
04:32 Rainer Nigrelli: Das ist glaube ich der Anfang, der Anfang vor allen Dingen.
04:34 Gast: Ich kann dir vor allen Dingen sagen, das, was ihr jetzt gerade hier als Intro gespielt habt, das ist schon der Mega-Unterschied überhaupt, weil ihr habt euch so viele Gedanken dazu gemacht, habt so ein unfassbares Intro rausgehauen, wo es philosophisch schon gleich wird. Und so viel Mühe und Gedanken haben wir uns vor keinem unserer Podcasts hier gemacht.
04:55 Jan Henrik Pusch: Na ja, das Intro muss man kurz einwerfen, das finden wir ja. Da haben wir keine Mühe mit. Das ist sozusagen ein Fundstück aus den Tiefen des Internets.
05:03 Rainer Nigrelli: Und bei euch passiert das ja dann währenddessen. Also ihr habt vielleicht am Anfang so Understatement-mäßig jetzt erst mal nur ein Thema, aber das wird ihr dann ganz tief, wenn ihr da so rum improvisiert über das Thema.
05:15 Gast: Ja, ich würde auch sagen, also bis auf Production Value, Idee, Gründlichkeit, denke ich, sind unsere Podcasts eigentlich komplett ähnlich.
05:26 Jan Henrik Pusch: Wobei ich hab dir schon in der Anmoderation gesagt, die ganz vorne dran kommt, die ihr noch nicht kennt, dass ihr der Laber-Podcast wart, bevor es Laber-Podcaste gibt, gab.
05:37 Rainer Nigrelli: Man muss ja auch mal dazusagen, seit wann gab es euch, wann habt ihr damit angefangen? Das ist ja wirklich schon sehr lange her.
05:43 Gast: Ich glaube Vermessung der Welt, wann war denn Vermessung der Welt?
05:49 Gast: War das 2011, 2013, 14 oder so was?
05:54 Gast: Und dann haben wir das, glaube ich, fünf oder sechs Jahre gemacht. Mal mehr, mal weniger, muss man sagen. Also es gab Jahre, wo wir mehr Podcasts gemacht haben, manche, wo es weniger Podcasts gab. Was einfach damit zu tun hatte, dass wir manchmal gar nicht wussten, worüber wir reden sollten. Und manche Themen waren dann einfach schon mehrfach behandelt. Und man kann ja auch nicht jedes Mal über Bibi und Tina reden.
06:19 Rainer Nigrelli: Oder Vermessung.
06:20 Gast: Oder Vermessung der Welt oder was da alles zwischendurch drin war. Und manche Ideen kamen dann einfach und so zugeflogen. Dann haben wir manchmal auch in einer Woche zwei gemacht. Also war halt spontan.
06:32 Gast: Man muss halt wirklich sagen, wir haben halt, also ich hab, also Dirk war, ich hätte ja auch Miete zahlen müssen. Also ich war wirklich fast jeden Tag bis aufs Wochenende bei dir da. Und da ist es so erstaunlich eigentlich, dass so ein Labor Podcast überhaupt entstehen könnte, weil irgendwann müsste ja eigentlich mal vorbei gewesen sein mit den Sachen, die man sich gegenseitig geben kann. Aber dem war halt nicht so. Und dann war es eigentlich mehr so, also als dann unsere Wege sich insofern so ein bisschen getrennt haben, dass ich dann probiert habe, was außerhalb zu machen. Das war, glaube ich, so als ich den Laurin gemacht habe, wo du Bibi und Tina drei gemacht hast, glaube ich.
07:08 Gast: War das drei oder vier?
07:09 Gast: Beim dritten war ich nicht dabei. Da fing es so an, dass dann auf einmal unsere Terminkalendern nicht mehr so ganz gepasst haben, aber dann war der Podcast halt immer ein schöner Grund, sich wieder zu sehen.
07:22 Jan Henrik Pusch: Da wurde es auch dann plötzlich viel weniger. Also da habt ihr dann irgendwie plötzlich Monate dazwischen gehabt.
07:29 Gast: Man muss auch so sehen, es gibt natürlich, wenn du mit so was anfängst, ich meine, wir haben jetzt nicht so ein Konzept gehabt wahrscheinlich wie ihr, aber was ich schon gemacht habe damals, ich bin ja zur Theo gekommen und habe gesagt, man hat so Bock, über sowas zu reden. Einfach so aus dem Nix heraus. Wir hatten ja auch kein vernünftiges Equipment und gar nichts.
07:47 Jan Henrik Pusch: Das hat man gehört in den ersten vier.
07:48 Gast: Ja genau, das war einfach nur das. Wir hatten ja so einen Zoom-Record, den haben wir in den Raum gestellt, da hat es Gehalt wie Harry. Wir hatten keine Mikrofone, sondern einfach nur in dieses eingebaute Mikrofon reingequatscht. Und dann hat uns das Bock gemacht und dann haben wir gesagt, okay, dann habe ich mal ein bisschen aufgerüstet beim Equipment und dann wurde auch die Qualität besser. Aber da hat man sich irgendwann an einen Punkt hingesetzt und gesagt, ich schreibe mal einfach Themen auf, die mir einfallen. So, und dann waren das so 10, 15 Stück. Und dann kamen natürlich auch so Sachen dazu, wo wir gesagt haben, hey, ihr könnt noch mit dem reden und könnt mit dem reden.
08:21 Ich glaube, wir hatten mit der Nicola Ungritz und der Claudia Geissner noch ein Interview vom BFS gemacht und dann Burk und Peter Adam und Alex Berner und so. Da haben wir schon auch Kollegen noch befragt.
08:33 Jan Henrik Pusch: Übrigens, dazu muss ich ganz kurz einwerfen. Wir sind ja hier in Berlin und ich bin aus Köln gestern angereist und habe heute Nacht bei einem Kollegen von uns übernachtet, der Yamin heißt. Klingels da bei euch?
08:47 Gast: Oh, ich wollte gerade sagen, der Student, der bei uns war, oder? Das war nämlich eine meiner Lieblingsfolgen. Geil.
08:54 Jan Henrik Pusch: Yamin ist...
08:55 Gast: Was passiert hier drinnen gerade?
08:56 Jan Henrik Pusch: Ich bin mit Yamin befreundet und ist auch im BFS. Genau. Und dann waren wir gestern noch auf der Feier und sind dann bei ihm. Ich soll euch ganz lieb grüßen.
09:08 Gast: Dankeschön.
09:10 Jan Henrik Pusch: Als ich ihm das erzählt habe, hat er sich auch sehr gefreut, weil er auch großer Fan von euch war. Deshalb ist er ja zu euch gekommen. Wollen wir kurz die Geschichte einwerfen, wie das gekommen ist, dass ihr ihn eingeladen habt?
09:20 Gast: Ja, ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern.
09:22 Jan Henrik Pusch: Sag du mal deine Geschichte, dann kann ich sagen, was er gesagt hat.
09:25 Gast: Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern. Ich glaube, es war irgendwie so, er hat mich irgendwas fragen wollen. Dann habe ich gesagt, komm doch in den Podcasts, wir reden dann darüber oder so ähnlich.
09:31 Jan Henrik Pusch: Ja, so ähnlich hat er es auch formuliert, nur dass er gesagt hat, du hast gesagt, ich beantworte die Frage gerne, aber dafür musst du in den Podcasts kommen.
09:38 Gast: Oder so. Genau, ich kann mich nämlich auch noch erinnern, dass du zu mir kamst und meintest, hey Theo, hier ist jemand, er hat damals, glaube ich, noch in Babelsberg, Schnitt sogar studiert und hat uns so Sachen oder hatte dich Sachen gefragt konkret und du meintest, ach guck mal, das ist doch ganz interessant, weil ich ja zum Beispiel nie das Studium gemacht habe und da hatte Dirk wahrscheinlich, ob bewusst oder unbewusst, die Idee, uns quasi so ein bisschen gegeneinander zu setzen und halt zu gucken und das war ja wirklich spannend, da haben wir noch hier gegenüber vom Schloss in Steglitz, haben wir da noch gesessen. Im alten Schneideraum, ja.
10:15 Das ist ja witzig, meine Güte.
10:18 Jan Henrik Pusch: Also er hatte gute Erinnerungen und sagte auch, ihr seid euch später nochmal irgendwie über den Weg gelaufen.
10:23 Gast: Ja, ich weiß, ich habe mich ein paar Mal noch irgendwo getroffen, auf irgendwelchen Veranstaltungen.
10:28 Jan Henrik Pusch: Ja, vielleicht auch Filmakademie oder sonstiges irgendwie.
10:34 Gast: Hallo Jamin.
10:36 Rainer Nigrelli: Müssen wir irgendwie was dazu sagen zu der Zeit, wo das entstanden ist?
10:40 Gast: Das war kurz nachdem der Kaiser abgedankt hat.
10:43 Rainer Nigrelli: Ganz genau. Und Jan hat das rausgeschrieben. Ich weiß nicht, ob ihr euch noch an Fest und Flauschig erinnert, das ist einer der großen Podcasts mit Böhmermann und Olli Schulz, der dann abgegangen ist. Und ihr habt aber, bevor das alles stattgefunden hat, eigentlich habt ihr aufgehört, als die angefangen haben.
11:00 Gast: Also ich kann sagen, warum ich überhaupt da Idee hatte. Ich habe damals immer einen Podcast gehört, der, mir fällt tatsächlich der Titel jetzt gar nicht mehr ein, aber da ging es um Technik. Das war einfach reiner Technik-Podcast, um...
11:12 Rainer Nigrelli: USB-Sticks.
11:13 Gast: Nee, da ging es mehr um Computer, Apple-Produkte und so.
11:18 Gast: So ein Fanboy-Podcast war das.
11:20 Gast: Und das habe ich immer gerne gehört, weil da wusste man immer, okay, da kommt wieder was Neues, da muss man sich orientieren und so. Und ich habe dann aber gedacht gleichzeitig, vielleicht gibt es auch Leute, die sind interessiert auf das, was wir machen. So, und warum soll man das nicht einfach mal probieren? Und klar, wenn man sich jetzt anguckt, wie viele Editoren gibt es in Deutschland, dann damals war der BFS, wie viele waren damals im BFS, weiß nicht. Ich glaube gar nicht, da war ja eine Handvoll. 350, so was. Und ich war ja gar nicht im BFS drin, wir sind ja erst nach Alex Berner Folge reingetreten, weil die Folge heißt ja auch, ab heute bin ich Editor.
12:06 Gast: Es fällt sofort ein, weil wir haben gerade eben darüber gesprochen, was könnten viele Begriffe oder die meistgenannten Begriffe sein. Also wir haben es ja auch geliebt uns über diese Editor-Cutter-Geschichte.
12:15 Gast: Ganz genau.
12:16 Gast: Also wie die Idioten, die wir halt eben sind, die ganze Zeit irgendwie darüber aufzumachen. Und dann sind wir ja trotzdem zum BFS gegangen und haben dann Editor gesagt.
12:24 Gast: Ja, aber das macht ja auch Sinn. Alex hat ja erklärt, warum. Deswegen, wer das wissen will, muss das nochmal nachhören. Und damals habe ich dann halt gedacht, hey, lass uns das doch machen. Ich habe überhaupt nie damit gerechnet, dass überhaupt Leute das hören. Also eigentlich war es auch mehr, um uns auszutauschen. Und wir fanden es irgendwie auch lustig, darüber zu sprechen, dass Theo Fragen hat, die ich beantworten kann. Und man kann ja auch dann einen gewissen Beitrag dazu leisten, dass Leute, die das anfangen oder die irgendwas lernen wollen, dass die dann irgendwie tatsächlich vielleicht irgendwas lernen.
12:58 Jan Henrik Pusch: Aber das finde ich, ist genau der Punkt, wo wird über Schnitt gesprochen? Und das ist ja sozusagen, ich finde es super spannend, diesen Gedanken zu haben, okay, ich kann über viel Schnitt sprechen, also lass es uns doch einfach mal tun. Also das ist ja das, was euch geritten hat. Und ich habe mich auch in der Vorbereitung gefragt, wo haben wir die Räume, wo so über Schnitt gesprochen wird? Ich finde, nicht so oft.
13:21 Rainer Nigrelli: Und man muss ja auch ganz ehrlich sagen, das, was wir jetzt so treiben seit, weiß nicht, 42 Folgen, wir sind ganz klar Kinder von euch. Also ihr seid eigentlich unsere Väter, weil wir haben das tatsächlich davor gehört. Also wir waren diese Leute, die halt gerade angefangen haben und das gehört haben und dachten, ah ja, das ist ja spannend, das will ich auch mal.
13:44 Jan Henrik Pusch: Wir wollten mit dir sein und haben mit dir mitgefiebert. Man muss einfach festhalten, ihr hattet ja auch eine krasse Dramaturgie. Also die Dramaturgie, wenn man euch zugehört hat, war viel mit dir mitzufiebern, wie es wird und wie ihr weiterarbeitet und wie ihr zusammen seid.
14:04 Gast: Jetzt wurde das gesagt, ich würde vielleicht das von... Also erstmal danke, ist es... Wir sind Väter, Dirk. Das ist für uns auch interessant oder nicht?
14:16 Rainer Nigrelli: Nehmt ihr uns anders?
14:17 Gast: Ja, auf jeden Fall.
14:20 Gast: Mit dem R müssen wir nochmal reden, aber...
14:24 Gast: Also was man klar sagen muss, ist, dass das wie vieles irgendwie aus dem Väter von Dirk auf jeden Fall kam. Ich denke, dass Dirk mit mir jemand hatte, der halt... also ich wollte ja auch viel drüber reden. Wie gesagt, ich bin aus Versehen quasi so ein bisschen im Schnitt oder auch bei Dirk, mal in ein Praktikum gelandet und dann darüber halt...
14:44 Gast: Ich weiß noch genau die Geschichte, wie das gekommen ist.
14:46 Jan Henrik Pusch: Jetzt bitte, weil sie wird, glaube ich, so nie so richtig dezidiert erklärt.
14:51 Gast: Ich meine mich erinnern zu können, wenn ich jetzt... Theo muss sagen, ob das hinterher rausgeschnitten werden darf.
14:57 Gast: Nee, nee, nee, nee.
14:58 Gast: Also pass auf, es war so der Frank Mehr von der UFA damals, hat damals bei der UFA gewesen, hat mich angerufen und hat gesagt, hör mal, Grau, ich hab hier so einen Kleinen, der will Schnitt machen, ich glaub, das ist ganz in Ordnung, willst du denn nicht mal ein Praktikum geben?
15:16 Gast: Wirklich original.
15:17 Gast: Ja, und dann, weil ich glaube, Theos, was das Onkel, Tante oder was auch immer, die haben mit ihm schon mal gearbeitet, die sind Autoren, muss man sagen.
15:24 Gast: Also der Grund, dass ich zum Film gekommen bin, war Fett an Wirtschaft, richtig.
15:30 Gast: Genau, Fett an Wirtschaft, wie es aber überall immer so ist. Und dann kam Theo zu mir in den Schneideraum, und ich mach das dann gerne, dass ich mich einfach hinsetze und mit den Leuten einfach eine Stunde rede. Einfach über das, was die wollen, wo die herkommen, es interessiert gar nicht, was für Filme die gut finden, ich interessiere mich vielleicht eher, ob die lieber Wurst oder Käse essen oder sowas, oder was die privat machen, ob sie Sport machen oder nicht, einfach so vom Leben her, die Figur würde ich jetzt schon sagen, damit ich die Person kennenlerne. Und Theo saß da, und ich weiß, das war noch damals im alten Schneideraum in der Bülowstraße.
16:11 Gast: Konrad Koch war dein aktueller Film.
16:13 Gast: Konrad Koch war mein aktueller Film, ganz genau. Und ich erinnere mich, du saßst auf der Couch vor dem Plakat von Knallhart. Das hing nämlich hinter der Couch. Und hast du zu mir gesagt, ich habe damals Knallhart gesehen und wollte Cutter werden. Und dann habe ich gesagt, what the fuck, so ein Zufall kann es gar nicht geben. Und dann habe ich mit ihm gleich irgendwie besprochen, er soll dann irgendwann, ich weiß, dann habe ich nach Konrad Koch, kam nämlich Rubel die Katz. Und dann habe ich gesagt, wenn ich Bock hätte, dann da Praktikum zu machen. Und ab da waren wir dann quasi zusammen.
16:47 Gast: Genau, ich war gerade frisch aus einem BWL-Studium aus Nürnberg, erfolgreich abgebrochen nach einem Semester. Dirk hatte, das weiß ich nicht, möchtest du über sowas reden? Ich rede über alles. So, Dirk hat auch einen BWL-Background, den er dann verlassen hat für den Filmschnitt.
17:02 Gast: Ich habe aber tatsächlich BWL studiert und habe es fertig gemacht.
17:05 Gast: Richtig, genau.
17:05 Jan Henrik Pusch: Du hast bei Siemens gearbeitet, das wissen wir alle.
17:14 Gast: Als die Praktikumszeit bei Dirk vorbei war, weiß ich noch, wie ich mit meinem Kumpel damals in der Bahn gefahren bin. Und wir hatten so lose verabredet. Oder du hast das gesagt. So lose war es für dich gar nicht. Das Anfang nächsten Jahres, das war dann 2011, Januar 2011, du einen neuen Film hast, das war Robbel die Katze und du noch einen Schnittassistent brauchst. Und ich hatte meinen Eltern damals hoch und versprach, die haben das natürlich geliebt. Ihr Sohn, der nach Nürnberg geht, um BWL zu studieren, nach einem Semester abrichtet und sagt, die Idee ist jetzt, dass ich einen Film mache.
17:43 Rainer Nigrelli: Natürlich waren die hell auf begeistert.
17:44 Gast: Natürlich, wir alle Eltern das gut finden, wenn man zum Filmen will.
17:48 Gast: Also die dachten wirklich, gerade Karriereleiter geht der Junge. Und dann bin ich irgendwann in November oder Dezember, habe ich in der Bahn meinem Kumpel gesagt, alles was ich will ist eine Chance, weil eigentlich sollte ich mich, das hatte ich so ausgemacht, mit denen an der HFF auch bewerben, aber ich hatte so einen intellektuellen Groll, den ich auch noch sehr lange gehegt habe. Und dann gab es tatsächlich eine E-Mail Mitte Dezember von Dirk, dass das tatsächlich wirklich gestimmt hat, weil man kann ja viel erzählen, bis die E-Mail geschrieben wird. Und das war dann diese eine Chance. Und da dachte ich, okay, und jetzt heißt es beißen.
18:22 Und um da jetzt wieder zurückzukommen, wo wir eigentlich drauf waren, ich habe einfach vor allem nur mit einer Fähigkeit, die sich immer anwesend und wollte. Und das ist wirklich alles, was ich dazu gebracht habe, würde ich wirklich sagen. Und das Nette ist natürlich jetzt im Nachhinein, dass man eben sehr, sehr erfahrenen Cutter da hatte. Und halt eben ich als leere Hülle, die halt noch nichts kann. Und da kann der Zuhörer und die Zuhörerin natürlich super rein so. Vielleicht ist das der Grund, dass sich das Leute eingeladen haben, weiß ich nicht.
18:49 Rainer Nigrelli: Aber das, was du auch gerade meintest, du sprichst einfach mit den Leuten vorher über Wurst und Käse und so. Man merkt, dass das halt geklappt hat. Also bei euch jetzt zwischenmenschlich stimmt halt alles. Und das ist auch eine Qualität im Podcast. Deswegen hört man euch halt gerne zu, weil es ist nicht nur über das Thema Schnitt, sondern es geht halt, man hat Spaß, zuzuhören, wie ihr Spaß habt zusammen.
19:09 Gast: Ja, das Interessante, was für mich da war, ich habe ja keine Kinder. Also ich habe ein Patenkind oder mehrere Patenkinder und die liebe ich alle sehr. Aber Theo kam zu mir aus einer anderen Generation. Theo ist quasi eine Generation. Theo könnte mein Sohn sein, also von der Generation her. Und da kam dieser junge Mensch zu mir.
19:30 Jan Henrik Pusch: 22 warst du?
19:34 Gast: Also wirklich sehr jung und sagte dann auf einmal so etwas wie Ja, ich möchte das gerne machen und ich finde das toll. Und dann konnte er auch über Filme reden. Und wir sind zusammen essen gegangen und haben rumgehangen und haben zusammen Billard gespielt. Unendliche Stunden Billard gespielt. Und also alles Mögliche zusammen gemacht. Und es entstand wirklich eine sehr enge Beziehung zwischen uns. Und das ist, ich würde nicht sagen eine Vater-Sohn-Beziehung, aber ich erinnere mich daran, dass ich ihm dann auch, ich sage jetzt mal in Anführungszeichen, väterliche Advice gegeben habe in bestimmten Dingen, was sein Leben betrifft. Und ich hoffe, das hat zum Guten gewesen.
20:14 Gast: Ich mache jetzt keinen Film mehr.
20:18 Gast: Das war jetzt nicht mein Advice, aber ich will auch gar nicht sagen, warum das ist.
20:21 Gast: Da kommen wir später dazu.
20:27 Gast: Ich will nicht sagen, ich konnte mich mit ihm gut identifizieren, weil als ich in dem Alter war, wusste ich überhaupt nicht, was ich mit meinem Leben anfangen soll. Und habe dann einfach BWL studiert, weil es eben gerade da war. Ich hätte zum Bund gesollt, bin zurückgestellt. Okay, was mache ich denn jetzt? Dann studiere ich jetzt. Was kann man denn studieren? Der Numerus Clausus, so gut waren meine Noten nicht. Also was BWL, kannst du so machen? Dann habe ich BWL studiert. Und wie ich so bin, habe ich es halt fertig gemacht. Und habe danach gedacht, okay, jetzt will ich aber was machen, was mir Spaß macht.
21:08 Ich habe dann zwar auch noch gearbeitet, wie ihr eben schon gesagt habt, bei Siemens und so, aber das war nie meine Passion.
21:15 Jan Henrik Pusch: Aber was ich total spannend finde, ist, dass ihr dann diese Gespräche, die ihr sozusagen Vater-Sohn-Gespräche, nennen wir sie mal, dass ihr die dann ja tatsächlich auch in die Öffentlichkeit mitgenommen habt. Wie kommt es dazu, dass das dann sozusagen in diesen Rahmen geht? Das finde ich schon sehr, sehr spannend.
21:36 Gast: Also für mich kann ich sagen, ich habe einfach immer, auch beim Podcasten, den wir gemacht haben, wir haben immer einfach so geredet, wie wir eben sind. Ich habe immer gedacht, was gibt es schon? Was soll man schon beheimlichen? Was gibt es gar nicht, was man nicht sagen kann? Wir reden einfach so, wie wir sind. Und so kommt auch der Podcast, glaube ich, rüber. Und das ist, glaube ich, auch das, was die Leute daran mochten. Dass wir uns nicht verstellt haben. Wir haben unsere ehrliche, offene Meinung gesagt. Manchmal ein bisschen konprovers, wie wir halt so oft sind. Aber wir waren einfach wir selber. So würde ich das jetzt mal...
22:14 Gast: Also ich denke wirklich, ich kann... Du hast es vorhin auch gesagt, dass du redest gerne mit Leuten und auch dieses Überschnittreden und so. Und ich denke, das kann man schon eine Vater-Sohn- ähnliche Beziehung nennen. Und ich würde auf jeden Fall auch sagen, dass ich zu der Zeit sowas auch gesucht habe. Also so unabhängig von was willst du... Also das ist ja, so Schnitt zu machen oder beim Film zu sein, das ist ja mehr als nur eine Arbeitsentscheidung. Das ist ja auch Grund zur Identifikation. Was sind deine Motive im Leben? Worum geht es dir? Und dazu war dann halt eben... Also ich habe nie eine Rechnung in meinem Leben geschrieben.
22:54 Als ich Rubel die Katz gemacht habe, habe ich bis 19 Uhr im Schnaderaum gesessen mit dir und habe mich danach noch irgendwie 4 Stunden an die Kaiserskasse gesetzt und so. Und nach und nach und eben durch die Hilfe von Dirks konnte ich dann auf einmal so wie so ein erwachsener Mensch, sage ich mal, war da aber gar nicht bereit für. Also ich habe das auch sehr gesucht. Ich glaube, dass mir das nie so bewusst war, dass das so, also du beschreibst da eine sehr sensible Qualität. Ja, irgendwo auch, wenn ich das richtig verstanden habe. Das habe ich als solches, das war mir nie Scham erfüllt oder so, dass ich gesagt hätte, warum sollte man das nicht hören.
23:28 Ich gebe aber auch einfach zu, dass ich das sehr, sehr schnell die Podcast folgen, auch wenn es fertig war. Das war eine schöne Zeit. Aber ich habe das danach auch nie wieder gehört oder mit mir hat auch da keiner groß darüber geredet. Von daher war das für mich gar nicht so.
23:41 Jan Henrik Pusch: Aber das, das ist, finde ich, total spannend. Wie war denn die Kommunikation zu den Menschen, die das gehört haben? Hattet ihr irgendwie großes Feedback? Also Jamin haben wir ja schon gehört.
23:51 Gast: Ganz lustig. Es ist wirklich, also ich habe so lustige Erfahrungen da gemacht. Ich weiß, ich war noch einmal beim, also erstmal gab es bei DCM, gab es.
24:02 Gast: To be a Birnbegrü, glaube ich.
24:03 Gast: War das To be a? Ich weiß gar nicht.
24:04 Gast: Ich hoffe, ich habe den Nachnamen nicht versaut.
24:06 Gast: Sie dann immer sagte, ich höre eure Podcasts immer, wenn ich mit meinem Kind spazieren gehe.
24:11 Gast: Im Kinderwagen, genau. Ich fühle mich dann als wäre ich im Wohnzimmer neben euch.
24:15 Gast: Und dann denke ich so, okay, die hat mit Schnitt überhaupt nichts zu tun. Also die hört das einfach nur, weil sie vielleicht das mag, was wir erzählen oder wie wir es erzählen. Vielleicht auch, weil sie uns kannte oder so. Das weiß ich jetzt gar nicht. Aber das ist zum Beispiel so was gewesen. Oder ich komme zu einer Veranstaltung an der Filmakademie. Ich weiß gar nicht, was das für eine war. Und da saßen verschiedene Kollegen auch rum und so. Und ich setze mich dazu und stelle mich vor, wie ich das so mache. Ich sage, hallo, ich bin der Dirk und so. Und dann sagt jemand zu mir, ich weiß, ich kenne dich, ich höre mal deinen Podcast.
24:48 Und ich dachte so, what? Also ich bin nie davon ausgegangen, dass uns das erfahrene Kollegen, dass ein erfahrener Kollege da sitzt und das hört, was wir erzählen. Da bin ich nie von ausgegangen. Ich habe immer gedacht, ich meine, klar, man kann dann sehen, an den Zahlen, den Downloads und so, wie oft das runtergeladen wird. Aber du siehst natürlich nicht, wer das ist. Und ich war schon immer erstaunt, dass ich gedacht habe, wow, wir haben irgendwie, im BFS sind irgendwie 600 Mitglieder und wir haben 1200 Downloads. Wer hört denn das noch alles? Also, wer interessiert sich überhaupt dafür? Das fand ich immer faszinierend.
25:26 Gast: Und man muss auch zum Beispiel sagen, ich habe meinen ersten Film über den Podcast, Matthias hat eine Folge gehört, wie wir über Final Cut 10, oder X, ich weiß es immer nicht, was ist. Und über diesen Podcast, ich glaube, das habe ich im Podcast auf jeden Fall erwähnt, für mich hatte Film immer ein Ablaufdatum, wenn es nur in Assistenzposition bleibt. Und wirklich, ich meinte immer, bis 25 muss halt der erste irgendwie Langspielfilm da gewesen sein. Und als ob du die Uhr nachstellst, kurz vor meinem 25. Geburtstag stand ich dann am Set in Südtirol und habe da meinen ersten Film mitgemacht. Und ebenso, wie Dirk mir das beigebracht hat, alles durch den Podcast.
26:04 Rainer Nigrelli: Das war ja der Regisseur, der im Podcast die Podcast-Folge gehört hat und gesagt hat, ach.
26:08 Gast: Und vor allem, und das ist ja für euch auch vielleicht noch interessant, vor allem, weil er gerade das Regiestudium an der HFF in München hatte und über Avid abgekotzt hat. Und Folgen gesucht hat, um halt Alternativen für Schnittprogramme herauszufinden. So ist das eigentlich zustande gekommen.
26:24 Rainer Nigrelli: Auch gut. Und warum hat er nicht in dir grau gefragt?
26:31 Jan Henrik Pusch: Lass uns raten, wahrscheinlich hat er nicht das Geld gehabt.
26:34 Gast: Ja, nee, ich weiß gar nicht. Ich finde es ja auch total okay, wenn jetzt ein Nachwuchsregisseur kommt und sagt, ich bin jetzt Nachwuchs und ich habe jetzt hier jemanden, der habe ich jetzt gehört und wir haben das ja auch erzählt. Ich habe das ja auch immer machen lassen, auch von allen meinen Assistenten. Die durften bei mir immer mitschneiden, weil ich immer denke, wenn ich ausbilde, dann müssen die auch lernen, was ich da mache. Also es nützt ja nichts, wenn die ja nur sitzen und anlegen und Tonpedeln und so. Das bringt denen ja nichts und das bringt mir ja als mein Anführungszeichen Ausbilder auch nichts. Ich will ja, am Ende will ich da sitzen.
27:10 Eigentlich mache ich das jetzt mal um einen Punkt zu bringen. Ich mache es ja eigentlich nur dafür, dass wenn die mal einen Oscar kriegen, dass die dann sagen, ich danke Dirk Grau. Dafür danke mache ich das ja. Und deswegen müssen die ja so viel wie möglich lernen, damit ich hinterher sagen kann, bin ich stolz drauf, finde ich super.
27:27 Rainer Nigrelli: Darf ich ganz kurz eine Fanfrage stellen? Ich habe manchmal den Eindruck gehabt, ihr wärt in einem Zimmer und hättet gearbeitet. Ist das so? Nee, ihr hattet schon zwei Zimmer, oder?
27:36 Gast: Das war unterschiedlich.
27:38 Gast: Es gab Momente, wo wir maximal 3 oder 4 Meter Luftlinie zwischen uns hatten. Vielleicht eine Flügeltour zwischen uns war. Aber wir haben zum Beispiel, wenn Dirk nicht geschnitten, aber so Muster vorgelegt hat in die Timeline und so, und ich den neuen Tag hatte, habe ich ihm direkt erzählt, wie es läuft. Dadurch haben wir uns dann Infos gegeben. Ich sehe ja dann auch in der Mustererstellung, was so reinkommt, wie ist die Disziplin am Set und so. Also da lässt ja schon Rückschlüsse zu. Wir waren eigentlich im konstanten Austausch immer.
28:11 Gast: Ich war immer ein großer Fan von einem offenen Schneiderraum. Also ich würde heute sagen, vielleicht der gläserne Schneiderraum. Ich war immer ein großer Fan von meiner allerersten Serie, die ich gemacht habe, Balko damals, noch im Studio Babelsberg. Da war ich da, ich weiß nicht, ob ihr das kennt, diese ehemaligen Studios in Babelsberg. Das war in der Tonabteilung ein ganz langer Gang. Da waren rechts und links, hauptsächlich damals noch richtig 16- und 35-Millimetertische. Und viel Vertonung wurde da gemacht. Und dann rechts und links waren 10 Türen oder so was, wo verschiedene Schneideräume waren. Mir gegenüber saß der Peter Pschigotta mit dem Olli Weiß. Da hatte Olli Weiß Assistenz gemacht.
28:52 Und italienischer Editor gleich zwei Dinger weiter und so. Und ich war der Einzige, der die Türe vom Schneiderraum immer offen hatte. Weil ich immer gedacht habe, es ist doch cool, wenn man da auch reingehen kann, oder reingucken kann, oder auch mitreden kann, oder sagen kann, hey, was machst du da gerade? Interessant, was machst du? Und die anderen hatten ihre Türe immer verschlossen. Und ich mochte das immer, sozusagen die Kommunikation mit den anderen zu suchen. Und auch wenn ich mit Theo gearbeitet habe, ich habe immer gesagt, du kannst immer dabei sitzen, du kannst immer gucken, immer fragen. Ich erinnere mich zum Beispiel ganz am Anfang, da saß Theo irgendwann hinter mir und hat zugeguckt.
29:33 Und ich habe diese Angewohnheit, mir selber zu reden, wenn ich arbeite. Ach geil. Und dann, Theo kannte das damals noch nicht und sagte zu mir, muss ich irgendwas machen? Soll ich jetzt irgendwas tun oder so? Weil ich immer die ganze Zeit geredet habe.
29:47 Rainer Nigrelli: Kannst du das mal beschreiben? Was ist das? Oder weißt du das noch?
29:50 Gast: Ja, was ich mache.
29:51 Rainer Nigrelli: Wie hört sich das an in so einem Grausch?
29:52 Gast: Ich habe das dann auch gemacht. Das kann ich jetzt nicht machen, weil der kommt aus der Emotion, warte mal, muss er das jetzt aufnehmen? Also dass man sich die Szene nochmal auch erzählt, was passieren muss.
30:02 Gast: Du erzählst dir selber vor, was passiert.
30:03 Gast: Oder das emotionale Anschlüsse, warum nimmst du den Take nicht? Weil er eher so und so sein muss. Und dann zum Beispiel, dann kommt ja auch irgendwann, wenn das Gerüst steht, kommt ja dann auch die Frage, okay, aber macht das dramaturgisch auch Sinn? Oder solltest du das lieber klein erzählen, um es dann groß aufzumachen? Und so was, dass du so quasi in eine Interaktion mit der Szene getreten bist. So hatte ich das Gefühl, dass du es gemacht hast.
30:24 Gast: Genau so ist es, ja.
30:25 Rainer Nigrelli: Dann seid ihr halt direkt verbunden dadurch natürlich auch. Das ist natürlich schön, wenn du in so einem Raum bist.
30:29 Gast: Das hat Leute dann in meinem jetzigen Umfeld, in dem ich bin wahnsinnig, ich rede unglaublich viel mit mir selber, weil es halt wirklich, es strukturiert halt deine Arbeitsweise extrem und gibt die Orientierung in dem, was du machst. Und ich weiß nicht, wie euch das geht, aber 4, 5, 6 Einstellungen, noch mal 4, 5 Takes für eine Szene, da ist auch viel einfach da. Und wenn du redest, da redest du dich auch in irgendwas, ich glaube, in irgendein Flow, redest du dich da auch rein, habe ich das Gefühl.
31:00 Gast: Ja, das ist ja auch, man ist dann, also die Fußballer, wie gestern bei Dortmund, die verloren haben, die würden jetzt sagen, wir sind im Tunnel.
31:11 Jan Henrik Pusch: Anscheinend nur in der ersten Halbzeit.
31:12 Gast: In der ersten Halbzeit waren sie im Tunnel, in der zweiten Halbzeit war dann real besser. Nee, nicht besser, aber die hatten halt mehr Glück.
31:19 Jan Henrik Pusch: Das finde ich übrigens das Schöne, bei eurem Podcast, da seid ihr auch immer schön abgeschwiffen und habt über Fußball gesprochen, da erinnere ich mich sehr dran. Ich finde, das könnten wir hier jetzt auch noch machen, oder? Sollen wir noch über das Spiel von gestern reden?
31:30 Rainer Nigrelli: Also ich klinge mich aus, ist das okay für euch? Ich würde zuhören jetzt.
31:34 Gast: Ja, wir können gerne kurz in Ruhe sprechen.
31:35 Gast: Ich würde mich auseinander anschließen, ich würde mich raushalten, ihr erzählt.
31:39 Rainer Nigrelli: Ihr habt zwei Minuten, okay?
31:41 Gast: Ich fand es schade, dass Dortmund nicht gewonnen hat, weil die gestern wirklich die erste Halbzeit richtig gut gespielt haben. Mats Hummels auf Weltklasse-Niveau, muss man sagen.
31:48 Jan Henrik Pusch: Ich muss ja dazu sagen, ich habe es ja leider nicht ganz sehen können, da ich ja bei der BFS-Veranstaltung war. Und dann habe ich aber sehr nett in einem Friseur den Schluss sehen können. Und das Allerschlimmste an dieser Niederlage, denn ich bin großer Dortmund-Fan, müsst ihr wissen. Ich glaube, so privat war ich noch nie in unserem Veranstaltungsland.
32:08 Gast: Aber provisor mein Vater als Friseur.
32:11 Jan Henrik Pusch: Ich glaube nicht ein solcher Friseur, wie der, wo ich gestern geguckt habe. Auf jeden Fall war das so, dass ich in dem Moment, wo ich angefangen habe zu gucken, hat Dortmund nur noch Scheiße gespielt und haben direkt zwei Tore gefangen.
32:25 Gast: Das war die letzte Viertelstunde, die letzten 20 Minuten.
32:27 Jan Henrik Pusch: Genau.
32:28 Gast: War es deine Schuld?
32:29 Jan Henrik Pusch: Ich befürchte, dass ich jetzt sozusagen schuld daran bin, dass Real Madrid in die Champions League ist.
32:36 Gast: Wenn du gegen Real Madrid spielst und in der ersten Halbzeit wirklich 300-prozentige hast, dann musst du mindestens einen davon machen. Ansonsten, die machen immer ein Tor.
32:47 Jan Henrik Pusch: Aber ich hätte ja eh gedacht, dass es besser gewesen wäre, wenn Dortmund gegen Bayern spielt.
32:52 Gast: Ich ja nicht. Ich weiß, ich mache mir jetzt viele Feinde, aber ich bin immer grundsätzlich gegen Bayern.
32:57 Jan Henrik Pusch: Ich auch, aber der Vorteil, ich werde sehr privat hier, der Vorteil darin, gegen die Bayern zu gewinnen, war höher, als wenn man gegen Real gewinnt. Natürlich wäre auch, wenn sie gegen Bayern verloren hätten, es noch schlimmer.
33:10 Gast: Ja, das wäre viel schlimmer gewesen.
33:11 Jan Henrik Pusch: Ja, das wäre viel schlimmer. Aber in solchen Situationen bin ich dann doch eher, dafür das Risiko zu nehmen.
33:16 Gast: Okay, gut, ja das verstehe ich. Also ich mag tatsächlich Real auch ganz gerne, aber deswegen fand ich gut, dass sie gegen Bayern gewonnen haben.
33:25 Rainer Nigrelli: Sag mal, ich habe auf die Uhr geguckt, zwei Minuten wären jetzt um, wäre das in Ordnung, wenn ich ein neues Thema reinpfeffer?
33:31 Jan Henrik Pusch: Aber wir müssen zurückspringen, wir waren ja beim Tunnel.
33:35 Gast: Meine Freundin lebt übrigens in Dortmund.
33:38 Gast: Für sie war es auch ein besorgeriger Abend. Ich könnte jetzt meinen Lieblings-Fangesang von Dortmund bringen, aber ich glaube, ich lasse das jetzt mal lieber.
33:48 Rainer Nigrelli: Wir waren im Tunnel, das heißt, du wirst ja noch anschließen.
33:50 Gast: Was war nochmal mit dem Tunnel?
33:52 Gast: Dieses Flow erleben, beim mit sich selber reden, wenn man nicht sehr schneidet.
33:56 Gast: Also ich bin dann tatsächlich in einem Tunnel, wo ich auch um mich herum nichts wahrnehme. Also ich kann dann arbeiten, und dann komme ich aus dem Tunnel wieder raus und denke, oh Gott, zwei Stunden. Und mein Tee, den ich mir vor zwei Stunden aufgeschüttet habe, der steht kalt in der Küche. Und ich gehe dann rüber und mache das Wasser nochmal neu heiß. Das passiert mir ständig. Und ich glaube, das ist so ein Zustand, in den ich dann reinkomme, wo ich außenrum alles vergesse. Da arbeitet man quasi nur im Unterbewussten. So geht mir das oft.
34:33 Rainer Nigrelli: Ich glaube, viele beneiden euch für diese Art von Beziehung einfach. Und ich glaube, so etwas ermöglicht das halt. Also wenn du quasi so eine Tür aufhast, dabei kommunizierst, sage ich mal, und du halt diese Kommunikation aufnehmen kannst und dann halt in so einen Austausch automatisch kommst.
34:49 Gast: Wo man sagen muss, dabei haben wir, da war auch die Zeit, also wir hatten das schon auch, dass du dann gesagt hast, ich muss jetzt mal die Tür zumachen, weil zum Beispiel, ich nenne es jetzt mal Brabbel-Anfälle, liebkosend, da ist es ja natürlich nicht so, dass ich da irgendeinen Input geben will, kann oder soll, sondern da soll er ja wirklich in seine Zone gehen und sein Zeug machen und so. Also das waren die wenigen Momente, wo ich zwar dann, vor allem in der Anfangszeit, wo ich dir viel über die Schulter geguckt habe, halt zugeguckt habe, je länger wir miteinander waren, desto weniger war ich, sag mal, bei diesen Selbstgesprächen dabei.
35:26 Also das war wirklich vielleicht sogar die einzige Zeit, wo wir dann nicht so, weil das wäre ja auch störend gewesen, also so ein Dialog mit uns ist da dann nie aufgekommen, oder?
35:37 Gast: Nee, ich glaube, das ist, es ging, also, wir haben ja immer, ich habe immer gefragt, was willst du für eine Szene machen? Was ist das, was dich interessiert? Und dann hast du deine Szene gemacht und hast die geschnitten und dann haben wir die dahinter analysiert, besprochen und was würde ich anders machen? Und sind das dann immer durchgegangen. Aber wenn ich jetzt in diese hochkonzentrierte Arbeitsphase gehe, dann braucht man natürlich auch eine gewisse Ruhe. Klar. Aber ansonsten, wie gesagt, ich bin immer ein großer Freund davon gewesen. Aber es ist oft zu gestalten.
36:10 Rainer Nigrelli: Ich spreche ja auch in den Folgen hin und wieder darüber, dass ganze Szenen, ganze Sachen, die du geschnitten hast, auch im Film gelandet sind. Ja, und ich meine, so bist du halt dann dazu gekommen. Das heißt, du hast quasi nicht gewusst, wie das geht. Und du hast es hier dann gelernt.
36:26 Gast: Also das, sprichwörtlich, Generationenpraktikum, ja. Obwohl man wirklich sagen muss, dass das ja eher so eine intuitiv-affektive Geschichte ist. Also es ist ja jetzt nicht so, dass du irgendwie quasi, wenn das so und so, dann musst du so und so. Also da war kein Regelwerk. Lieblingsgeschichte ist immer die Bucke, außer der Öl, so wie du immer genannt wirst, der macht Schnitte, die macht kein anderer Cutter. Weil das war das, was ich von Dirk gelernt habe, dass er quasi der Sog, den so ein Film auf dich ausüben kann, dass der wichtiger ist als jeder Anschluss und als jeder Achsensprung jemals. Also Achsensprünge merkt keiner, wenn die Emotionalität stimmt.
37:12 Ich würde behaupten, dass ich es auch in der langen Zeit, wo ich es gemacht habe, nie so wirklich verstanden habe oder so. Aber ich glaube, dass das, was Dirk mir beigebracht hat, ist neben den technischen Sachen, wo ich sagen würde, das war aufgrund der Computerkenntnisse relativ einfach irgendwann machbar, aber das, was quasi das Handwerk und dann auch irgendwann die Kunst ist, das ist was, was Dirk mir durch diese Dialoge viel beigebracht hat, über diese Art, den Film ganz pathetisch zu fühlen.
37:46 Gast: Das ist mir beim Schnitt immer das Wichtigste. Das Wichtigste ist immer nur die Emotionen. Also ich würde mich nie mit jemandem darüber streiten, zwei Frames mehr oder zwei Frames weniger. Was ganz viele Kollegen machen, die harren darauf zu sagen, ne, das ist die richtige Stelle. Und für mich ist das nie wichtig gewesen. Für mich war immer nur wichtig, wie reagiere ich emotional auf die Szene. Also das liegt vielleicht an meiner Persönlichkeit, weil ich selbst ein sehr emotionaler Mensch bin, in jeglicher Hinsicht. Also ich sitze im Schnellraum, ich lache, ich weine. Also ganz oft weine ich tatsächlich auch, wenn irgendwas traurig ist. Ich fühle emotional das mit, was die da gerade erleben.
38:27 Jetzt nicht beim Mord oder so, aber ich gebe mir wirklich meine ganze Emotion da rein. Und das ist für mich immer das Wichtigste gewesen. Auch beim Filme gucken oder so. Für mich ist immer nur wichtig, wie bewegt mich das emotional? Was kann ich emotional damit anfangen?
38:43 Rainer Nigrelli: Du hast uns direkt auf das nächste Thema gebracht. Vielen Dank, Dirk.
38:46 Gast: Gerne, das war ja so geplant. Ich folge ja hier dem Topic, den ich hier vor mir liegen habe.
38:52 Rainer Nigrelli: Und dieses Topic, also wir wollen ein bisschen das aufgreifen, was ihr immer gemacht habt, dass ihr am Anfang so eine Art Thema hattet. Und wir dachten, das Thema muss natürlich hier lauten, der gute Schnitt. Was ist das denn, der gute Schnitt?
39:04 Gast: Das haben wir ja in 52 Folgen versucht, herauszufinden.
39:08 Jan Henrik Pusch: Deshalb muss es jetzt, in eurer Abschlussfolge, muss es jetzt sozusagen ganz schnell auf einen Satz runtergebrochen werden können.
39:17 Gast: Ich würde dann aus meiner Perspektive sagen, der gute Schnitt ist wirklich der, der dich emotional so fesselt, dass du so in dem Film drin bist, als ob du das erleben würdest.
39:30 Gast: Weil ich wollte sowas ähnliches sagen. Also der gute Schnitt ist der, wo ihr als Cutter im Kino sitzt und nicht über den Schnitt, sondern über das, was da gerade passiert, nachdenkt, weil es euch quasi passiert, angetan wird, was auch immer. Das ist der gute Schnitt. Also quasi der Unsichtbare.
39:50 Gast: Ich erinnere mich daran, ich habe mal, also in meiner Zeit, da ich noch einen richtigen Beruf hatte, da habe ich ja bei Siemens gearbeitet. Ah, wusste mir noch gar nicht.
40:01 Jan Henrik Pusch: Mit einem sehr unordentlichen Kollegen möchte ich nur kurz einwerfen.
40:04 Rainer Nigrelli: Was du alles weißt.
40:06 Gast: Mit wem habe ich den genannt?
40:07 Rainer Nigrelli: Ach, mit...
40:09 Jan Henrik Pusch: Aber der hat alles gefunden, mit einem Griff.
40:10 Gast: Habe ich den geoutet, ja, tatsächlich. Habe ich den Namen genannt? Auf gar keinen.
40:15 Jan Henrik Pusch: Du hast extra erwähnt, dass du nicht den Namen genannt hast.
40:17 Gast: Okay, sag den Namen nicht. Also, ich sag nicht, dass das Ralf war. Aber der Nachname ist ja nicht genannt, deswegen weiß es keiner. Nee, auf jeden Fall. Der war es aber nicht. Ich habe mich dann Jahre nachdem ich diesen Berufwechsel gemacht habe, wir haben uns trotzdem immer noch einmal im Jahr oder so getroffen, einfach über die alten Zeiten geredet und so. Dann war dieser eine Kollege, der sagte zu mir, Mensch, er hat diesen wunderbaren Film gesehen. Und da gibt es so Szenen, die sind überhaupt nicht geschnitten. Da fahren die so über einen Wasserfall und ohne geschnittenen fährt das Kano über den Wasserfall nach unten. Und ohne Schnitt.
40:56 Und da habe ich sofort gedacht, okay, das gucke ich mir sofort an, das muss ich jetzt sehen. Und ich habe mitgezählt, es waren also irgendwie 200, aber es waren irgendwie 32 oder so. Und da muss ich sagen, das ist dann ein guter Schnitt. Weil der Zuschauer ist so da drin, dass der gar nicht mitkriegt, dass es geschnitten ist. Und der sieht das als eine durchgängige Sequenz.
41:17 Gast: Aber jetzt mit mich mal, was ist für euch denn der gute Schnitt?
41:21 Rainer Nigrelli: Es ist halt immer eine schwierige Frage, weil ich denke, man sieht ja nur das Ergebnis. Also wir haben einen guten Film. Wenn der gut ist, wenn das ein sehr guter Film ist, dann ist er meiner Meinung nach gut geschnitten. Sehr gut geschnitten. Jetzt natürlich eine andere Frage, ob es so eine Leistung gibt, vom Editor, der das geschnitten hat. Vielleicht war schon, als dir das Rohmaterial einfach hintereinander gegangen hat, der Film schon sehr gut. Das wissen wir nicht. Oder vielleicht war der sehr schlecht und da hat er unglaublich viel gearbeitet müssen, dass der halt sehr gut geworden ist. Also ich finde es halt immer schwierig zu sagen, wessen Leistung das ist und so.
41:51 Aber ich glaube, man kann mit großer Sicherheit sagen, wenn das ein guter Film ist, ist er auch irgendwie gut geschnitten.
41:57 Gast: Wenn ich da kurz rein, weil das finde ich super interessant, was du gerade für ein Argument aufmachst, war eine der Sachen, die mich nach wie vor beschäftigt ist. Ich habe mal einen Fernsehfilm gemacht, muss ich jetzt einen Namen nicht sagen und so, auch nicht wann, so. Aber das war grotesk. Also von der schauspielerischen Leistung, alles so. Und ich glaube wirklich, da eine meiner Top-3 Leistungen geliefert zu haben und die Leute überhaupt wie Schauspieler und Schauspielerin aussehen zu lassen. Aber nach wie vor ist der Inhalt des Films halt murks. Aber da habe ich mich dann auch gefragt, ist das der gute Schnitt, dass das überhaupt, also man sagt ja so, es versendet sich alles, aber dass sich das, diese, zwischen 80 und 120 Minuten, um es weiter so ein bisschen sphärisch zu halten, dass das sich versenden durfte, da habe ich gedacht, eigentlich ist das auch eine Leistung, sodass das irgendwie funktioniert hat.
42:50 Jetzt ist ja aber der Film nicht gut, also ist das dein guter Schnitt?
42:53 Jan Henrik Pusch: Ich finde das einen sehr interessanten Punkt, weil wir haben ja die Edimotion als ein Festival für Schnitt und da ist mal ein Film vorgeführt worden von zwei wahrscheinlich von uns sehr geachteten Kollegen, die diesen Film beide nacheinander bearbeitet haben und beide darüber gesprochen haben, wie viele Dinge sie gemacht haben, um diesen Film dahin zu bringen, wo er ist. Weil sie gesagt haben, der Film hatte super viele Probleme und jetzt sind wir hier. Und ich ging raus, ich hatte das mit einer Kollegin zusammengeguckt.
43:32 Rainer Nigrelli: Nee, du hast das mit mir geguckt.
43:33 Jan Henrik Pusch: Und meine Kollegin sagte...
43:37 Rainer Nigrelli: Lalalala.
43:39 Jan Henrik Pusch: Meine Kollegin sagte, also Kollegin Rainer, sagte, einen Schnittpreis kann man nicht dafür bekommen, dass man den Film besser gemacht hat, sondern dafür muss der Film auch gut sein.
43:57 Rainer Nigrelli: Ja, ich dachte halt auch, warum läuft er denn auf dem Festival? Und wir haben dann gehört als Argument, naja, weil man da Schnittleistung sehen kann. Es geht ja um die Schnittleistung, nicht, dass das jetzt nur ein super Film ist, sondern man sieht daran, oh, da wurde sehr, sehr viel dran geackert. Ich glaube, das war eins der Argumente, oder?
44:14 Jan Henrik Pusch: Das war der eine der Argumente. Der Film hat den Preis nicht gewonnen, deshalb glaube ich, kann man das so stehen lassen. Aber ich finde diesen Gedanken total spannend. Ist das, also wenn man aus Preissicht denkt, weil ich glaube, für uns ist es als Menschen, die diesen Schnitt vollführen, ist es sehr befriedigend, einen nicht so starken Film weit gebracht zu haben. Aber sehr schön ist es auch, einen ganz tollen Film zu vollem Glanz zu bringen. Deshalb ist es glaube ich irgendwie...
44:50 Gast: Ja, deswegen glaube ich, kann man das so gar nicht sagen. Es gab auch mal eine Diskussion, ich weiß gar nicht, welcher Film das jetzt gewesen ist. Da ging es darum, ja, das war so wahnsinnig viel Material, der muss den Preis ja kriegen. Und da denke ich so, okay, das Argument, das habe ich jetzt noch nie gehört, aber das gab es auch, dass mir jemand so etwas gesagt hat. Und dann habe ich auch gedacht, okay, aber wenn ich jetzt wahnsinnig viel Material habe, klar, muss ich mich da durchkämpfen und alles, aber da habe ich so viele Möglichkeiten, das Gute zu finden, als wenn ich jetzt ganz wenig Material habe und aus dem ganz wenigen auch was Vergleichbares zu machen.
45:30 Deswegen, ich finde, das ist so über Material oder über... Man sieht ja den Film vorher hinterher nicht, deswegen kann man, wie du gerade sagst, man kann es schwer hinterher quantifizieren und sagen, der Preis kriegt jetzt der, der dir den besten Schnitt oder aus dem schlechtsten Film den besten Film gemacht hat oder so, aber ein bisschen anderen Gewerken nicht anders. Also, wenn du jetzt Kamera z.B. denkst und die haben irgendwie 60 Drehtage, hat die Kamera wahnsinnig viel Zeit, um tolle Fahrten zu machen, um tolles Licht zu machen und die Schauspieler richtig zu setzen, wird der Kameramann oder die Kamerafrau eher den Preis kriegen, als wenn du jetzt einen Studentenfilm hast mit 12 Tagen oder 15 Tagen, wo du das gleiche Ergebnis erzielen sollst.
46:14 Also, ist dann die Kamerarbeit besser oder schlechter, vielleicht ist die von dem Studenten viel besser, weil der in der viel kürzeren Zeit fast gleiche Ergebnisse gekriegt hat.
46:25 Jan Henrik Pusch: Also, halten wir fest, einen Schnitt zu bewerten, ist eigentlich unmöglich, deshalb ist das euer Name, der gute Schnitt sozusagen, etwas, was wir so nie bewerten können.
46:37 Rainer Nigrelli: Oh, aber das heißt, das ist nicht die letzte Folge, ne? Das heißt, das muss immer weitergehen.
46:41 Gast: Ach du Schande.
46:43 Jan Henrik Pusch: Der unendliche Schnitt.
46:45 Gast: Nein, ich denke, wie gesagt tatsächlich, man darf es nicht daran messen, wie viel der Film gekostet hat, oder wie der entstanden ist, oder wie viel Zeit man gehabt hat dafür, sondern einfach nur nimm dich das emotional mit. Und das ist dann für mich ein guter Schnitt. Und dann kann man natürlich sagen, okay, ich finde den Film besser als den anderen, weil er mich emotional mehr bewegt, oder weil ich da irgendwie die Landschaften toll in Szene gesetzt finde, oder die Schauspieler oder so. Das kann man natürlich dann jeder für sich selbst beurteilen, aber wenn ich mich emotional mitnehme, finde ich, ist das ein guter Schnitt. Was dann besser oder schlechter ist, ist dann natürlich sowieso subjektiv.
47:27 Rainer Nigrelli: Ich werfe an der Stelle immer gerne ein. Gesa Maden hat uns gesagt, sie sagt, die Montage ist der Film. Also das ist quasi schon der Film, und deswegen so schwer darüber zu sprechen, weil das in sich schon alles passiert ist oder passiert, oder wenn man das guckt. Zum Beispiel, du hast das Beispiel mit dem Kameramenschen genommen. Das kann man etwas leichter beurteilen, weil man das Ergebnis klarer sieht. Man sieht da so ein Frame, man sieht, wie das gebaut ist. Wie auch immer das entstanden ist, ob da viel Geld oder wenig Geld drinsteckt. Aber für dieses Montage-Ding, du weißt nicht genau, was es da vorgab und wie das entstanden ist.
48:04 Deswegen müssen wir immer an dieser Oberfläche argumentieren. Und das macht es halt so schwer. Ich glaube tatsächlich auch nicht, dass es da eine Lösung für gibt am Schluss. Oder Vorschläge, so wie du es jetzt gerade sagst, Emotionen. Wenn ich emotional dabei bin, dann ist das für mich gut geschnitten.
48:18 Jan Henrik Pusch: Aber jetzt, wie können wir die Emotionen, ich denke da ja auch manchmal drüber nach, wie kann man Emotionen sozusagen bewerten. Dann wäre die eine Sache, man sagt, man schneidet es mal, auf die eine Art und Weise, ändert den Schnitt und guckt es dann ein zweites Mal. Aber dann hat man es ja schon das erste Mal gesehen. Das ist ja was, meine ich, also selbst dieses, die Emotionen.
48:40 Rainer Nigrelli: Du meintest das gerade, Theo, dass du beim Zuhören von dir gehört hast, wie er sowas gesagt hat, ja emotional passt der Take nicht.
48:47 Gast: Ja, oder er kommt nicht, er oder die Schauspielerin kommt aus einer anderen Emotion zum Beispiel, deswegen muss hier ein bisschen weniger direkt am Anfang gemacht werden, weil das zum Beispiel noch im Hinterkopf ist.
49:01 Jan Henrik Pusch: Ich meinte auch eher, die Zuschauer-Emotion, also jetzt nicht die Emotion, die sozusagen auf dem Schauspieler kommt.
49:10 Gast: Ich würde gerne Folgendes vorschlagen, ich finde es ja eh ein sehr, sehr philosophisches Thema, was wir haben, dass unser Podcast-Titel quasi die Unendlichkeit unserer Serie vorschlägt, weil was ist gut, was ist Schnitt. Und ohne jetzt eine weitere philosophische Debatte aufmachen zu wollen, aber natürlich könnten wir uns ja auch darüber unterhalten, wie sinnvoll ist denn das Kunst mit Preisen zu bewerten? Und da möchte ich jetzt vielleicht zurück auf meinen Ausgangspunkt kommen.
49:45 Gast: Warte, ich hole mal gerade meine Lola aus.
49:49 Gast: Wenn wir, also ich habe dir das Thema aufgemacht, schlechter Film, aber so geschnitten, dass Leute sich das angucken und das funktioniert. Das ist ja was, was der Nutzer oder die Nutzerinnen, also die Konsumenten von Kinofilmen natürlich nicht interessieren sollte. Aber sollte es nicht dafür Preise genau geben, dass eben jemand im Hintergrund, also wie du das auch gesagt hast, es ist ein Film auf einem Festival gelaufen, der eigentlich dann nichts zu suchen hatte, weil der so grotesk gefilmt war, aber noch gut zusammengehauen wurde, dass er neben Filmen, also ich mache es wesentlich drastischer, aber es ist schon völlig gut.
50:28 Gast: Entschuldigung, ich muss eine kurze zwischenseitige, ich darf darüber nicht reden, deswegen sage ich es auch nicht, aber was ich sagen darf, ist glaube ich, wenn man so in einer Vorauswahljury drin ist, die Begründung, warum manchmal Filme mit in eine Endausscheidung genommen werden, sind manchmal absurd. Und da sind dann solche Sachen, die dann entstehen. Deswegen kommen vielleicht solche Filme dann auch, werden dann gezeigt.
51:01 Gast: Ich wollte jetzt einfach nur das Argument aufmachen, dass ja durch Handwerk quasi dafür gesorgt wurde, dass eben der Film stehen konnte und dem konsumierenden Volk das wahrscheinlich gar nicht auffällt. Und ob nicht dafür ein Preis eher sinnvoll ist als, wenn du halt genug Geld hast, um das reinzubrettern, dir die teuersten Leute holst, die teuerste Crew und sowas, dann kann man diese letzten fünf oder die letzten zwei Prozent holen, die halt eben speziell im Kopf bleiben. Aber das ist halt Kunst und wieso sollen wir das bewerten? Ist es nicht krasser, wenn Leute die Kohlen aus dem Feuer holen?
51:37 Gast: Wer kann es bewerten und wer soll es bewerten? Deswegen ist immer die, also ich glaube, Kunst an sich ist immer der Grundsatz ist, ich mache das, was mir als Künstler gefällt. Ich kann nie was machen, was einem anderen gefällt. Ich glaube nicht, dass Picasso gesagt hat, ich male jetzt was, was dem und dem Kunstmetzen gefällt, sondern er hat das gemalt, was aus ihm herauskommt. Und dann hast du das Glück oder das Pech, in der Zeit zu leben, wo die Leute das mögen oder wo die das Leute nicht mögen. Und so geht es, glaube ich, jedem Künstler. Also sich hinzustellen und zu sagen, ich mache jetzt Kunst, damit die anderen das toll finden, ist ja quasi im Grunde genommen schon ein Widerspruch in sich.
52:19 Du machst die Kunst aus dir heraus und die kommt aus deinem, was auch immer, aus deinem Inneren, aus deinem Selbst. Und die geht nach außen. Und dann mögen nicht die Leute, die Leute mögen es nicht.
52:33 Jan Henrik Pusch: Und das ist bei Machen völlig klar, aber wenn er dann im Kino ist zum Beispiel, freut man sich dann doch, wenn es sehr viele Leute interessiert.
52:41 Gast: Ja, natürlich, klar. Ich meine, wenn ich jetzt ein Künstler bin und ich habe 500 Bilder gemalt und keiner kauft die, dann denkst du am Ende auch, okay, dann mach ich jetzt eine Kneipe auf. Ja, also, weil von irgendwas willst du auch leben. Und du hast zwar dann 500 Bilder gemalt und bist irgendwie ganz toll, findest du das ganz toll auch. Aber natürlich will man auch, dass die anderen das toll finden. Aber das ist dann eben, manchmal hat das ja auch was mit Zeitgeist zu tun. Es gibt ja genügend Künstler, die arm gestorben sind. Ich glaube, Van Gogh ist ja so einer von denen, der ist arm gestorben und heute kannst du die Bilder nicht bezahlen.
53:18 Rainer Nigrelli: Ich habe, also vielleicht so ein bisschen ergänzend, aber auch ein bisschen in eine andere Richtung. Ich habe gestern mit der Anne Fabini gesprochen und die meinte, es wäre doch mal interessant, ich hoffe, ich darf das sagen an der Stelle, mal so was zu machen, wo man über einen Film spricht und sagt, was schlecht geschnitten ist daran. Also vielleicht kommt man ja so auch zu einem Ergebnis. Also dass man vielleicht versucht mal zu sagen, das ist halt nicht gut, das hätte man so und so vielleicht besser machen können.
53:42 Gast: Du, das geht mir ständig so und ich sitze dann mit meinen Eltern manchmal, ich glaube, die gehe ich auch auf den Keks an, dann sitze ich dann vor irgendwelchen Filmen und sage, das würde ich nie so schneiden. Das ist komplett falsch romantiert, das muss zuerst kommen und dann muss das und so. Und dann gucken die mich nur an und dann denke ich so, okay, wir gucken weiter. Aber manche Filme gucke ich an und denke mir sofort beim Gucken nach, das ist falsch montiert.
54:10 Jan Henrik Pusch: Das ist interessant, weil das passiert mir, dafür muss es schon sehr schlecht sein, dass ich darüber nachdenke. Es ist oft, dass ich dann denke, mir gefällt der Film nicht oder dies oder das gefällt mir nicht, aber dass ich dann wirklich darüber nachdenke, was da am Schnitt sein könnte, weil ich bin irgendwie in einem Film drin und versuche mich wirklich darauf einzulassen, wenn ich einen Film gucke.
54:33 Gast: Das kann natürlich damit zu tun haben, dass wenn ich mit meinen Eltern Filme gucke, das sind wahrscheinlich nicht die Filme, die ich sonst gucken würde, wenn ich alleine bin. Weil man orientiert sich natürlich auch ein bisschen an der Auswahl der Eltern, was gucken die, was wollen die gucken, dann muss es deutsch sein, damit sie es verstehen und so. Und dann erkennt man dann schon mal eher Fehler in solchen Sachen. Das sind dann, ich weiß es gar nicht genau, manche Sachen sind wirklich aus den 60er Jahren oder so. Alte schwarze-weiße Filme oder so, die wir schon mal öfters gerne gucken.
55:10 Gast: Obwohl ich sagen muss, dass ich den Vorschlag super gut finde, weil so eine gesunde Fehlerkultur, wo hat das geschadet, das finde ich gut. Aber wir haben es ja an Dirks Reaktion gesehen. Dann kategoriere eben mal. Was ist denn jetzt noch handwerklich? Oder wo fange ich jetzt an, dich in deiner künstlerischen Art? Und jetzt nicht Dirk, aber wir haben viel darüber geredet, dass da viel emotional halt auch einfach zusammengebaut wird. Dementsprechend könnte man sich oder kann ich mir vorstellen, dass die Gespräche auch dann erhitzt laufen. Also da müsste man vielleicht einfach nur eine Diskursgrundlage schaffen, aber an sich finde ich die Idee sehr gut.
55:48 Gast: Ich möchte da noch eine kurze Sache zu sagen, und zwar, was mir persönlich passiert ist. Und deswegen, ich finde das gut, wenn man darüber spricht und auch wenn man darauf angesprochen wird. Unser lieber Kollege Peter Adam, der hat vor vielen Jahren, wir haben zusammen im Schneideraum gesessen, damals hat er gemacht, Gruppe bei Lenin und ich habe Rhythm Is It! geschnitten, wir waren auf dem selben Gang quasi nebeneinander. Und da haben wir uns kennengelernt damals und sind dann mehr oder weniger immer so ein bisschen in Kontakt geblieben und wenn wir uns getroffen haben und so haben wir miteinander gequatscht.
56:26 Jan Henrik Pusch: Es gibt auch eine sehr schöne Folge von euch.
56:28 Gast: Ich weiß, aber das war noch weiter vor. Und da hat Peter mal zu mir gesagt, dass du zu schnell schneidest oft. Du musst mal versuchen, die Reaktionen mehr zu kitzeln. Und das war schon nachdem ich die Lola gewonnen hatte für Knallhart. Und es fand es interessant, dass er mir das sagt. Ich habe ihm das sehr hoch angerechnet, weil das würde man sonst einem Kollegen nicht sagen. Ich würde jetzt nicht zu einem Hans-Jörg Weisbricht hingehen und sagen, pass auf mal, Hans-Jörg, das fand ich jetzt irgendwie nicht gut oder so. Ich mag seine Filme gern und ich sage ihm dann immer, wenn ich es mag. Aber ich würde jetzt nicht zu einem Kollegen hingehen und sagen, weißt du, eigentlich hättest du da mehr so und so machen müssen.
57:08 Und das fand ich ganz toll, dass er das gemacht hat. Und ich habe mir das sehr zu Herzen genommen. Und habe dadurch auch nochmal das Gefühl gehabt, für mich in meiner persönlichen Entwicklung als Editor, nochmal einen Schritt vorwärts zu gehen. Und Dinge dann bewusst anders zu machen hinterher. Deswegen, ich finde es so eine Art von, wie Theo gesagt hat, Fehlerkultur, das gibt es ja eigentlich fast überall. Aber in anderen zu kritisieren, muss ja nicht negativ sein. Es kann ja durchaus was Positives sein. Aber es kann auch Qualitätssicherung sein. Im Grunde genommen, woraus lernen wir denn im Leben? Wir lernen im Leben meistens aus Fehlern.
57:49 Gast: Ja, ich sehe das genauso. Aber es geht alles auf diese Frage, wo ist was trennbar? Was weiß ich, welchen Film hat Anne Fabini? Hat sie nicht diesen Kalkbrennerfilm z.B. Der ist jetzt sehr gut angekommen. Mir fallen jetzt per se, aber auch da, ich bin weitaus nicht so erfahren wie ihr, das wäre für mich interessant für sie, das zu fragen, wäre es denn auch okay, wenn man quasi renommierte Filme nehmen würde von Leuten und darüber, weil auch da gibt es, auch in den Filmen, wo ich sagen würde, dass es ein guter Film gibt, gibt es trotzdem dann einzelne Szenen, wo zumindest mal nachfragen, was war denn da los und wie auch ist überhaupt dieser Informationsabruf überhaupt noch möglich nach den Jahren.
58:41 Aber in sich finde ich die Idee supergeil.
58:44 Gast: Das lustigste, was du gerade gesagt hast, ich erinnere mich an einen Film, den ich mit Matty gemacht habe, mit Matty Geschonek, in Zeiten des abnehmenden Lichts. Und den habe ich dann Jahre später nochmal gesehen. Und ich erinnere mich noch daran, als ich in einer Diskussion mit Hannes, dem Kameramann, hatte. Und dann hat er zu mir gesagt, haben wir halt diesen einen Schnitt da vorne. Meinst du nicht, den sollten wir noch ändern? Und dann habe ich gesagt, nee, das ist doch eigentlich gut. Und dann sagte er, na ja.
59:12 Jan Henrik Pusch: Hallo ihr Lieben. Ihr hört hier gerade eine Folge von Credit to the Edit, die wirklich fast ohne Schnitt auskommt. Aber hier mussten wir leider schneiden. Denn der Recorder hat irgendwelche Probleme gehabt und hat wenige Sekunden verschluckt. Aber da das Ganze ein Laber-Podcast ist, kommen wir, glaube ich, damit ganz gut klar. Also hier geht es weiter mit Credit to the Edit oder dem guten Schnitt.
59:41 Rainer Nigrelli: Vorschlagen, wenn wir mal in eine Jury gerufen würden, um Schnitt zu fährt, wie würden wir das machen?
59:51 Gast: Ich habe das ja schon ein paar Mal gemacht.
59:53 Rainer Nigrelli: Aber in der Konstellation. Das wäre, glaube ich, sehr lustig, über den guten Schnitt zu sprechen.
59:58 Gast: Also ich glaube, dass das nie passieren wird.
1:00:00 Rainer Nigrelli: Das hören ja auch Leute hier.
1:00:03 Gast: Auch ich, jetzt im Nachhinein, fühle ich mich ein bisschen schlecht, dass ich was Schlechtes über Berlin Calling gesagt habe. Du hast gar nichts Schlechtes drin gesagt.
1:00:10 Gast: Ich habe nichts Schlechtes gehört.
1:00:19 Gast: Hast du gar nichts?
1:00:22 Jan Henrik Pusch: Aber weißt du was, ich glaube, jetzt wäre mal ein Punkt, um nochmal zu einer Anekdote zu kommen, die ich total spannend finde. Weißt du eigentlich, Dirk, dass du schon mal in einer Jury für meinen Film saßt? Und zwar, jetzt wird es nämlich ganz spannend. Wir beide haben schon mal telefoniert miteinander. Und zwar, Achtung Theo, du kommst auch noch rein in diese Geschichte.
1:00:46 Gast: Ist das eine Anekdote oder stimmt das?
1:00:49 Jan Henrik Pusch: 2014 habt ihr eine ganz spannende Folge, wo ihr darüber sprecht, dass ihr in diesem Jahr sehr viele andere Filme bekommen habt, um sie zu bewerten und um Dinge zu ändern.
1:01:04 Gast: Ja.
1:01:05 Jan Henrik Pusch: Und da war es tatsächlich so, dass auch in der Zeit irgendwann mal einen Film, einen Fernsehfilm, den ich gemacht hatte, von der Produktion eher kritisch gesehen wurde. Und dann hieß es, Dirk Grau, haben wir gerade mehrere Sachen mitgemacht, der guckt sich den Film mal an und schneidet den dann weiter. Und dann hab ich so gedacht, so mein Dirk Grau, dem ich hier immer zuhöre, übernimmt jetzt hier meinen Film. Und dann hab ich gesagt, war meine Ansage, so und den möchte ich aber als allererstes möchte ich morgen, wenn der den geguckt hat, will ich einmal als erster den bitte anrufen. Das ist mir ganz wichtig, dass wir dann darüber sprechen.
1:01:47 Daraufhin hab ich dich angerufen und du sagtest so, ja, ja, also die Kritikpunkte, was sind denn überhaupt die Kritikpunkte? Da hab ich gesagt, ja, also das, das und das. Und dann meintest du, ja, nee, das wäre so, sehr ist du so und so. Und das wäre gut, das wäre dann so TV-Film-mäßig, dass sehr viele Köpfe halt wären, aber das wäre dann TV. Und du glaubtest eh, dass du keine Zeit hättest. Und daraufhin war das Gespräch beendet. Und dann kam der Regisseur in den Schneider, der Produzent in den Schneideraum. Und er sagte, ja, ich hab mit dir grau gesprochen, er hat keine Zeit, aber es stimmt alles, was ich gestern gesagt hab, das müssen wir jetzt ändern.
1:02:24 Und daraufhin wurde plötzlich alles, haben wir daran weitergearbeitet, es wurde auch, glaube ich, so gar noch mal was nachgedreht. Und der Film hatte großen Erfolg, und damit waren dann alle ganz zufrieden. Aber das war auf jeden Fall ein Event, wo ich großen Spaß hatte.
1:02:46 Gast: Das ist ja sehr lustig. Also ich bin ja, ich finde es ja immer sehr kritisch zu sehen, wenn man gefragt wird, einen Film von einem Kollegen zu übernehmen grundsätzlich. Und immer wenn es geht, würde ich dann auch immer den Kontakt suchen mit dem Kollegen. Ich habe das auch nicht so oft gemacht tatsächlich, Filme übernommen. Ich habe dann oft lieber gesagt, pass auf, ich gucke mir das an und gebe meine Anmerkungen dazu. Weil es im Grunde genommen, ein Film übernehmen bedeutet ja auch, du musst eigentlich nochmal neu schneiden. Also ich kann jetzt nicht einfach nur sagen, ich nehme das, was da ist und mache das, was da ist, besser.
1:03:27 Weil wie soll es gehen? Also du musst dir die ganze Struktur des Films angucken. Du musst nochmal alle Takes angucken. Du musst richtig da eintauchen, in den Tunnel kommen sozusagen. Und deswegen, ich habe oft mir Filme dann angeguckt und habe gesagt, okay, wenn das und das geht, warum macht man das nicht? Also eher dramaturgisch gesprochen als szenisch gesprochen. Weil ich glaube, dramaturgierter bin ich ganz gut. Das habe ich auch studiert, nicht an der Hochschule, aber für mich ist es ja auch, wenn man 50 Bücher gelesen hat, ist auch Studium. Und da kenne ich mich, glaube ich, ganz gut aus. Und deswegen versuche ich dann da, meinen Input zu geben.
1:04:12 Das mit dem Umschneiden, ich habe das, ich weiß es gar nicht, ich kann es nicht, ich will es nicht sagen. Also ich habe einmal einen Film geschnitten für einen Regisseur, den ich sehr mochte auch. Das war eine Komödie, die war überhaupt nicht lustig. Und hinterher dann doch. Wo quasi auch von vornherein, meiner Meinung nach, da ist alles schiefgelaufen. Weil Komödie ist halt Timing. Und Timing, denke ich, kann ich ganz gut. Aber es ist selten vorgekommen, dass ich tatsächlich Filme komplett übernommen haue und die dann gemacht habe. Ich habe oft mehr sozusagen meine Meinung gegeben. Deswegen, ich erinnere mich an so einen Anruf, aber ich hätte nie gedacht, dass du das machst.
1:04:52 Gast: Umso überraschender, dass wir heute hier sitzen. Weil du bist ja da sehr, sehr, sehr besonders noch mit umgegangen.
1:05:02 Jan Henrik Pusch: Ja, es ist ja gut gegangen. Also es ist absolut. Aber das finde ich ja das Spannende bei euch, dass ihr ja sehr ehrlich über solche Dinge sprecht. Also es ist die Situation, da konnte man ja gut agieren. Man muss einfach aufpassen, dass man sozusagen ja dran bleibt. Also mir war dieser Anruf sehr, sehr wichtig.
1:05:25 Gast: Das finde ich auch. Mir ist das dreimal passiert oder dreimal, dass ich quasi als ausgetauscht wurde als Editor. Und in den meisten Fällen ist es auch so, wo man sagt, okay, das verstehe ich auch. Also wenn jetzt zum Beispiel der Produzent-Einfall war, da wollte der Produzent was anderes als der Verleiher. Und die wollten noch ganz was anderes als die Regisseurin und ich. Also es waren sozusagen drei verschiedene Positionen in dem Spiel. Der einen wollten einen Horrorfilm, der anderen wollten einen Thriller, und wir wollten einen Drama. Und dass man das... Ich habe dann gesagt, haben ihr vorher das Drehbuch nicht gelesen? Aber doch, aber die haben es anders gelesen als wir und so.
1:06:05 Und dann ist man einfach komplett auf einem anderen Strang. Und dann macht man das natürlich.
1:06:13 Rainer Nigrelli: Aber da kommen wir wieder auf etwas, warum die Folgen auch hörenswert sind. Weil ihr verstellt euch da nicht. Also da ist ja so eine Ehrlichkeit einfach da bei euch. Deswegen sage ich an der Stelle auch, ich wurde zweimal ausgetauscht. Und ich glaube einmal richtig, einmal nicht richtig. Also mit gutem Grund, einmal mit schlechtem Grund. Aber sowas passiert einfach. Und ich glaube, diese Ehrlichkeit, die spürt man halt bei euch. Also man weiß, ihr verstellt euch da nicht.
1:06:40 Gast: Die zwei ganz kurz, die würde ich matchen.
1:06:41 Rainer Nigrelli: Also bei mir ist es auch zweimal passiert.
1:06:43 Jan Henrik Pusch: Dann muss ich es auch noch sagen, bei mir gab es dann eine Situation, die dann ziemlich absurd lief. Da war es dann, dass zwei Schneideräume parallel gearbeitet haben.
1:06:54 Rainer Nigrelli: Es ist also...
1:06:55 Gast: Ja, ja. Ich sage mal, es gibt nichts, was es nicht gibt.
1:07:01 Rainer Nigrelli: Es ist auch nichts Ungewöhnliches tatsächlich in unserer Branche, wo, ich sage immer, so ein Film ist ein langer Prozess. Wir sind da relativ am Schluss in dieser Kette. Und oft sind es ja Probleme, die am Anfang passiert sind. Ich sage jetzt mal ganz klassisch, das Buch funktioniert einfach gar nicht. Und wenn das dann im Schneideraum quasi immer noch nicht gelöst wurde, muss man es da ja irgendwann lösen. Und dann irgendwann ist es sonst nicht mehr lösbar. Und dann knallen da einfach Konflikte so in so einem Schneideraum.
1:07:26 Gast: Ich glaube, manchmal ist es auch so, und das ist jetzt das letzte Mal, was mir passiert ist, jetzt im Frühjahr tatsächlich sogar, wo alle Probleme, die vorher gemacht, alles, was vorher falsch gemacht wurde, wurde mitgeschleppt durch den Dreh. Also die Fehler, die im Buch sind, wurden mitgeschleppt in den Dreh. Dann wurde viel zu wenig Drehzeit für das Pensum, was die eigentlich hatten, veranraumt. Und dann gab es viel zu wenig Material. Und dann ist es so, dass dann die Redaktion zu unzufrieden war. Und es gab eigentlich nichts anderes zu machen. Also die hatten eigentlich gar keine andere Chance, als irgendwas zu machen. Und was willst du dann noch machen?
1:08:03 Du kannst einfach nur sagen, okay, wir versuchen es mit einem anderen Schnitt. Weil du kannst die Kamera mal nicht mehr tauschen. Der Regisseur ist auch da. Das Buch ist geschrieben. Du bist quasi das letzte Rad am Wagen. Du bist wie ein Fußballtrainer, um wieder auf Fußball zu kommen. Du bist wie ein Fußballtrainer, wo die Mannschaft Scheiße spielt, aber du wirst halt entlassen.
1:08:24 Gast: Du kannst halt nicht die ganze Mannschaft entlassen.
1:08:28 Jan Henrik Pusch: Die andere Option, die den Sportdirektor entlässt, wäre dann andere Musik drauflegen.
1:08:33 Gast: Genau.
1:08:38 Jan Henrik Pusch: Danke dir, dass du genau gesagt hast, dass die anderen beiden das nicht verstehen.
1:08:41 Gast: Ich weiß genau, was du meinst. Ich kann da insofern ähnliches als das, wie gesagt, mir ist es in der vergleichweise kurzen Zeit, die ich gemacht habe, halt auch zweimal passiert. War auch jetzt so rückblickend vollkommen okay. Es ist halt manchmal oder es wäre manchmal ganz gut zu wissen oder wenn das transparent kommuniziert wird, dass, also ich weiß, ich habe mich damals sehr, sehr lange damit beschäftigt. Mich hat das sehr lange beschäftigt und hat viele Zweifel auf jeden Fall erzeugt. Und manchmal, glaube ich, hätte ich mir da eine etwas gradere Haltung oder halt eben das, was wir jetzt hier so quasi dann rückblickend drauf schauen, so man ist ein ganz kleines Teil in dieser Geschichte.
1:09:29 Nur, also ich kann das von mir sagen, ich hatte das zu der Zeit überhaupt nicht auf der Pfanne da irgendwie so reflexiv damit umzugehen.
1:09:35 Rainer Nigrelli: Man nimmt es persönlich?
1:09:36 Gast: Sofort persönlich genommen und oh mein Gott, was mache ich hier? Ich habe also da dieses quasi so, ich habe es jetzt all die Jahre geschafft, aber jetzt sind sie mir endlich auf die Schlische gekommen, ich kann es gar nicht. Und das wäre, glaube ich, also deswegen ist es wirklich gut, wenn man da so offen drüber redet, weil es ist halt vollkommen egal, wer man ist, es kann einem echt sehr schnell passieren.
1:09:58 Rainer Nigrelli: Und es ist halt oft gar nichts mit dem Person zu tun, gar nichts.
1:10:01 Jan Henrik Pusch: Und wo wir gerne noch mit euch drüber reden würden, ist ein Punkt, dass wir mal fragen wollen, wie schaut ihr auf das, was ihr früher gesagt habt? Und da kann ich nämlich jetzt in diesem Thema noch gut drin bleiben, weil ich ja eben schon versprochen habe, dass du auch noch in der Anekdote vorkommst.
1:10:15 Gast: Ich weiß gar nicht, was ich für alles gesagt habe.
1:10:20 Gast: Nein, ich wollte nur sagen, dass du ins Mikrofon bitte sprechst, wenn du Fragen stellst.
1:10:25 Jan Henrik Pusch: Danke, dass du mir das bei Folge 42 sagst, dass ich mir ins Mikrofon sprechen soll.
1:10:30 Rainer Nigrelli: Jede Folge sage ich das.
1:10:32 Jan Henrik Pusch: Stimmt. Und zwar war nämlich in dieser Folge, hast du da nämlich den großartigen Satz gesagt, was auch vor allem einfach zeigt, wie jung du warst. Eigentlich will ich nur noch Filme schneiden, die schon jemand anderes vorgeschnitten hat. Das ist doch eigentlich, das macht doch eigentlich großen Spaß. Und du warst dann der Väterliche, der sagte, ja gut, aber da steht ja jemand hinter. Da hat ja schon jemand sehr viel reingegeben und das zu übernehmen und dann hast du es sehr runtergeholt. Dass das sozusagen, aber diese Anekdote wollte ich eigentlich nur sagen.
1:11:09 Gast: Das kann überhaupt nicht sein, dass wir das gesagt haben.
1:11:11 Gast: Da muss ich mal kurz, also das kann, auf jeden Fall ist das im Rahmen des möglichen, dass ich das in meinem lichtlichen Leichtsein gesagt habe. Auf jeden Fall. Die Frage, die ich habe, geht es darum, dass quasi, nehmen wir das Ganze Ghost Editor, also ihr habt einen Cut gemacht und jemand anderes setzt sich ran und verweinert das Ganze. Ja, so. Ging das darum oder ging es um, weil wir hatten nämlich auch das Thema Vorschnitt, dass man die Kamerawinkel und Sätze halt hinlegt und dass das jemand macht und dass man dann alles flüssig und gerade schneidet?
1:11:47 Jan Henrik Pusch: Werner, wir hatten die Folge zusammengehört. Du kannst es vielleicht noch sagen, wie du es einschätzt, worum es geht. Aber ich glaube, darum geht es nicht. Ich weiß nicht eigentlich, worum es mir jetzt in diesem Punkt...
1:11:55 Gast: Sofortige Rechtfertigungs-Tendenz von mir, das tut mir leid.
1:11:59 Rainer Nigrelli: Hast du gut gemacht hier.
1:12:02 Jan Henrik Pusch: Weil das ja schon einfach so ein Ding ist. Aber was ich eigentlich damit sagen will, ist, wie seht ihr heute zurück auf diesen, Podcasten von der Zeit, also auch die Dinge, die ihr sozusagen da sprecht. Ich finde das super spannend, weil ich immer denke so, ist das eigentlich nur ein Dokument seiner Zeit? Oder haben sich alle Dinge irgendwie dann...
1:12:24 Rainer Nigrelli: Weil es ist ja schon 10 Jahre her, das hat sich ja schon viel verändert.
1:12:27 Gast: Das ist krass, teilweise ist es 10 Jahre. Ich glaube, viele Dinge, die wir damals gesagt haben, haben auch heute noch eine Gültigkeit. Ich will jetzt nicht alles unterschreiben, weil ich habe tatsächlich seit 10 Jahren nicht mehr da rein gehört. Ich erinnere mich an einige Highlights, an manche Sachen erinnere ich mich wahrscheinlich überhaupt gar nicht mehr, dass wir da überhaupt darüber gesprochen haben. Aber ich denke, viele Dinge sind schon universell. die Art und Weise, wie ich vor 10 Jahren gearbeitet habe, im Groben, ist heute immer noch die gleiche. Also ich habe meine Art, an einen Film ranzugehen, nicht wesentlich verändert. Klar, man passt immer Details an und man wird reifer und denkt anders und denkt auch über bestimmte Dinge anders.
1:13:23 Wie gesagt, die Sache mit Peter hat mich damals sehr beschäftigt, wo ich viel darüber nachgedacht habe. Und auch der Schnittrhythmus wird vielleicht ein anderer. durchdenkt eine Szene anders als vor zehn Jahren vielleicht noch. Aber die Art und Weise, wie ich technisch arbeite, wie ich meine Szenen vorbereite, wie ich die Muster gucke, auch wie ich dann das liegen lasse, nochmal draufgucke, einen zweiten Schritt mache und so weiter, das ist eigentlich gleichgeblieben. Das hat sich nicht stark verändert.
1:13:54 Jan Henrik Pusch: Hast du noch eine feste Assistenzperson?
1:13:58 Gast: Ich hatte lange Maria, hallo liebe Maria, wenn du das hörst, schöne Grüße an dich. Die habe ich ja gestern gesehen, auch auf dem Dingsmums. Und danach habe ich viele wechselnde Assistenzen gehabt nach Maria. Und es war halt auch einfach durch, ich habe jetzt im Moment keine festen Assistenzen. Ich habe jetzt wechselnde Assistenzen gehabt durch verschiedene Projekte. Der Sam hat bei mir assistiert, der mit Knut viel gemacht hat, wer mit mir mit dem Film gearbeitet hat, das war eine tolle Folge mit Knut.
1:14:29 Rainer Nigrelli: Das ist übrigens auch eine Folge, die mich sehr beeinflusst hat, weil ich glaube dadurch wusste ich, ah, man kann es tatsächlich mit Final Cut.
1:14:35 Gast: Ja, also Knut war eine ganz tolle Erfahrung auch, da zu ihm zu gehen, sich anzugucken und so. Und das war ja auch, wir sind zu Knut gefahren. Ich hatte damals wie ihr so ein bisschen so einen mobilen Equipment-Koffer. Mit dem sind wir dann zu Knut drüber geeiert und haben uns bei ihm ins Studio gesetzt und Knut hat uns dann seinen Workflow gezeigt und wie das alles geht. Und dann haben wir das erste Mal mit Final Cut 10 in Argentina gemacht.
1:15:08 Jan Henrik Pusch: Ja, der hat uns auch noch was mitgegeben, da kommen wir später zu.
1:15:13 Rainer Nigrelli: Wir haben nämlich auch gestern getroffen.
1:15:20 Gast: Ich würde super gerne, weil du die Frage gestellt hast, ich würde super gerne auf sie auch antworten, weil ich habe mich ehrlich gesagt, ich habe nie wieder in die Folgen reingehört, kann mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, dass da einiges drin ist, was ich so auf jeden Fall nicht mehr modifiziert anders sagen würde. Es gab auch Momente, wo ich überlegt habe, ob ich Dirk anrufe und sage, nimm es raus. Das war so, weil das sind ja private Momente. Als wir unsere Zeit beim Film hatten, war das irgendwo auch Arbeit. Jetzt mittlerweile, ohne da vielleicht zu viel vorzugreifen, ist es vor allem privat. Es gab schon Momente, wo ich mich gefragt habe, ob ich mich so privat zeigen will.
1:16:21 Ich hoffe, da ist Entwicklungsschleißung noch vonstattengegangen seit diesem Podcast.
1:16:28 Jan Henrik Pusch: Die Audiodeskription wird sich hier die Hand gereift und bestätigt.
1:16:37 Gast: Vielleicht auch nochmal ein Riesenlob an Dirk, ohne da jetzt diesen Seelenstrip riesig zu machen. Aber das denke ich, das kommt auch aus dem Podcast durch. Das war eine Zeit, die von der Suche eingenommen war. Da habe ich als junger Mann probiert, irgendwo meinen Fuß zu finden. Und hatte da meine Macken und Marotten, die ich jetzt auch noch habe, aber immerhin weiß, dass sie da sind. Im Endeffekt habe ich mich dann dagegen entschieden, das rauszunehmen. Weil ich bin nicht wichtig genug, als dass jemand sich zeugt, ich will nicht Bundespräsident dieser Standard-Joke. Ich will kein öffentliches Amt begleiten, indem mir meine Biografie dann einmal runtergebetet wird und jeder Abzweig, den ich falsch genommen habe, gezeigt wird.
1:17:26 Und ich glaube daran, dass Menschen wachsen können. Und das ist im Prinzip der Podcast sowohl, dass man sich verletzlich zeigt, auch auf jeden Fall. Also ein Mittel zu zeigen, dass da jetzt auch noch was passiert ist in meinem Kopf.
1:17:45 Gast: Das ist sehr interessant, weil ich habe vorhin, also bevor ihr gekommen seid, haben wir draußen gesessen und wir haben uns viel lang nicht gesehen. Eineinhalb Jahre oder so? Ich war wirklich positiv nicht beeindruckt, aber ich war positiv beeindruckt. Ich bin sehr glücklich darüber als Vaterfigur jetzt. Sozusagen aus meinem Sprossling geworden ist jetzt hier. Ohne, dass ich da zu viel zugetragen habe, aber ich finde es echt gut.
1:18:50 Rainer Nigrelli: Wir konnten ja aus Podcast-Perspektive davon ja auch was miterleben. Also man kriegt ja so eine Entwicklung über die Jahre mit. Das beginnt als Theo stellt dir Fragen und dir beantwortet die. Das war ja nie so, aber ihr sagt zumindest, dass das so ist. Das war die ursprüngliche Idee. Das war die ursprüngliche Idee. Dann ist auch diese Situation Assistenz, Cutter, wie er damals gesagt hat, wie er heute immer noch hin und wieder sagt. Und dann natürlich steht im Raum die ganze Zeit, irgendwann, wo du vorhin gesagt hast, mit 25 muss halt der erste Film her. Man kann dann zuhören, wie du irgendwann auch den ersten Film machst.
1:19:30 Und ich habe mir das mal aufgeschrieben. Es gibt eine Folge, 46 heißt die, Theo ist raus. Da ist quasi die Diplomäste, dass du halt immer das werden wolltest. Da ist es auf einmal so weit. Und man spürt da richtig so, jetzt läuft er auf eigenen Beinen. Ich weiß nicht, ob du dich daran noch erinnerst. Welcher Film das war?
1:19:53 Gast: Doch, mein erster. Ja klar, auf jeden Fall liebe Grüße an Matthias Lang und Felix von Pose.
1:19:59 Rainer Nigrelli: Ach, das war der Film, von dem wir vorhin dann aufgesprochen haben.
1:20:01 Gast: Das ist König Laurin gewesen. Das ist auch der, also ich hab geguckt, ich hab in den neun Jahren 45 Sachen irgendwie gemacht. Also da ist Schnittassistenz und Schnitt dabei. Ich hab einmal jedes Projekt, wo ich mal drauf gesessen habe und machen durfte, einfach da mal mitgezählt. Und das ist nach wie vor der Film, wo ich sage, das ist so das, was ich gemacht hab. Das ist so, wenn einer fragt, was hast du gemacht? König Laurin. Wird auch auf Kicker rauf und runter wiederholt, bis es krachen geht.
1:20:34 Rainer Nigrelli: Und das Schöne ist halt, weil man hat halt als Hörer auch immer dieses Gefühl, ich würde auch gerne in so einer Beziehung sein. Ich würde auch super gerne bei jemandem lernen und da groß werden und dann auch irgendwann diese Filme schneiden oder das miterleben, was die auch in dem Schneideraum erlebt haben, weil man einfach so nah bei euch dran ist.
1:20:52 Gast: Das ist mir erst später auch aufgefallen, also du sprichst das absolut richtig an, absolut massiv privilegiert, so muss man einfach mal so sagen. Über die Vetteren Wirtschaft, an den Frank Meier gekommen, der hat mit mir im Büro gesessen. Ich habe mir da wirklich in die Hosen geschissen, weil ich dachte, oh mein Gott.
1:21:10 Gast: Mit meinem Büro?
1:21:11 Gast: Nein, bei Frank Meier. Und er hat sofort gesagt, er weiß, wer zu mir passen würde und hat dann über dich erzählt. Nach fünf Minuten wusste der, wo es hingeht. Und dann eben dieses, wenn man die Buck-Folge von, ihr habt die sicher gehört, selbst Buck ist ja dann...
1:21:29 Rainer Nigrelli: Sehr lustige Folge.
1:21:35 Gast: Aber Buck ist ja auch voll in das Thema eingestiegen. Der hat mich immer der Punk genannt, zusammen mit dir. Der Punk ist jetzt in der Ausbildung. Und dann hat er mir immer die Ausbildungsjahre runtergezählt. Und jetzt, wenn ich nach hinten in der Kugel, also da würden Leute...
1:21:52 Gast: Du sollst einen Referat machen über... Wie hieß der Film mal von... War das der russische Regisseur hier?
1:22:01 Rainer Nigrelli: Oh Gott, der Spiegel.
1:22:05 Gast: Den habe ich geguckt und dachte, was passiert denn jetzt? Nein, und was du da sagst, das stimmt auf jeden Fall. Also ich bin da quasi in einer nicht offiziellen Ausbildung gewesen. Und habe wirklich da drei oder vier Jahre bei dir Dienst geschoben, bis der erste, bis dann der Laurin eben kam. Und auch danach habe ich noch weiter Dienst bei dir geschoben. Er hatte das Gefühl, die war eine verlängerte Ausbildung.
1:22:29 Rainer Nigrelli: Aber tatsächlich, man denkt ja fast schon, okay, das war es jetzt. Also in der Filmdramaturgie ist es ja so, das ist das Ziel. Wir formulieren das Ziel am Anfang und am Schluss bist du es. Aber dann ist es ja noch weitergegangen. Was ist denn da noch passiert? Ihr habt ja noch weiter Folgen aufgenommen irgendwie. Also das plätscherte dann zwar so ein bisschen aus. Es wurden weniger Folgen pro Jahr.
1:22:52 Gast: Ja, es war schon so, dass Theo dann viel mehr auf eigenen Beinen gestanden hat und auch eigene Sachen gemacht hat. Und wir uns dadurch natürlich auch nicht mehr so häufig gesehen haben. Und vorher war es so, wir saßen jeden Tag zusammen. Wir wussten, wo wir Mittagsessen gehen. Wie gesagt, wir waren damals, wir waren damals im Billiardspiel. Wir haben viel abgehangen zusammen. Und dadurch entstanden natürlich auch Themen und Ideen und so weiter. Und dann, wenn man sich nicht mehr so häufig gesehen hat, dann war das schon so, dass wir dachten, okay, wann finden wir überhaupt einen Zeitpunkt, um uns überhaupt zu treffen? Und wenn wir uns dann getroffen haben, dann haben wir natürlich was aufgenommen.
1:23:36 Aber wir wollten natürlich auch nicht nur aufnehmen, sondern wir wollten natürlich auch wissen, wie es dem anderen geht. Und dadurch wurde es dann schon automatisch weniger.
1:23:46 Gast: Aber die Frage ist, warum wir weitergemacht haben.
1:23:48 Rainer Nigrelli: Und wo das hingegangen ist. Ich kann es auch direkt darstellen. Schneidest du denn heute noch Filme?
1:23:56 Gast: Nein. Nein, ich habe aufgehört. 2019 war nochmal die Begrüßung an Knut. Easy und Ozzy habe ich die Schnittassistenz für ihn gemacht. Von Krimi, da ist mir jetzt leider der Name entfallen. Das tut mir unglaublich leid, Knut. Ich bin dann irgendwann zu dem Entschluss gekommen, dass, da gibt es eine längere Geschichte noch dazu, aber das habe ich gemerkt und interessanterweise schließend auch für unsere Beziehung, dieses Gefühlsthing. Irgendwann hat es sich nicht mehr richtig eingefühlt. Irgendwann habe ich gemerkt, dass das vielleicht wirklich wahr ist. Ich glaube, ich kann das nicht. Beziehungsweise, es macht zu viel Aufwand. Ich muss zu viel reingeben, um Sachen rauszubekommen, die hinter denen ich kaum stehen kann.
1:24:57 Dann war klar, dass irgendetwas fehlt. Obwohl es so perfekt ist. Wenn ihr das jetzt so runterzählt, was dann in den Podcast-Folgen passiert. Es ist ein Wunder, dass ich nicht Hass-E-Mails von anderen Cuttern bekomme, die sich um die gleiche Chance hätten gerne gerissen. Das ist, wie gesagt, sehr privilegiert. Aber irgendwann war es dann nach knapp zehn Jahren so, dass ich gemerkt habe, nicht nur, dass es mich nicht mehr erfüllt, sondern dass ich gewisse Sachen nicht mehr so vertragen konnte. Und dass ich gedacht habe, da muss noch was anderes sein.
1:25:33 Jan Henrik Pusch: Kann es auch sein, dass ich, wenn ich jetzt die Sachen nochmal gehört habe, den Eindruck, dass du so sehr dieses Editor werden wolltest, dass es dann, als es dann plötzlich sozusagen da war, irgendwie dann auch irgendwie zu, ja wie soll man sagen, zu normal ist nicht der richtige Begriff, sondern...
1:26:01 Gast: Nee, was du beschreibst...
1:26:04 Jan Henrik Pusch: Ich glaube, in deiner Vorstellung, so wie ich dich gehöre, ist das Ziel riesen, ganz ganz toll. Und eigentlich geht es nur bis dahin, wie Rainer gesagt hat, wenn du einmal Editor bist, wenn du mal deinen langen Film hattest, und dann ist sozusagen, bis dahin konntest du nur denken. Dann muss es ja noch weitergehen.
1:26:23 Gast: Ganz so würde ich es nicht, sondern was es auf jeden Fall war, ich hatte irgendwann so die Ziellinie zu sagen, also es geht ja nicht nur um Editor, da hängt ja vieles dran. Da hängt dran, du bist beim Film und Fernsehen, das ist schon mal cool, macht nicht jeder. Damit strahlst du ja auch was aus. Ich war in der Künstlersozialkasse, jetzt war ich auf einmal ein Künstler. Du hast mit interessanten Menschen zu tun gehabt. Der Film bringt ja viele unterschiedliche Typen Menschen zusammen, das fand ich super cool. Also da ist ein riesen Coolness-Faktor gewesen, wo ich auf jeden Fall unterschreiben würde, dass Hauptsache Editor werden.
1:27:05 Das war das erste Ding nach der Schule, wo ich gesagt habe, da ist mein Sinn, so mein Platz, wo ich hin will. Und ich glaube im Nachhinein für mich festgestellt zu haben, dass ich mir nie die Zeit genommen habe, irgendwie an den Rosen am Wegesrand zu riechen. Ich hatte irgendwann, als ich dann da war, ich habe gesagt, ich will zwei oder drei Fernsehfilme im Jahr machen, dann war ich in dem Moment. Und dann, ich weiß noch genau, wo ich stand in meiner Wohnung, und dann ist alles zusammengebrochen. Und dann ist es nicht das Glück, so wie ich es mir im Kopf ausgemalt habe. Was habe ich eigentlich die letzten zwei Jahre gemacht?
1:27:42 Das war dann auch die Zeit, wo wir nicht mehr so viel gemacht haben, wo ich gemerkt habe, irgendwo auf der Strecke hier habe ich irgendwas verloren. Da ist irgendwas, sowohl ich habe etwas verloren, als auch, dass ich nicht mehr die Integrität besitze, um Filme zu machen, dass ich dem Ding an sich, diesem Film, was ja ein riesiges Privileg ist, das machen zu dürfen und damit, wir haben immer gesagt, wir puzzeln mit Ton und Bild. Es ist unglaublich, dass man damit Geld verdienen kann. Und ich habe irgendwann mal gemerkt, okay, das ist nicht mehr okay, dass ich das mache. Und ich kann das auch nicht mehr machen.
1:28:16 Ich muss hier raus. Und da ist, wie du das richtig gesagt hast, so mit quasi Scheuklappen drauf zugerannt, dass als man da war, was machen wir denn jetzt?
1:28:32 Jan Henrik Pusch: Du hast jetzt noch mal an einer Wegesrandrose angehalten, dran gerochen und hast noch mal einen neuen Weg gefunden für dich. Können wir drüber sprechen, oder?
1:28:43 Gast: Ja, da können wir gerne drüber sprechen. Ja, da muss man auch sagen, da hat Dirk viel geholfen. Mir ging es dann nicht gut in der letzten Zeit beim Filmen, weil das mich schon sehr, sehr fertig gemacht hat. Halt eben diesen Platz, den ich das erste Mal hatte, jetzt wieder verloren zu haben. Und Gott sei Dank habe ich neben meinem Zielvater des Films halt auch noch einen richtigen Vater und eine richtige Mutter. Und mit deren Hilfe habe ich es dann geschafft, dass ich aus diesem Hamsterrad das Geld verdienen müssen. Und ich habe Studenten immer gehasst. Ich fand, Studieren ist kacke. Die können nichts, sie wissen nichts, sie haben nichts.
1:29:24 Das ist auch nach wie vor so. Aber ich habe mich da... Dass all das, was ich gesagt habe, Studenten gut beschreibt. Interessanterweise bin ich jetzt seit über viereinhalb Jahren einer. Ich habe mich noch mal ins Studium getraut, weil ich noch mal was lernen wollte. Und bin jetzt in meinem letzten Semester Klinische Psychologie und Psychotherapie und werde voraussichtlich Ende September winner. Wenn alles gut geht, mit einem Master in Klinischer Psychologie und Psychotherapie und einer Approbation als Psychotherapeut ohne Fachkunde abschließen.
1:30:02 Rainer Nigrelli: Mega, herzlichen Glückwunsch. Und das hat ja lustigerweise auch was mit Emotionen zu tun.
1:30:07 Gast: Und erstaunlich viel mit Schnitt. Und also, kurz bei uns an der Schule werden alle drei Richtlinienverfahren eben beigebracht. Und die eine Variante, die ich nicht in der Praxis machen möchte, ist die beste, meiner Meinung nach, um Filme zu analysieren, nämlich die Psychodynamik und Psychoanalyse. Und auf einmal war so ein neues Interpretationstool irgendwie vorhanden, wo ich dachte, ah, guck mal, und das ist dein Weg, wenn du dich weiter damit beschäftigst, wirst du auch immer noch irgendwas mit Filmen zu tun haben, nicht mehr professionell. Aber du kannst ein bisschen probieren, professioneller darüber zu schnacken und kannst da vielleicht dein Metier da irgendwie mit reinschmeißen.
1:30:48 Jan Henrik Pusch: Vielen Dank.
1:30:49 Rainer Nigrelli: Ich würde gerne noch als Letztes anschließen, vermisst du Schnitt?
1:30:58 Gast: Ich vermisse vieles Umschnitt, aber ich glaube, das Problem war, dass ich, ich glaube, ich vermisse das mit Dirk oder mit Buck oder auch an einem Filmset oder so zu sein und auch, was ich auch immer mochte, ist die Möglichkeit, halt nicht mit allen so, also ich fand's immer cool, wenn wir zum Mittag gegangen sind, so, ne? Weil wir danach auch, wir konnten zu zweit sein und also ich hätte es nicht geschafft, mit 60 Leuten am Set zu stehen. Dafür bin ich zu, also da ist meine soziale Batterie nicht groß genug für. Oder acht Monate im Jahr nicht in deiner Wohnung zu sein. Ich würde gerne, also irgendwie hoffe ich noch mal was beim Film zu machen, aber es wird nicht mehr Schnitt sein, weil resümierend muss ich wirklich sagen, glaube ich, nicht gut genug zu sein.
1:31:50 Und dass ich da nichts zu suchen hatte, eigentlich. Dass es lange, lange getragen wurde, über das Glück, was ich hatte, Leute zu treffen, den Ehrgeiz, den ich hatte, vielleicht auch Leidensbereitschaft oder so, aber dass dieses Feuer, worüber Dirk gesprochen hat, nicht Filmschnitt ist. Und dafür ich zu sehr mit viel Arbeit ausgleichen muss, um das nicht vorhandene Talent irgendwie im Zaun zu halten. Und das, glaube ich, fühle ich mich erkannt zu haben. Und trotzdem bräuchte ich nichts. Das ist mir noch wichtig, wenn ich das sage, nur weil ich sage, dass dieses Kapitel Schnitt für mich halt beendet ist. Und ich habe für meine Hochschulen auch noch mal ein kurzes Video geschnitten.
1:32:33 Da haben zum Beispiel dann meine Mitbewohner dann damals erfahren, oh Gott, der redet mit. Die dachten ernsthaft schon komplett, dass ich komplett einen am Zinken habe. Aber ansonsten, nee. Jetzt habe ich auch einen Fahnenfall, ich habe auch das Gefühl, viel zu viel zu reden, aber nee, hörst du nicht und das war sehr gut.
1:32:51 Jan Henrik Pusch: Und das liegt daran, du hast jetzt das Gefühl, viel zu viel zu reden, weil früher waren eure Redezeiten andersrum, bin ich mir ganz, ganz sicher.
1:32:58 Gast: Ich kann überhaupt nicht sagen, wo du hin fehlt.
1:33:01 Jan Henrik Pusch: Sehr gesprochen und wenig von dir, Theo. Aber ich glaube, nichtsdestotrotz sind wir hier an dem Punkt, wo wir jetzt in unsere Kategorien gehen, oder?
1:33:18 Rainer Nigrelli: An dieser Stelle fragen wir immer nach dem bestgeschnittensten Film und ich würde sagen, wir haben vorhin über einen guten Schnitt gesprochen, aber wir haben glaube ich keine Beispiele genannt. So richtig. Was ist denn ein sehr gut geschnittener Film für euch?
1:33:33 Gast: Muss es Film oder kann es auch Serie sein? Also ich habe es sofort. Die Sopranos. Also das ist nach wie vor das Beste, was ich an Schnitt gesehen habe. Aber das ist auch wieder, ich weiß nicht, ob es nur der Schnitt ist, aber da passt einfach alles. Und jetzt, wenn ich im Nachhinein irgendwie mir die Serie wieder angucke, fallen mir so viele Anschlussfehler auf. Und das ist einfach für mich immer das Zeichen. Richtig guter Schnitt.
1:34:07 Gast: Ich bleib mal deutsch. Ich bleib tatsächlich mal deutsch. Ich finde schon den Lehrerfilm, den Gesa gemacht hat.
1:34:15 Rainer Nigrelli: Das Lehrerzimmer.
1:34:16 Gast: Finde ich schon richtig toll. Und ich mag, mochte sehr, ich weiß gar nicht...
1:34:21 Rainer Nigrelli: Viele Grüße an Gesa.
1:34:22 Gast: Viele Grüße an Gesa. Ich mochte sehr gerne einen Film, der hieß, mein Hass bekommt ihr nicht. Der lief, glaube ich, letztes Jahr auf dem 80 Motion Film. Ich weiß jetzt leider gar nicht, wer es geschnitten hat. Aber den fand ich phänomenal. Der hat mich wirklich zu allertiefst in meinem Herzen bewegt. Und das ist, wo ich sage, das ist Emotion pur. Und deswegen will ich sagen, es gibt so viele andere Beispiele noch. Aber das ist jetzt nur mal so, die mir aus dem letzten Jahr so spontan einfallen.
1:34:54 Rainer Nigrelli: Also an der Stelle liebe Grüße an Andrea Merkens, die das geschnitten hat.
1:34:59 Gast: Ich würde vielleicht noch liebe Grüße an Dirk Rau, weil Knallhart muss ich, weil du ja jetzt Deutsch nochmal reingebracht hast. Ich muss sagen, Knallhart ist immer noch, also war ja der Film, warum ich überhaupt überlegt habe, dass es deutscher Film überhaupt eine Alternative sein kann. Und welchen Film ich mag, und ich weiß darüber, haben wir uns viel gestritten. Chico mit Dennis Moschito, falls ich dir noch was sage.
1:35:22 Rainer Nigrelli: Folgendes, also wir hatten vor drei Folgen Dennis Moschito im Podcast. Also viele Grüße an Dennis an dieser Stelle.
1:35:27 Gast: Viele Grüße.
1:35:29 Rainer Nigrelli: Weil?
1:35:29 Gast: Den finde ich auch sehr gut geschnitten, muss ich sagen.
1:35:33 Gast: Ich kann mich da jetzt tatsächlich gar nicht sehen.
1:35:36 Gast: Ich glaube, der hat auch einen Preis, ich glaube, der hat einen Preis.
1:35:41 Rainer Nigrelli: Ich weiß nicht, ob er nominiert war für Deutschen Filmpreis, kann ich mich nicht mehr erinnern. Machen wir weiter?
1:35:50 Gast: Ich weiß noch gar nicht, ich will euch eigentlich auch die ganze Zeit immer fragen.
1:35:53 Gast: Wir werden total ausgefragt hier, es ist überhaupt nicht unser Podcast heute.
1:35:57 Rainer Nigrelli: Ich weiß gar nicht, was hier los ist. Aber in der Mitte hatten wir doch was, da haben wir doch gesprochen. Ein bisschen haben wir das so hingekriegt.
1:36:03 Jan Henrik Pusch: Aber es ist natürlich immer der, na klar, wenn ihr eine Frage habt, dürftet ihr auch immer stellen. Wir sind jetzt schon fast am Ende, von daher ist es gut, dass ihr jetzt erst...
1:36:12 Rainer Nigrelli: Aber sollen wir trotzdem, wir gehen erst mal durch noch, oder?
1:36:21 Jan Henrik Pusch: Hier ist die Frage nach einem Tipp, den ihr anderen Editorinnen mitgeben könntet.
1:36:28 Rainer Nigrelli: Ich meine, Dirk, du warst ja schon mal bei uns und hast dir schon Tipps gegeben. Ich habe jetzt noch einen neuen Tipp.
1:36:34 Gast: Der ist aber eher so ein rechtlicher Tipp. Ich weiß nicht, ich bin zwar kein Anwalt, aber...
1:36:39 Rainer Nigrelli: Herr damit.
1:36:40 Gast: Ein Tipp, wenn ihr in eurem Vertrag drin stehen habt, dass der Produzent eine Abnahme machen soll, dann bittet den Produzenten um die Abnahme. Und zwar schriftlich. Das ist mir dieses Jahr sehr böse auf die Füße gefallen. Ganz wichtig. Ich habe es nie gemacht, in meinem ganzen Leben nicht. Ich mache das lange, habe viele Filme gemacht. Ich habe es nie gemacht. Dieses Jahr hätte ich es gebraucht. Ich werde das heute immer machen, wenn es im Vertrag drin steht. Zahlung nach Abnahme. Fragt euren Produzenten um die Abnahme, sobald ihr den ersten Ruhschnitt gemacht habt.
1:37:25 Rainer Nigrelli: Ich kenne das noch aus dem Industriefilmbereich, wo man das auch einfach fixieren muss. Sonst nimmt das kein Ende oder jemand hält sich dann nicht an Abmachung.
1:37:34 Gast: Das ist ein böse, bitterböse, gelernte, eigene Erfahrung, die ich gemacht habe dieses Jahr. Deswegen ist das mein Tipp an euch.
1:37:46 Rainer Nigrelli: Was ein knallharter Tipp tatsächlich.
1:37:52 Gast: Mein Tipp. Mein Tipp ist, glaube ich einfach, dass EditorInnen sich einfach trauen können, mehr auch zu sagen. So oder das das nicht geglaubt werden muss, dass man wenig zu sagen hat, sondern dass man sich durchaus darüber im Bewusstsein sein kann, wie viele Stränge auf so einem Elitertisch zusammenlaufen. Aber da kann ich einen zweiten noch aufgeben. Seid euch darüber im Klaren, dass ihr Editorinnen und Editorinnen seid und nicht der psychische Mülleimer. Natürlich auch aufgrund meines jetzigen Studiums ist mir danach aufgefallen, wie viele supportive Gespräche Inhalt von Schneidetisch-Sitzungen sind und in den meisten Fällen macht das was mit euch. Und wenn ein Regisseur seinen emotionalen Ballast über den Drehtag irgendwie ablässt und so, der muss bei euch dann auch irgendwie verstoffwechselt werden und seid euch dem bewusst so.
1:39:22 Und das steht nirgendswo auf eurem Zettel. Und das ist ein riesen, riesen Teil der Arbeit, so eine Vertrauensperson zu sein, die unvergütet ist, aber hoffentlich genug gewürdigt und respektiert wird von den Leuten, die sie nutzen. Das ist mir vielleicht ein ganz wichtiges Anliegen.
1:39:38 Rainer Nigrelli: Also, dir geht es nicht darum, dass das dich selbst belasten könnte als Editor, sondern dass das halt nicht nur, also eigentlich hat man den Job, was zu schneiden.
1:39:49 Gast: Richtig, man ist nicht als Seelenklempner oder Klempnerin engagiert und trotzdem passiert das meiner Meinung nach viel. Und das ist ja auch vollkommen richtig und das macht ja auch was mit der Beziehung und dem Vertrauen. Nur seid euch darüber im Klaren, dass das nicht spurlos an euch vorübergeht und dass das auch eure Energiereserven bedarf. Und da dann auch in dem Moment stark genug zu sein, dass es geht gerade nicht, tut mir leid oder so, weil man hat viel Arbeit auf der Uhr.
1:40:20 Rainer Nigrelli: Ja, verstehe ich.
1:40:22 Gast: Sehr spannend.
1:40:26 Rainer Nigrelli: Ich wurde vor kurzem von der Origen.
1:40:34 Gast: Mein Gott, die Kinder, die erwachsen, alle über den Kopf, sage ich dir.
1:40:37 Rainer Nigrelli: Haltet euch fest, es geht weiter.
1:40:45 Jan Henrik Pusch: Bei mir steht, dass Rainer sagt, was das ist.
1:40:49 Gast: Ablaufplan kontrollieren.
1:40:51 Rainer Nigrelli: Das sind die Zuhörer. Wir haben Leute gefragt, die den Podcast hören, ob sie Fragen hätten für uns. Und da haben Leute zurückgestellt.
1:40:58 Jan Henrik Pusch: Also es ist so, dass der Rainer jetzt übersprungen hat, aber dann gehen wir zu den Zuhörerfragen oder Zuhörerinnenfragen, wie wir sie nennen.
1:41:07 Gast: Jetzt ernsthaft?
1:41:08 Jan Henrik Pusch: Ja, natürlich.
1:41:11 Gast: Die haben sich da ausgedacht. Die haben sich da ausgedacht, die Fragen.
1:41:18 Rainer Nigrelli: Also Benni fängt an. Benni fragt, den haben wir gestern auch getroffen, Hört ihr privat die Bibi und Tina Hörspiele?
1:41:30 Gast: Ich bin original aus einem Produktionsauto beim zweiten Teil ausgestiegen, weil die damalige Koordinatorin die Songs eingemacht hat und ich wirklich einen harten Koller gekriegt habe und bin glaube ich 30 Minuten zum Modell lieber gelaufen, anstatt das weiterhören zu müssen in meiner Freizeit.
1:41:47 Rainer Nigrelli: Viele Grüße an Benni, du weißt es jetzt.
1:41:49 Gast: Ich habe tatsächlich noch nie der Bibi und Tina gehört. Die Songs habe ich tatsächlich öfters gehört, weil ich finde tatsächlich viele von den Songs aus den Filmen auch nach wie vor gut. Die sind halt auch sehr gut produziert und alles. Ich höre die jetzt nicht privat, aber ich weiß, mein Patenkind, die hat die damals in der Schule rauf und runter gehört und das sind auch zum Teil die Ohrwürmer deswegen. Also ich bin da jetzt nicht, wenn es jetzt laufen würde, würde ich echt nicht abgeneigt.
1:42:16 Jan Henrik Pusch: Ich habe mal mit einem jungen Menschen gesprochen, die so um die 17 war und habe dann so gesagt, so irgendwie ja unsere Musik, so Kindheit, was jeder kennt, sind so die Dschungelbuch-Lieder, so Hakuna Matata oder was auch immer. Was ist denn so bei euch? Und hat sie gesagt, ja ist auch völlig klar, Biviontina. Jeder kann diese Lieder mitsingen, jeder kennt die und das ist, das ist sozusagen das Ding und da habe ich gedacht so, oh, damit hätte, damit hatte ich nicht gerechnet in dieser.
1:42:50 Gast: Ich weiß nicht, ich hatte es nicht beim letzten Podcast schon gesagt, dieser Jungs gegen Mädchen Video, hatte über 50 Millionen Klicks auf YouTube.
1:42:58 Gast: Aber ich denke bei uns beiden ist es so, wir hören es nicht privat, nicht weil wir die Songs mocksig finden oder so, sondern einfach bei mir ist es zum Beispiel die schriere Anzahl an Wiederholungen. Einfach aufgrund dieses Schneidens von dem Song, dass ich es einfach nicht mehr kann.
1:43:12 Gast: Ja, wenn du so ein Videoclip mal geschnitten hast, also dann, ich weiß zum Beispiel, ich habe damals auch ein Videoclip, da hat Franka Potente, das war nachdem, ich weiß nicht, wie hieß der Film mal, Die Grüne Wolke oder wo sie gespielt hat? Nein, Die Grüne Wolke war von Anno. Irgendwas mit Grüne Wüste oder sowas. Und da hat sie mitgespielt und danach fing ihre Karriere so langsam an. Und dann hat sie in einem Videoclip von einer Band gespielt, der Song hieß Fahrradfahren. Ich weiß gar nicht mehr, wie die Band hieß. Da habe ich ein Videoclip zugemacht und ich kann sogar noch den Refrain. Man hört das dann so oft, dass es einem sein Leben lang nicht mehr aus dem Kopf geht.
1:43:55 Und deswegen würde man es wahrscheinlich dann auch nicht mehr hören.
1:44:00 Jan Henrik Pusch: David fragt, seid ihr super pissed, dass Gratitude the Added die Früchte eurer Pionierarbeit trägt und richtig abkecht?
1:44:09 Rainer Nigrelli: Viel Grüße an David an dieser Stelle.
1:44:11 Jan Henrik Pusch: Was denkt er denn eigentlich?
1:44:12 Gast: Ja, also ich weiß ja, dass wir die Themen von euch regelmäßig kriegen. Ich setze mich jetzt auch demnächst zur Ruhe, deswegen. Also ich muss ganz ehrlich sagen, ich fühle mich total geehrt. Ich finde es wahnsinnig toll und bin sehr humble und freue mich megamäßig darüber, dass ihr das im Sinne des Schnitt Podcasts weiter macht. Und ich finde das ganz großartig. Man kann euch, glaube ich, gar nicht genug dafür danken.
1:44:51 Rainer Nigrelli: Ne, den Dank ihr mir zurück.
1:44:53 Gast: Also ich finde es unglaublich und gerade in so einer Zeit, also ich bin jetzt eben in meinen letzten drei, vier Monaten vom Studium, ich bin da einfach unglaublich dankbar für. Deswegen all das Lob, all das Geld, was ihr bekommt, ist vollkommen gerechtfertigt. Ich hätte nie gedacht, dass noch in irgendeiner Art und Weise der gute Schnitt noch mal zu so einer schönen, schönen Nachmittagsdiskussion führen würde.
1:45:21 Gast: Nee, auch nicht, ja.
1:45:22 Gast: Hätte ich wirklich nicht gedacht.
1:45:22 Gast: Man hat gleich Bock, wieder weiterzumachen.
1:45:24 Gast: Es ist echt furchtbar, ja.
1:45:27 Jan Henrik Pusch: Kein Problem, machen wir gerne. Ich glaube, ich würde kurz die nächste Zuhörerfrage nehmen. Und zwar ist das der von uns eben schon angesprochene Knut. Knut. Der lässt euch natürlich ganz lieb grüßen. Und jetzt ist es leider passiert, dass wir die Fragen, die er gestellt hat, schon so ein bisschen beantwortet haben. Aber vielleicht, Theo, da geht es nämlich um dich, kannst du noch was dazu sagen, weil er fragt, Theo, kannst du was mit deinen Erfahrungen aus der Filmbranche in deinem neuen Beruf anfangen und vermisst du etwas?
1:46:02 Gast: Auf jeden Fall. Also erst mal danke, Knut. Nochmal Grüße, Knut. Auch, dass du mich in so einer schweren Zeit damals als Schnittassistenter tragen hast, egal. Ja, auf jeden Fall. Also eine dieser Grundregeln, die jetzt nicht zwangsläufig eine Schnitt- aber eine Filmregel ist, Show don't tell. Also die Emotionen muss gespielt sein und nicht gesagt sein. Das ist vieles, was man auch im Psychotherapiekontext oft hat. Natürlich gibt man dann manchmal Informationen oder so, aber es ist manchmal besser, wenn das Gegenüber fühlt. Also generell irgendwie, das fällt mir heute so auf, dass Dirk ist jemand, der mich hat, glaube ich, emotional viel halt lernen lassen. Und das kann ich auf jeden Fall viel in meinem jetzigen Feld benutzen.
1:46:57 Ja, es gibt einiges. Ich gebe zu, ich stehe gerade leider ein bisschen auf dem Schlauch und beantworte die Frage sehr schlecht, Knut, aber gibt's, ja. Und was war die zweite? Vermisse ich's?
1:47:10 Jan Henrik Pusch: Vermisst du etwas? Da hatten wir ja eben schon mal...
1:47:12 Gast: Ja, wie gesagt, die Verantwortung, die Kameradschaft mit den Leuten und so. Was ich nicht vermisse, sind die, ich nenne es jetzt mal, manchmal intransparenten Dialoge mit Produktionsfirmen. Das gebe ich echt zu. Und dieses dabei sitzen zu müssen, während sich Leute so gegenseitig, also wirklich ganz, ganz schlimm, selbstbeweihräuchern und so. Da gebe ich zu, dass...
1:47:38 Rainer Nigrelli: Das haben wir richtig gut gemacht.
1:47:40 Gast: Hast du eigentlich Beispiele für ohne Ende?
1:47:43 Gast: Also wirklich, selbst ich auch. Hast du das schon mal gesehen? Schon tausendmal, Junge. Was sage ich? Nein, noch nie. So, dass das Ding jetzt vorbei ist, beziehungsweise jetzt in dem Kontext halt ist, wo... Also wenn wir jetzt über Patientinnen und Patienten reden, eine von uns beiden hat halt einen Behandlungsauftrag. Ich benutze das Wort krank nicht gerne so, aber da ist viel mehr zu verzeihen. Und auch der Kontext ein ganz anderer. So und das fühlt sich alles ehrlicher an und ich bin echt froh, das nicht mehr machen zu müssen. Sehr gut.
1:48:19 Rainer Nigrelli: Wir haben noch eine Kategorie, vielleicht sogar zwei, aber die nächste.
1:48:22 Gast: Gute Frage, Knus.
1:48:28 Gast: Du hast ja gerade gesagt, die Anekdote der Woche, und dann fängst du an zu lachen, dann musst du doch gleich was haben.
1:48:34 Gast: Weil ich den Einspieler super lustig fand. Und auf Montage finde ich halt super greckig.
1:48:40 Jan Henrik Pusch: Okay, dann sage ich nochmal, was wir jetzt hören wollen. Da könnt ihr kurz drüber nachdenken, ob ihr eine ganz tolle Anekdote natürlich am besten aus dem Schneideraum oder dem Schnittkontext für uns habt.
1:48:54 Gast: Ja, meine tollste Anekdote habe ich ja schon erzählt. Ja, dann nicht.
1:49:01 Jan Henrik Pusch: Das muss ja diesmal nicht beim Kinderfilm sein. Vielleicht hast du ja dann was von einem anderen Film.
1:49:08 Gast: Ich weiß, wir haben damals darüber gesprochen, Theo und ich. Wir machen ein Buch über alles, was im Schneideraum passiert ist. Und wir brauchen danach nie mehr arbeiten, weil wir dann von allen Leuten, die in dem Buch drin stehen, so viel Geld kriegen würden, dass wir es nicht veröffentlichen. Das können wir natürlich jetzt hier nicht preisgeben, weil wir natürlich dann unsere Zukunft verbauen würden. Und die finanzielle Sicherung für das, was kommt.
1:49:39 Rainer Nigrelli: Schade.
1:49:41 Gast: Was kann man denn für schöne Anekdoten nochmal erzählen?
1:49:46 Rainer Nigrelli: Gibt es was mit Buch?
1:49:48 Gast: Mit Buch gibt es immer Anekdoten.
1:49:53 Gast: Also aus unserer gemeinsamen Schneideraumzeit oder auch?
1:49:56 Jan Henrik Pusch: Nach wie vor ist es ganz egal.
1:49:58 Gast: Also ein Ereignis, was ich nach wie vor mag über Dirk und Buch, bin ich dann irgendwann so ein bisschen auch in diesem Trailer schneiden. Also ich habe das jetzt nie groß, aber habe ein paar Trailer schneiden dürfen. Und ein schöner Moment, und das war im Schneideraum, als Buch mir das erzählt hat, da sollte ich einen Trailer für Vermessung der Welt schneiden. Der sollte vor den damaligen, ich weiß nicht, gibt es mittlerweile 500 Resident Evil Filme, da vorgesetzt werden, um halt eben ein anderes Publikum reinzuziehen. Und ich habe es geschafft, ein Film von zwölf Jahre alt ist, dass der Trailer für 16-jährige Hände zu gucken war.
1:50:29 Und irgendwie fand ich das total cool. Und das war ein Trailer von Warner Brothers und ich war 23. Also da fand ich mich schon ein paar Monate sehr, sehr krass. Das hat mir sehr gefallen.
1:50:47 Gast: Ich kann mich dran erinnern, als du gerade jetzt Buck sagst, mir erinnere ich daran, als ich für Rhythm Is It! zum Filmpreis nominiert war, das weiß ich noch genau, das war im Juli die Preisverleihung. Und das war damals in der Philharmonie tatsächlich selber. Und wir haben aber zu dem Zeitpunkt schon knallhart gedreht. Wir waren in den Dreharbeiten für knallhart. Und dann bin ich an das Set gekommen. Bei Buck war ich immer viel am Set, da habe ich an das Set gekommen. Und dann, ich war wahnsinnig nervös, weil am nächsten Abend war diese Preisverleihung und so. Und weil ich meine, wenn man da nominiert ist, ist es ja auch eigentlich eine Katastrophe.
1:51:29 Das ist nichts für Leute mit schwachem Herzen. Also dauernd ruft einer an, dann haben wir einen Fototermin hier und dann kommen welche von der Akademie und die interviewen dich dann im Schneideraum und so. Also du bist ständig damit konfrontiert, dass da irgendwie dieses Ding ist. Und man ist sowieso sicher raus nervös und so. Dann bin ich ans Set gekommen und dann hat Buck nur zu mir gesagt, jetzt hör doch mal auf. Du gehst dann morgen hin und holst den scheiß Pokal ab und dann geht's weiter. Und das hat mich richtig so ein bisschen geerdet in dem Zeitpunkt. Und ich weiß noch genau, wo das war.
1:52:05 Also das war Zossener Straße, da war dieser Friseursalon, wo die Kids gesessen haben und wo denen die Haare getrimmt wurden und so. Und Kita saß hinten in der Ecke und so die Szene. Weiß ich noch ganz genau, die haben in einem Shisha geraucht vorne und in dem Setting war das. Und ich saß da und dachte nur so, okay, dann gehe ich jetzt wieder. Und dann bin ich wieder gegangen und am nächsten Abend dachte ich, siehste, geht doch. Also das war so, ich habe so gedacht, ja, irgendwie, der hat natürlich Recht im Grunde genommen. Man macht so ein Bohei da rum und am Ende des Tages bedeutet es dann doch nicht so viel.
1:52:53 Also es ist natürlich ganz toll und so und man freut sich darüber, aber das ist mehr was Inneres, das ist nichts Äußeres. Das wird zwar nach außen so getragen auch, aber es ist eher was Inneres und das hat mich dann, das hat mich im Nachhinein sehr beeindruckt so. Also für mich selber und auch wie er damit umgegangen ist.
1:53:10 Gast: Ein schöner gemeinsamer Moment, da musste ich gerade denken, kann sich daran erinnern, als Rubel die Katz fertig geschnitten ist und du dann meintest, so, ciao, und jetzt müssen wir den noch gucken. Da haben wir das erste Mal den Film, an dem wir, also das war ja unser erster Film, wo wir quasi richtig zusammen gearbeitet haben. Und ich weiß nur, dass ich danach, also sowohl Romantic Comedy als jetzt auch, das war alles nicht so um eins, aber dass ich irgendwie mit dir da drinnen saß und sich das einfach, dass ich mir dachte, krass, das kann ja Arbeit sein und es fühlt sich alles so gut und irgendwie auch so fair irgendwie.
1:53:47 Daran muss ich gerade denken, dass das ganz, ganz doll schön war, mit 21 endlich irgendwo so angekommen zu sein und da irgendwie auch so wirklich vertrauensvoll rangeführt worden zu sein und da auch das Gefühl gehabt zu haben, eben das, was du fühlst und was du sagst und was du denkst, das ist auch vollkommen okay hier und richtig so und wird sogar gewertschätzt und irgendwie involviert. Daran muss ich gerade denken.
1:54:11 Gast: Es gibt so viele Momente, weißt du, also wenn man mit Leuten darüber spricht, die mit Schnitt und mit Film so wenig zu tun haben und die meisten Menschen, die man kennt oder viele, die man kennt, haben gar nicht, die interessiert das, die finden das ganz toll und so wie lange arbeitest du daran? Und dann sagst du so ja so manchmal vier bis sechs Monate.
1:54:34 Gast: Vier bis sechs Monate an so einem Film?
1:54:36 Gast: Und dann ja und wie viel machst du denn am Tag und so und dann wird einem erst mal so bewusst, das ist schon ein Teil des Lebens, der man da mit verbringt und auch ein größerer Teil des Lebens. Und deswegen dieses, was Theo gerade sagt, dieses sich am Ende des Films noch mal hinzusetzen und das noch mal gemeinsam anzugucken, so komplett im Ganzen, um so dann damit abzuschließen, das ist auch immer so, ist ein bisschen traurig, weil es vorbei ist, aber irgendwie auch stolz, weil es geschafft ist. So das sind so auch wieder, da kommt wieder dieses Emotionsding, was bei mir stark ausgeprägt ist, kommt dann wieder so zum Tragen und dann, man freut sich darüber, dass es fertig ist, man ist ein bisschen traurig, dass es vorbei ist, so das sind so diese schwankenden Emotionen.
1:55:24 Für mich diese ganze Arbeit an Filmen hat ganz viel von diesem Charakter immer. Es ist eine ständige Neuerfindung, was ich sehr liebe. Mein Bruder sagt z.B. immer, er hat dann irgendwie mit seinem Job und so und es ist doof und wird es nicht langweilig. Ich sage, ja guck mal, es ist so, wenn ich jetzt einen Job habe, den ich überhaupt nicht mag, dann weiß ich, es ist noch 3-4 Monate vorbei. Dann sage ich, alles geil, es ist vorbei, dann kommt was Neues und dann kann es wieder ganz toll sein. Es ist zwar schon ähnlich und gleich, aber es ist trotzdem auch immer wieder anders. Und dieses immer wieder andere, das ist das, was ich mag, was ich faszinierend finde.
1:56:11 Also du kannst auch einen anderen Job haben und ich habe ja vorher bei Siemens gearbeitet, ich weiß nicht, ob ich das schon erwähnt habe. Und da war ich drei oder vier Jahre und da war immer das Gleiche. Es war immer das Gleiche. Auch ich hatte da unterschiedliche Aufgaben auch und so, aber trotzdem am Ende war es immer das Gleiche. Und hier ist es auch immer das Gleiche, aber es ist immer was anderes. Und es gibt immer wieder neue Geschichten, die ich sehe und immer wieder neue Geschichten, die ich erzählen darf und dann darf ich wieder neue Emotionen eintauchen und ich lerne da neue Leute kennen und habe neue Regisseure und neue Produzenten und so.
1:56:46 Und das finde ich auch ein, also das mag ich sehr. Und das ist jetzt keine Anekdote richtig oder ist das eine Anekdote?
1:56:52 Gast: Ist das auch keine Anekdote?
1:56:54 Gast: Das ist ein Kommentar. Ist einfach nur noch so ein...
1:56:56 Rainer Nigrelli: Ich hätte auf jeden Fall Bock, Filme zu schneiden jetzt, nach dem, was du gesagt hast.
1:57:00 Jan Henrik Pusch: Das ist ja auch etwas, was euer Podcast immer wieder mit uns gemacht hat, dass man große Lust hatte, Filme zu schneiden.
1:57:09 Rainer Nigrelli: Wir haben übrigens noch eine Kategorie, weil ich habe gehört, wir haben jetzt heute die zwei Podcast-Gäste vom Guten Schnitt da. Und ihr hattet ja auch eine. Ich weiß nicht, ob ihr euch erinnert.
1:57:22 Gast: Eine Kategorie.
1:57:23 Gast: Wir hatten eine Kategorie?
1:57:28 Rainer Nigrelli: Achtung, Achtung.
1:57:28 Gast: Ich hätte jetzt fast fuck gesagt.
1:57:30 Rainer Nigrelli: Das müsst ihr ja nicht wissen.
1:57:31 Gast: Der gute Schnitt, der schlechte Schnitt.
1:57:32 Rainer Nigrelli: Achtung, ich komme mit dem Tipp. Der gute Tipp.
1:57:36 Gast: Der gute Tipp? Das haben wir aber nicht so oft gemacht, weil wir haben nicht so viele Tipps.
1:57:40 Jan Henrik Pusch: Das habt ihr super oft gemacht. Du hast es oft gemacht, dir.
1:57:44 Gast: Theo?
1:57:45 Jan Henrik Pusch: Ja, nee, ich weiß jetzt nichts.
1:57:49 Gast: Der gute Tipp, das war aber irgendwie alles, oder? Wir durften sagen, was wir wollten.
1:57:52 Jan Henrik Pusch: Ihr dürftet sagen, einfach ein Tipp.
1:57:55 Rainer Nigrelli: Wir müssen aber auch einen machen.
1:57:56 Jan Henrik Pusch: Ich bin vorbereitet.
1:57:59 Gast: Also ein guter Tipp.
1:58:00 Jan Henrik Pusch: Wir können auch anfangen, wenn ihr mögt.
1:58:02 Gast: Ja, fangt ihr mal an.
1:58:03 Rainer Nigrelli: Ja, ich habe auch einen.
1:58:04 Jan Henrik Pusch: Also ich würde tatsächlich mit einem Podcast, wie ihr es genannt habt, warte mal, ich tippe einen Podcast und zwar nennt er sich Films to be buried with von Brett Goldstein. Und da interviewt er Schauspieler, Filmmacher und sonst was. Und die müssen ihre Lieblingsfilme einfach beschreiben und warum. Und es wird darüber gesprochen, die müssen halt ihren Film für bestimmte Situationen oder sowas sagen und dann wird darüber gesprochen. Er ist wirklich wirklich gut anzuhören und ich nutze ihn auch um meinen Englisch zu verbessern.
1:58:56 Rainer Nigrelli: Soll ich was tippen oder seid ihr schon so weit? Dann lasst mich kurz tippen und dann könnt ihr gleich abschließen damit. Ich habe gestern mit Anne Fabini gesprochen und da fiel auch der Film Cutting Edge. Ich weiß nicht, ob ihr den kennt, das ist dieser Film über Filmschnitt, wo rühmende Filminitoren gesprochen werden. Und da weiß ich noch, ich erinnere mich, als das gestern fiel, an Steven Spielberg, der erzählt, wie er am Weißen Hai geschnitten hat, mit Werner Fields, Mother Cutter hieß die damals. Und das kam mir gerade, als du gesagt hast, ich gucke da nicht so oft die Frames, manche haben die Emotionen, stimmt die?
1:59:38 Und die sprechen aber genau darüber, dass der Hai so unrealistisch aussah und die sich dann immer so quasi angeschaut haben und den Schneidetisch gestoppt haben, immer an einer bestimmten Stelle, okay da muss geschnitten werden und Spielwerk, nee da und quasi Runner Fields immer weniger wollte, damit man das mehr glaubt, was da am Schluss einfach gezeigt wird. Also das wäre mein guter Tipp, guckt mal, Cutting Edge ist eine schöne Dokumentation.
2:00:02 Gast: Ja und dann kann man gleich in dem Zusammenhang nämlich noch gucken, es gibt eine wahnsinnig tolle Dokumentation über die Entstellung von der Weiße Hai. Ist auf der DVD von der Weiße Hai, ich glaube, DVD? Ja, da gab es mal, DVD war mal so was, da waren so Silberne Scheiben, die konnte man, das war kurz nach VRS, konnte man in so einen Recorder einlegen und da gibt es eine Dokumentation, die ist über eine Stunde drauf, wo Spielberg wirklich ganz offen darüber redet, was alles schief gegangen ist und der Produzent sagt, dass alles schief gelaufen ist und so weiter. Das ist, weil der Hai nie funktioniert hat und so weiter.
2:00:35 Dann erklärt er auch, als er zum ersten Mal die Musik gehört hat, saß er im Studio, und dann hat er vorgespielt. Und dann sagt er, da kommt kein Orchester. Das ist wirklich eine ganz tolle Doku, die sich wirklich lohnt, anzugucken. Als Zusatz noch, das ist noch nicht mal mein Tipp, aber als Zusatz gibt es noch, The Abyss von James Cameron, auch auf der DVD eine 1,5-stündige Dokumentation über die Entstellung von The Abyss, auch unbedingt sehenswert, faszinierend.
2:01:17 Jan Henrik Pusch: Also dein Tipp, kauf durch DVD-Klicks.
2:01:20 Gast: Mein Tipp hat was mit Gesundheit zu tun, weil ich mich seit ungefähr einem guten Jahr ungefähr viel mit Gesundheit beschäftige und selber entgifte und entschlacke und so was alles. Und da folge ich einem Kanal auf Instagram, Common The Health Coach. Die macht ganz viel Sachen über Detoxen, Entgiften und so weiter und mir hat das geholfen. Ich habe über zehn Kilo abgenommen. Wir haben Theo und ich haben schon vorhin geredet. Ich lebe viel gesünder und fühle mich auch energetischer und besser. Und deswegen, alle Leute, Entgiften ist auf jeden Fall.
2:01:56 Rainer Nigrelli: Und das, was die Abyss hat damit zu tun?
2:01:57 Gast: Nee, die hat gar nichts damit zu tun.
2:01:58 Rainer Nigrelli: Entschuldigung, ich habe gerade die Montage gemacht in meinem Kopf und habe es nicht zusammengekriegt.
2:02:04 Gast: Mein Tipp ist nur, entgiften und gesünder leben. Ich glaube, in diesen Zeiten.
2:02:09 Rainer Nigrelli: Nehmen wir gerne mit.
2:02:10 Jan Henrik Pusch: Vor allem das Besserfühlen, das würde ich hervorheben.
2:02:15 Gast: Mein Tipp ist ein recycelter Tipp von Dirk, aber es ist ein Zitat, und ich habe das Zitat nicht drauf, egal. Du hast, kannst du dich an Brian De Palma erinnern, hier Carlitos Way. Da gibt es diese Billiardszene, wo er Billiards spielt. Der damalige Produzent ist in den Raum gegangen und meinte, die Szene muss viel kürzer. Die muss viel kürzer, die ist kacke. Die geht so nicht. Was am Ende aber passiert, ist, dass die Szene länger gemacht wurde. Und dann der Produzent auf einmal meinte, super, geil, danke, dass du das gemacht hast. Und diese Geschichte ist mir immer wieder anhängig gewesen, weil, was du gesagt hast, ich weiß nicht, ob es Brian De Palma genauso gesagt hat, aber deine Quintessenz davon war, die Leute wissen nicht zwangsläufig, was falsch ist, aber sie können den Finger immer draufsetzen, dass etwas falsch ist.
2:03:16 Und diesen Tipp, der ist nicht nur für Editor und Editorinnen, sondern auch für Stinos wie mich, Zivilisten, immer noch gut verwendbar, weil man anderen Umgang auf einmal mit Kritik, Bemerkungen umgeht, wenn die anderen Menschen einem entgegenbringen. Und das ist, denke ich, ganz wertvoll.
2:03:39 Jan Henrik Pusch: Du meinst, wenn die anderen sagen, da ist irgendwas nicht richtig, ich kann dir nicht sagen, dass man nicht sagt, jetzt sag schon, sondern einfach noch mal in die Suche geht.
2:03:48 Gast: Oder das, wenn, also ich habe jetzt leider nur, ich bin jetzt auch kopflich ein bisschen durch, leider, aber dass eben das hingenommen wird, okay, es, und da sind wir, wir kommen heute viel auf Gefühl zurück, ich bin ganz erstaunt, ich habe lange nicht mehr so viel über das Wort Gefühl oder generell Gefühle geredet, dass es einfacher ist, ich glaube intuitiv, affektiv ist es einfach zu merken, hey, hier stimmt was nicht. Aber bis der Kopf hinterher gekommen ist, um zu sagen, was nicht stimmt, also der Bauch kapiert schnell, aber er weiß nicht, was er kapiert. Der Kopf braucht dafür länger, aber der kann dir dann sagen, was genau nicht stimmt.
2:04:33 Nee, da muss ich jetzt wieder sprechen, nee, das würde ich auf jeden Fall nicht sagen, aber ich würde sagen, dass man beide Domänen, also dieses intuitive aus dem Bauch, der dir die Richtung gibt, dass das ganz ganz wertvoll ist, aber man sollte sich nie einzig und allein nur aufs Bauchgefühl, sondern das ist quasi kognitiv und affektiv, dass das in einem Einklang ist und dass man aber versteht, dass das Gefühlsding, das was so als Störgeräusch reinkommt, das ist ein guter Anhaltspunkt, aber nicht die erste Vermutung, warum es da Störgeräusche gibt, sofort die richtige ist.
2:05:05 Gast: Ja, genau, weil du nämlich, weil das ist wieder der Kopf, der dir sagt, was es ist.
2:05:09 Gast: Genau.
2:05:09 Gast: Also der Bauch sagt dir, da stimmt was nicht, also hörst du auf den Bauch und dann analysierst du das, was es ist. Und ja, genau, im Grunde ist das, was Brian De Palma ja da auch, was die auch gemacht haben.
2:05:22 Rainer Nigrelli: Bojan, ich sehe schon, wir müssen, wenn wir weitermachen mit Credit to the Added, irgendwie mehr philosophieren. Ich glaube, das führt auch zu mehr, da kommt irgendwie mehr rum.
2:05:30 Gast: Habt ihr aber hier überlegt, nicht aufzuhören.
2:05:32 Jan Henrik Pusch: Die Frage ist, ob wir so philosophieren könnten, wie diese beiden, denen wir hier gerade zuhören durften, um die Frage zu beantworten.
2:05:39 Rainer Nigrelli: Nein.
2:05:40 Jan Henrik Pusch: Denken wir nicht drüber nach. Das war glaube ich die Frage.
2:05:45 Gast: Das war rhetorische Frage.
2:05:48 Jan Henrik Pusch: So, ich glaube, wir kommen aber trotzdem zum Schluss. Vielen, vielen Dank. Aber wir haben noch eine allerletzte, sehr wichtige Frage.
2:05:57 Rainer Nigrelli: Ich soll die stellen? So, was machen wir denn mit den ganzen guten Schnittfolgen, die da rumliegen, die man sich jetzt nicht mehr anhören kann, weil ihr die vom Netz genommen habt? Was machen wir denn damit?
2:06:07 Gast: Ich kann dir sagen, warum wir die vom Netz, also warum ich die vom Netz genommen habe, der hatte damit ja nichts zu tun. Der ist sozusagen unschuldig an dem Punkt. Es war einfach so, dass ich da jeden Monat Geld für bezahlt habe, weil ich die privat gehostet habe auf dem Amazon-Server. Und jeden Monat, es war jetzt nicht wahnsinnig viel, aber ich habe jeden Monat irgendwie dafür zwischen 40 und 50 Euro bezahlt. Und dann habe ich irgendwann gedacht, okay, kannst du auch einen BFS lieber geben.
2:06:37 Rainer Nigrelli: Der BFS ist schuld, okay.
2:06:38 Gast: Nein, Quatsch ist nicht schuld. Aber im Grunde genommen, die Folgen sind alle da und sind ja auch im Grunde genommen mehr oder weniger Public Domain sozusagen. Aber ich wollte oder konnte oder wollte eigentlich nicht einfach nur jeden Monat, weil ich noch nicht wusste, wie viele Leute das noch hören wollen und so weiter. Und es ist einfach jeden Monat, das war mir einfach zu viel Geld dann da.
2:07:02 Jan Henrik Pusch: Vielleicht sollten wir aber trotzdem drüber nachdenken.
2:07:04 Gast: Vielleicht hat da draußen in der Welt, in der offenen Welt ein Zuhörer, der das sponsern möchte oder seinen Server zur Verfügung stellt.
2:07:13 Rainer Nigrelli: Jetzt ist es ja so, dass wir richtig abcashen, wie vorhin David gesagt hat. Und wenn wer Geld hat, dann ja wohl wir.
2:07:21 Gast: Vor allem wir haben ja nicht nur eine halbe Stunde gelabert. Manchmal war das ja wirklich nix.
2:07:30 Jan Henrik Pusch: Das ist auch ein Thema, wo ich am Anfang mal drüber sprechen wollte. Es ist lustig, es ist ähnlich wie bei uns. Am Anfang sind sie kurz und nach 10, 15 Folgen ist man so drin, dann werden sie länger. Das ist bei uns auch total so, dass man am Anfang viel kürzere Folgen hat.
2:07:46 Gast: Also ich sage jetzt ja, warum nicht? Vielleicht kann ich das direkt damit verbinden. Wir sind in den abschließenden Dankesrunden. Oder darf ich überhaupt schon?
2:08:01 Jan Henrik Pusch: Du hast ja gesagt, damit sind wir am Ende unserer letzten Frage.
2:08:07 Gast: Ich möchte mich echt sehr, sehr bedanken. Ich hätte niemals gedacht, dass... Man hat es vielleicht ein bisschen gehört, das hatte dann auch ein bisschen mit der Stimme zu tun. Ich fand es total schön, dass das überhaupt passiert ist. Das hätte ich niemals gedacht, niemals. Ich habe jetzt über dem Podcast auch irgendwie, ähnlich wie mit Dirk, das Gefühl, man kennt sich schon sehr lange. Ich weiß immer nicht, woher das kommt. Das hat mich sehr, sehr glücklich gemacht, in diese Zeit nochmal zurückgehen zu können. Ich finde es unglaublich, dass Leute das wirklich gehört haben. Und noch viel besser finde ich das, dass ihr dadurch quasi auf die Idee gekommen seid, selber einen Podcast zu machen.
2:09:00 Also ihr lasst mich heute auf jeden Fall, da passiert gerade einiges in mir, aber ihr lasst mich auf jeden Fall sehr, sehr glücklich gehen. Und vielen, vielen Dank dafür. Das ist nicht selbstverständlich.
2:09:13 Gast: Ich kann mich dem total anschließen. Für mich auch emotional, muss ich sagen. Vor allen Dingen auch, weil diese Konstellation mit Theo hier so zu sitzen auch. Weil ihr habt ja auch immer von Anfang an gesagt, lasst uns das zusammen alle machen und so. Und das ist wie früher. Wir sind alle etwas älter geworden, aber im Geist ist immer noch jung. Und es ist wie früher. Wir labern unkontrolliertes Zeug. Und am Ende müsst ihr euch da draußen das anhören.
2:09:43 Gast: Also ich hab tausendmal ins Mikro gefasst, ich hab zweimal auch zu laut geschrien, das tut mir leid. Aber Leute, also liebes Publikum von Credit To The Other, danke, dass ihr zugehört habt. Aber ihr wisst ja selber, wenn ihr die Folge kacke fand, dann lags. Das ist ein geschnittener Podcast. Das wollte ich noch mal ganz kurz erwähnt haben.
2:10:06 Gast: Bei uns war immer alles live.
2:10:09 Gast: Und hier ist sozusagen die Manipulation. Dann ist das kein guter Schnitt.
2:10:16 Rainer Nigrelli: Folgendes, wir schneiden den gar nicht. Vielen Dank, dass ihr da wart. Das war ganz toll. Ihr habt uns auch sehr glücklich gemacht.
2:10:27 Gast: Wir haben also gesehen, dass die Bildschneider wunderbare Geschichten erzählen könnten, wenn man sie denn nur fragen würde. Genau hier fehlt es aber am Bewusstsein des zahlenden Publikums, die den Schnitt als gegeben und nicht als intensiven Schaffensprozess am offenen Herzen der ursprünglichen Filmversion verstehen. Gerade die gelungene Montage ist unsichtbar und so leider auch die Bildschneider. Darum sitze ich hier mit ihnen und versuche, diese Finsternis um die Kötterlegenden zu erleuchten.
2:10:55 Jan Henrik Pusch: Ja, wir sind auf dem Rückweg von unserem Gespräch mit Theo und Dirk. Wie ihr hört, sitzen wir noch im Auto, haben jetzt noch eine Fahrt nach Köln vor uns und ein tolles Gespräch hinter uns. Rainer ist am Autofahren deshalb ein bisschen abgelenkt, aber wir machen das trotzdem mal. Es war ja eh die Prämisse, in diesem Podcast mehr zu labern.
2:11:17 Rainer Nigrelli: Weil es ist ja wirklich so, man hat in diesem Podcast mit erfahren, wie Theo auf einmal von jemandem, der Fragen stellt, jemandem wird, der auch schneidet. Und deswegen, also lass uns das versuchen, wir veröffentlichen jetzt in Abstimmung mit den beiden die ersten drei Folgen von dem guten Schnitt. Das könnt ihr dann abonnieren und sagt uns, ob wir damit weitermachen sollen.
2:11:42 Jan Henrik Pusch: Auf jeden Fall, da freue ich mich sehr drauf, wenn man die dann nochmal hören kann.
2:11:50 Rainer Nigrelli: Du weißt schon, wenn du, Entschuldigung, ich kann mich nicht konzentrieren, aber wenn du auf jeden Fall sagst, dann ist das so wie, ich weiß jetzt auch nicht, was ich sagen soll.
2:12:01 Jan Henrik Pusch: Definitiv.
2:12:03 Rainer Nigrelli: Definitiv ist auch so ein Wort. Definitiv. Und interessant übrigens auch. Sag nicht interessant. Da hast du recht. Vielen Dank, Adobe. Wir müssen jetzt nach Köln.
2:12:16 Gast: Sie haben gesehen, Filmschnitt ist also gar nicht zu kompliziert. Und denken Sie immer daran. Das erste Ansehen des Filmmaterials bitte nur allein vollziehen.




