Was haben die deutschen Serien “Dark”, “Der Pass”, “Barbaren”, “Das Boot” oder “Wild Republic” gemeinsam? Sie alle wurden nicht nur mit sehr viel Geld produziert, und sind deshalb bekannt als “High-End-Serie”, sondern wurden auch von ganzen Teams ins Leben gerufen. Was für den Film ohnehin gilt, ist für die Serie sogar noch wichtiger: Serie ist Teamarbeit! Der Writer’s Room (bestehend aus zahlreichen Autor:innen) entwickelt die Story, Regie-Gruppen (mit dazugehörigen Kreativgespannen bestehend aus Bildgestaltung, Szenenbild, Maske etc.) erwecken das geschriebene Wort mit den Schauspieler:innen zum Leben – und ganze Montageteams sichten, schneiden und bearbeiten das Material.
Jede Produktion bedeutet für die Kreativen dann erneut, sich die eine Frage zu stellen: Wie arbeiten wir eigentlich diesmal zusammen? Editing-Teams können sich beispielsweise so strukturieren, dass die Editor:innen jeweils eine Folge von Anfang bis zum Ende montieren. Es gibt aber auch Teams, in denen Lead-/Head-Editor:innen die Fäden zusammen halten, und dabei das Ergebnis organisatorisch oder sogar kreativ zusammen führen. Oder es gibt Konstruktionen, wo Kollaboration ganz groß geschrieben wird: Hier montieren alle zusammen. An allen Episoden. Wahrgewordenes Team-Editing sozusagen.
Aber ginge es denn eigentlich ohne Teamarbeit? Ja, das wäre auch möglich, aber dann würde sich die Montagezeit wesentlich verlängern, und aus einem halben Jahr Schnittzeit könnten auf einmal eineinhalb Jahre werden. Auch würde man dabei auf kreative Vorteile verzichten. Gerade bei der Teamarbeit erarbeitet man die künstlerische Vision zusammen, zeigt sich Fassungen und kritisiert diese konstruktiv. Dazu ist von Vorteil, Teamtalente gezielt einzusetzen. Vielleicht kommuniziert eine Person im Team sehr gut und sollte deswegen organisatorische Aufgaben erfüllen. Oder den Regieschnitt betreuen und und und…
Es ist also viel möglich, wenn man im Team mit Editor:innen und Assistenzen schneidet. Und wie schön, erfüllend und vielseitig das ist, davon berichten Caro Biesenbach und Lucas Seeberger in der aktuellen Ausgabe von “Credit to the Edit Podcast”.
zu Gast
Caro Biesenbach ist eine deutsche Film-Editorin, die seit 2002 in der Film- und Fernsehbranche tätig ist. Nach ihrer Ausbildung zur Mediengestalterin Bild/Ton und dem Studium von 2002 bis 2008 an der Filmakademie Baden-Württemberg war sie an zahlreichen Produktionen beteiligt, darunter die weltweit bekannten Netflix-Serien “Dark” (Staffel 3) und “Barbaren” (Staffel 2) sowie “Wild Republic” (MagentaTV) und “Die Drei !!!” (Disney+). Seit 2006 unterrichtet sie an der Filmakademie Baden-Württemberg, wo sie 2021 die Leitung des Studiengangs Schnitt/Montage übernahm. Zur Zeit arbeitet Caro an der Netflix-Serie “Bone Palace” – im Team versteht sich.

“Das einzige Ego, dem ich bereit bin zu dienen, ist die Geschichte. Alle anderen müssen sich hinten anstellen. Das gilt auch für mich.”
Caro Biesenbach
zu Gast
Lucas Seeberger ist ein seit 2012 tätiger freiberuflicher Filmeditor. Nach seiner Ausbildung zum Mediengestalter Bild/Ton studierte er Filmmontage an der ifs internationale filmschule in Köln. Lucas hat an renommierten Produktionen wie „Barbaren“, „Der Pass“, „Der Greif“ und „Das Boot“ mitgewirkt. Für seine Arbeit wurde er 2022 für den Deutschen Fernsehpreis nominiert in der Kategorie „Bester Schnitt Fiktion“ für die Serie „Der Pass“. Ebenso war er 2022 für den Schnitt der gefeierten Serie erneut nominiert für “Deutscher Kamerapreis”. Seine letzte Teamarbeit war die Serie “Hagen”, die in Kürze auf RTL+ Premiere feiern wird.

“Und jetzt kommt ein Nachteil des Teamarbeitens: Man telefoniert sehr, sehr viel.“
Lucas Seeberger
(Ein großer Dank geht an Maike Nissen/Vegasfilms, die uns dankenswerterweise ein Quiz zusammen gestellt, das natürlich in “Teams” gespielt wird.)

Timeline-Shortcuts
Links
Transkript der Folge lesen
Automatisch erstelltes Transkript von Apple Podcasts. Schreibweisen und die Zuordnung der Sprecher:innen können Fehler enthalten.
00:00 Gast: Liebe Filmfreunde, herzlich willkommen. Heutiges Thema, die Filmmontage in Theorie und Praxis.
00:15 Jan Henrik Pusch: Hallo und herzlich Willkommen zu Credit to the Edit, dem Podcast über Filmschnitt. Hier sprechen wir mit FilmeditorInnen aus allen Genres. Und das Beste daran ist, wir sind selber Filmeditoren. Mein Name ist Jan Henrik Pusch und mir gegenüber sitzt Rainer Nigrelli.
00:33 Rainer Nigrelli: Hallo, das stimmt. Ich bin Rainer Nigrelli. Was muss ich jetzt sagen?
00:37 Jan Henrik Pusch: Das Thema vielleicht, weil da kennst du dich auch besonders gut aus.
00:40 Rainer Nigrelli: Stimmt. Heute geht es um die Montage an Serien, aber um eine ganz besondere Art von Serien. Zum einen sind das High-End-Serien, also die Serien, wo richtig viele Millionen Euro drin liegen.
00:53 Jan Henrik Pusch: Genau, und da haben wir uns zwei sehr erfahrene KollegInnen dazu geholt. Und zwar ist das die Caro Biesenbach, die an so tollen Sachen wie Dark oder Die Drei!!! mitgearbeitet hat und den Lucas Seeberger, der auch an dem Pass mitgearbeitet hat, den Greif in Zukunft wird hagen, die Serie herauskommen. Bin ich auch sehr gespannt, was er dazu zu sagen hat. Und es ist so, dass sie beide sehr große Erfahrungen damit haben, diese Sachen im Team zu schneiden.
01:25 Rainer Nigrelli: Serien werden ja sehr oft in Teams geschnitten, weil einfach zu viel Arbeit anfällt. Das kann nicht eine einzelne Person leisten. Und da stellt sich natürlich dann immer die Frage, wie arbeitet man zusammen?
01:37 Jan Henrik Pusch: Rainer, ich glaube, bevor wir ins Gespräch bringen, wollen wir noch ganz kurz anti sein. Das Ganze wird heute auch ein bisschen so eine kleine Therapiesitzung für uns. Denn wir beide werden das Ganze auch in die praktische Situation ziehen, weil wir im Moment zusammen an einer Serie sitzen und die beiden mal so als Experten befragen wollen, worauf wir achten sollen, damit wir die Fallstricke überspringen können.
02:06 Rainer Nigrelli: Ja, und wir haben gerade gestartet und es hat am Anfang ein bisschen geholpert. Mal gucken, wie das weitergeht und mal gucken, was für Tipps wir uns hier von den beiden noch mitnehmen können.
02:15 Jan Henrik Pusch: Wir danken Adobe und der VG Bild Kunst Stiftung Kulturwerk für die Unterstützung und gehen ab ins Gespräch.
02:26 Gast: So hat das japanische Mammutwerk barfuß durch die Hölle die Gnade gehabt, von nur einer Person, Kaiichi Uraoka, montiert worden zu sein. Dieser schält mit meisterhaften Stoizismus aus der mehrjährig angehäuften Rohschnittmasse Schritt für Schritt die sieben Teile dieses Monumentalwerkes heraus, welcher als einheitlicher Organismus in unsere Guck mal da Welt eindringt. Bernhard Wicki, der den Schnitt für die gekürzte europäische Fassung ansetzen musste, konnte ein Lied davon singen, den richtigen Kleister anzurühren, ohne zu klumpen oder dem Werk Schaden durch unfuge Neuverspachtelungen zuzufügen. Es gelang ihm, indem er die Rhythmik des Originals respektierte, anstatt den brachialen Effizienzhäcksler der triebigen Filmindustrie anzuwerfen, um für einen öffentlich-rechtlichen Sendeleiter Hans Wurst die Einschaltquoten zu optimieren.
03:16 Jan Henrik Pusch: So, hallo Caro, hallo Lukas.
03:18 Gast: Hi.
03:19 Gast: Hallo.
03:20 Jan Henrik Pusch: Ich nehme an, das monumentale Werk kanntet ihr bestimmt beide, oder?
03:26 Gast: Ich hab's zum ersten Mal gehört und ich find's großartig.
03:28 Jan Henrik Pusch: Ich auch, ich hab noch nie davon gehört.
03:30 Gast: Ich auch nicht.
03:32 Jan Henrik Pusch: So, dann würd ich, glaub ich mal sagen, gehen wir mal in unser Thema und zwar wollen wir ja über Serienschnitt sprechen und zwar über Teamarbeit dabei vor allem. Und die Frage ist, warum macht ihr das? Warum arbeitet ihr im Team?
03:52 Gast: Ja, das ist eine gute Frage. Also warum arbeiten wir im Team? Weil die natürlich zum einen bei so Serienprojekten sich das total anbietet, um schneller fertig zu werden. Das ist, glaub ich, jetzt würd ich mal sagen der Effizienzgrund. Und wenn man es einmal gemacht hat, mit Leuten, mit denen das gut funktioniert, dass es sehr, sehr bereichernd sein kann.
04:16 Gast: Ja, also kann ich tatsächlich nur bestätigen. Für mich stellt sich eigentlich die Frage, warum nicht? Ich hab seit ich das mache eigentlich nur Positiverfahrungen damit gesammelt, wenn das Team gut funktioniert. Also man muss natürlich eine Konstellation finden, in der sich das gut einstellt. Aber ich erlebe es als totale Bereicherung.
04:35 Jan Henrik Pusch: Ich würde, glaube ich, dann da gerne mal draufgehen, wie kann das denn dann mit den Teams funktionieren? Ich glaube, wir gehen dann jetzt mal dahin. Wie teilt man sich denn dann so ein Projekt auf?
04:47 Rainer Nigrelli: Das Ding ist ja, was wir, also ich antworte einfach, obwohl ich, ich stelle aber eigentlich eine Frage, deswegen keine Angst. Du hast das gerade benannt, Caro, ich glaube, du hast es angedeutet, man muss die richtigen Leute da auch haben, mit denen man zusammenarbeitet. Ich schätze nur, dann kann es eine Bereicherung sein. Weil wenn man nicht zusammenpasst, wird das schwierig. Lucas, du arbeitest, habe ich gesehen, bei ganz vielen Produktionen auch immer mit dem gleichen Kollegen zusammen, Andreas Baltschuhn. Ist das so eine gesetzte Teamkonstellation bei dir? Oder ändert sich das von Projekt zu Projekt? Wie suchst du das Team zusammen?
05:20 Gast: Witzigerweise war das mit Andreas bei der ersten Staffel vom Pass so, dass die Produktion gesagt hat, okay, wir machen eine Serie und wir brauchen auf jeden Fall zwei Leute im Schnitt. Und dann habe ich gesagt, ja, ist klar, cool. Habt ihr jemanden oder wie machen wir das? Und dann hat die Produktion Andreas vorgeschlagen. Das heißt, wir kannten uns natürlich noch nicht. Und das ist dann total spannend, finde ich, wenn man dann sich aufteilt erst mal und jeder schneidet und man trifft sich dann mit der Regie im Schneidraum später, wenn es dann losgeht. Und dann guckt man zusammen und man denkt dann plötzlich so, ach krass, was hat der denn da geschnitten?
05:56 Und dann hat er vielleicht eine Szene von mir übernommen und überarbeitet. Und dann denkt man, plötzlich ist man erst mal so total irritiert. Und das ist so ein ganz neues Gefühl gewesen. Und ich glaube, das hat bestimmt jeder von euch schon mal erlebt, wenn man mit mehreren Leuten sich Schnitte teilt. Und dann, wenn man diese kleine innere Hürde aber mal genommen hat, dass man dann eigentlich plötzlich denkt, so cool, weil wenn man sich dann aufteilt und Dinge gegenseitig anschaut und darüber spricht, mehr Input bringt irgendwie dann auch mehr. Das muss man wirklich sagen. Und bei Andreas und mir war es so, wir haben beim angefangen mit der ersten Staffel von Pass einfach so, dass wir gesagt haben, so wie das Material reinkommt und wie wir Lust haben, teilen wir uns auf.
06:39 Also wir sprechen uns ab und haben das auch so durchgezogen und haben später im Feinschnitt tatsächlich mit Philipp und Cyril, dann hatten wir auch zwei Regisseure beim Pass und haben dann eigentlich gedacht, wir teilen uns nach Folgen auf und haben aber dann gemerkt, dass das irgendwie sich so ein bisschen hinzieht und haben einfach gesagt, komm, wir arbeiten zu viert in Folge eins. Und dann haben wir den Rohschnitt von der eins in der Mitte durchgeschnitten, Schneider Raum eins hat die erste Hälfte genommen, Schneider Raum zwei die zweite Hälfte und dann durchgearbeitet. Und da hat man einfach festgestellt, wenn man selbst die Folgen aufbricht, dass dann vier Leute gemeinsam gucken und gemeinsam drüber sprechen, dass man wahnsinnig viel rausholen kann.
07:19 Und zwar total produktiv und das ist tatsächlich so ein System, was ich dann jetzt auch mit Andreas in den anderen Produktionen so weiterverfolgt habe, dass wir uns nicht wirklich bewusst nicht nach Folgen aufteilen, sondern einfach nach Material.
07:33 Rainer Nigrelli: Ja und das geht natürlich auch nur, wenn ihr gut zusammenpasst. Also da kommen wir wieder zu dieser Frage, wie sehr muss man zusammenpassen, um überhaupt Teamarbeit machen zu können? Vielleicht, Caro, hast du auch solche Erfahrungen gemacht? Oder und prinzipiell arbeitest du auch so wie Lucas?
07:53 Gast: Nee, ich arbeite tatsächlich in jedem Team auf das Team angepasst. Und in diesen Konstellationen arbeiten wir auch nicht, ich würde sagen Folgen sortiert, aber nicht Folgen spezifisch. Also mittlerweile bin ich dazu übergegangen, eine Folgen Hauptverantwortung sozusagen, sofern das in dem Team gut funktioniert, bei einer Editorin oder bei einem Editorin zu lassen. Was aber nicht bedeutet, dass wir uns nicht irgendwie gegenseitig helfen. Und bei uns ist es so, wir arbeiten sehr viel mit gemeinsamen Binge-Momenten. Also dass man immer wieder zwischendurch den Status Quo, der Show, wie sie gerade dasteht, gemeinsam betrachtet, gemeinsam bespricht. Und auch über diesen ganzen großen Bereich, wie soll sich die Show anfühlen, immer wieder gemeinsam redet.
08:38 Rainer Nigrelli: Und trotzdem wird getauscht, trotzdem wird überarbeitet. Aber eine Person finalisiert das dann am Schluss sozusagen.
08:45 Gast: Das plus gerne auch, du, ich kann die Szene nicht leiten, kannst du mal bitte. Es gibt einfach so Bilder, die es einem wahnsinnig schwer machen, in die man nicht sofort den Zugang findet. Oder auch Figuren, über die man viel mehr reden muss. Und das anfänglich irgendwie in der Editorengemeinschaft zu machen, ist total schön.
09:04 Rainer Nigrelli: Ja, da muss man wahrscheinlich wirklich auch das Händchen dafür haben, bei den Projekten, dass das klappt. Also wenn man jetzt schon weiß, das wird nicht klappen mit Person X, Y, weil der das nicht liegt, dann wird das wahrscheinlich auch keine gute Teamarbeit sein. Da muss man wahrscheinlich reagieren drauf und sagen, okay, dann bekommst du halt doch nur eine Episode. Aber ihr habt ja jetzt ganz viel von diesen Vorteilen gesprochen. Und Jan und ich fragen jetzt nicht nur für den Podcast, sondern auch aus persönlichen Gründen, das werden wir später auflösen, über diese Aufteilung. Also bei Lucas hört sich das so an, als wäre das so ein Gleichheitsprinzip.
09:41 Jeder ist auf Augenhöhe. Bei Caro, ich bin nicht ganz sicher, ob ich das rausgehört habe oder meine, weil ich das schon in einem Vorgespräch hatte, dass du so ein bisschen mehr das Organisatorische übernimmst und diese Folgenverantwortung zuweist. Aber habt ihr im Grunde von der Arbeitsaufteilung immer sowas wie, okay, ich arbeite dran, jetzt überarbeitest du, jetzt arbeite ich wieder weiter oder gibt es noch andere Aufteilungen?
10:06 Gast: Also ich kann dir mal ein lustiges Beispiel vom Boot erzählen. Das Boot, die Serie, die hat einen internationalen Cast aus englisch-amerikanischen Schauspielern, französischen und deutschen SchauspielerInnen. Und ich habe das mit dem Charlie zusammen gemacht, Charlie Admiral aus München. Und Charlie ist halber Franzose. Und da haben wir uns dann auch überlegt, wie teilen wir uns auf. Und wir erkannten uns aufhören nicht. Und dann haben wir relativ schnell gesagt, auch wie das Material reinkommt. Aber mit dem Filter, er schneidet alle französischen Szenen, ich schneide alle englischen und die deutschen teilen wir uns auf. Und dann hatten wir plötzlich vier Folgen komplett bunt gemischt aufgrund der Sprache sozusagen aufgeteilt.
10:52 Also der Spielsprache, also so wie die Schauspielerinnen, Schauspieler am Set gespielt haben. Und witzigerweise hat sich das dann auch in den Feinschnitt getragen mit dem Regisseur, mit dem Matthias Glasner. Das war dann einmal tatsächlich sehr witzig, weil wir dann da saßen in zwei Schneiderhäusern. Und ich bin durch die Folge, weiß ich nicht, zwei mit ihm gegangen. Und dann kam eine französische Szene, die natürlich schon relativ gut und weit geschnitten war. Und dann Matthias dann sagte, ach ja, das wäre die französische Szene. Dann gehe ich mal zu Charlie rüber. Und ich so, ja, aber ich kann das, wir können das auch hier machen. Also Charlie hat, ist ja schon sehr fein geschnitten.
11:32 Wenn es jetzt um Kleinigkeiten geht. Nö, ich gehe kurz rüber. Dann war er weg. Ich saß da und habe gewartet oder habe was anderes gemacht. Und dann kam er nach einer halben Stunde wieder. So habe die Szene mit Charlie gemacht. Wir können weitermachen. Und dann bin ich ans Ende der französischen Szene gesprungen. Und dann haben wir da weiter gemacht.
11:51 Rainer Nigrelli: Das ist ja toll.
11:52 Gast: Ja, das war sehr witzig.
11:53 Rainer Nigrelli: Das ist ja toll, dass das vor allen Dingen auch so funktioniert, dass es so eine ganz klare Aufteilung vorgibt. So eine Serie, dann ist das völlig klar. Natürlich macht Charlie die französischen Sachen.
12:03 Gast: Ich sag mal, ich oder wenn ich mit anderen zusammenarbeitete, habe schon das Gefühl, man kann sehr, sehr weit bis kurz vor Picturelog immer noch sich abwechseln. Also das funktioniert schon, habe ich den Eindruck.
12:18 Jan Henrik Pusch: Ich glaube, eine Frage will ich dann doch mal stellen, die man hier jetzt schon, die mir als derjenige, der noch nicht im Team gearbeitet hat, immer wieder dann kommt und die glaube ich auch der Inbegriff dessen ist, warum andere, warum das im Deutschen nicht so direkt angenommen wird, dieses Teamarbeit, weil das ist ja irgendwie oft immer das Gefühl, man muss doch immer alles gesehen haben. Wie kann das denn sein, dass dann gucken denn dann wirklich alle immer alle Muster an? Und das ist ja ganz ganz oft das Argument, was man dann bringen könnte, dass das doch alles gar nicht geht, weil ja nicht die Person, die den Feinschnitt macht, weiß, was es noch für Optionen gäbe.
13:03 Gast: Ich bin als letzte Editoren in der dritten Staffel bei Dark dazugekommen. Das heißt, ich war weder in Staffel 1 noch in Staffel 2 involviert. Es gab ein fertiges Set-up, was Dark ist, wie sich Dark anfühlt, wie Dark erzählt wird. Das war sehr stabil und die erste Zeit habe ich mich nur damit beschäftigt, Dark zu lernen in seiner Formsprache. Das heißt, ich habe natürlich noch mal irgendwie alles geguckt, was schon zu gucken da war, also beide Staffeln. Dann kam aber dazu, dass ich eben nicht von Drehbeginn an dabei war oder Projektbeginn an, sondern als Letzte in der Runde in der Staffelung dazukam. Das heißt, ich musste auch drei Monate Drehzeit nachholen.
13:39 Das geht nicht. Also ich kann nicht drei Monate Drehzeit nachsichten. Aber meine Kolleginnen Anja Siemens, Boris Komatsky und Simon G. Stadtmeier, die haben für mich meine Szenen schon vorbeassembelt, wobei es zu dem Zeitpunkt noch nicht wirklich meine Szene gab, weil es meine Folgen noch nicht gab. Also es wurde noch nicht final zugeordnet, wer welche Folge macht. Und was macht man dann? Also man kommt da irgendwie an und denkt irgendwie, oh, wer bin ich, wenn ich das schneide, wenn ich mich doch so sehr adaptieren muss auf schon existierendes. Und im Prinzip ist es einfach eine Sprache kennenlernen, die schon existiert. Das heißt, ich bin nicht dabei, sie mit zu erfinden.
14:19 Das haben die Kolleginnen in den Staffeln vor mir gemacht und das Chapeau dafür. Aber meine Aufgabe war das anzunehmen und irgendwie das Lieben zu lernen und irgendwie es dann in das neue Material mit zu übertragen. Und das ist der zweite Aspekt, dass viele gucken, also um auf die drei Monate zurückzukommen, die ich später eingestiegen bin. Ich muss darauf vertrauen, dass die anderen das Beste ausgewählt haben und ich muss reden, also in die Schneideräumereien immer wieder nachfragen. Gerade dann auch wenn Veränderungen an den Büchern vorgenommen werden. Also deswegen sind bei uns diese Binge Tage so wichtig, dass wir einfach immer wieder den Status quo, wie sich die Geschichte an sich, die ganze Staffel, der ganze Bogen entwickelt, dass wir das als Team gucken, dass wir das als Team besprechen.
15:03 Jan Henrik Pusch: Kannst du mir die Tage nochmal kurz erklären?
15:05 Gast: Ich wollte gerade sagen, nennt ihr das Binge Tage? Und sagt dann so, morgen ist Binge-Tag, yeah!
15:11 Jan Henrik Pusch: Bringt ihr Popcorn mit oder was?
15:13 Gast: Ja, wenn es geht schon, wenn der Stress nicht zu groß ist. Also tatsächlich irgendwie, man guckt, versucht wirklich, das reinzuquetschen als Tag im Postproduktionsplan, den man sich irgendwie freischaufelt. Zumindest immer dann, während man den Plan noch aufstellt und dann kommt alles das, was passiert. Und dann haben wahrscheinlich die meisten das abends irgendwie selber geguckt und man versucht so, von Montag bis Mittwoch haben wir geguckt und am Mittwoch reden wir, okay. Aber ja, also wir versuchen, so Binge-Zeiträume festzumachen.
15:40 Rainer Nigrelli: Man kann ja auch diese Binge-Tage nennen, als ihr kommuniziert gut. Also das ist sozusagen oder Absprache. Die Absprache ist einfach sehr gut. Ihr seid sozusagen die ganze Zeit verbunden. Ich glaube, das ist was, was ich jetzt rausführe, was das A und O ist bei dieser Teamarbeit.
15:55 Gast: Oh ja, wir setzen das richtig krass an. Also wir fangen auch jeden Tag irgendwie, ich werde auch immer ausgelacht von meinem Team dafür, weil ich das tatsächlich ziemlich fest durchziehe. Es gibt den Morning-Call jeden Morgen um 10 und es gibt das Weekly.
16:10 Rainer Nigrelli: Ja genau, wir haben das, ich hatte das jetzt bei der letzten Staffel von How to Sell auch, dass wir das jeden Tag angesetzt haben und es ist natürlich für alle erstmal so ein, okay, da müssen wir jetzt da wieder hin und uns besprechen. Aber es hilft natürlich, weil ganz viel einfach bei so vielen Leuten liegen bleibt, wenn man das nicht kommuniziert und da zwingt man sich einfach, sich auszutauschen.
16:33 Gast: Aber Rainer, wie viel wart ihr denn bei How to Sell?
16:38 Rainer Nigrelli: Das Team war riesig, also für meine Verhältnisse riesig. Also das heißt, es sind vier Editorinnen gewesen. Ich glaube so, ich muss jetzt gerade überlegen, wie viel Assistenz, das waren glaube ich drei plus ein, plus VFX Assistenz plus Praktikantin. Das ist schon was und dann kommen gerne auch, weil die auch Tür an Tür waren, die Postproduktion Supervisorin dazu. Das heißt, man ist dann auf einmal zu zehnt. Und täglich zu zehnt, das haben wir nicht gemacht. Da haben wir uns quasi inhaltlich eher aufgesplittet und gesagt, okay, das kleinere Team, das wirklich an den Folgen jetzt insgesamt arbeitet, das trifft man täglich. Aber die Weeklys auf jeden Fall mit allen und das hilft.
17:17 Das ist immer besser. Also meine Predigt da ist immer, chatt nicht so viel, sprecht doch mal mit den Leuten. Das ist viel schneller und wichtig auch, dass man sieht, wie andere sich fühlen bei Sachen. Dann spürt man auf einmal, ob es jemandem schlecht geht und so. Also ich weiß nicht, ob wir das schon angedeutet haben. Wir fragen ja nicht uneigennützig. Wir wollen was rausfinden. Dazu kommen wir später übrigens noch. Aber wo ist denn also dann der Ort, wo ihr kommuniziert über, wir haben es Handschrift genannt.
17:45 Jan Henrik Pusch: Ich finde Vision besser.
17:47 Rainer Nigrelli: Wo findet das statt? Wo verbindet ihr euch kreativ?
17:51 Gast: Vielleicht ist ja Vision ein ganz gutes Stichwort. Also ich habe tatsächlich mal darüber nachgedacht, was eigentlich der coolste Moment bei dieser Teamarbeit ist. Und das geht ja so ein bisschen Richtung Vision. Und ich finde, abgesehen von dem ganzen täglichen Arbeiten, was man hat, aber wenn es dann, also wenn wir sozusagen beim Filmemachen von der Hochzeit sprechen, was ja so allgemein die Mischung ist, die Mischung ist die Hochzeit des Filmemachens, weil alles zusammenkommt, ist vielleicht die Hochzeit des Teamarbeitens im Schnitt, also die kleine Hochzeit, der Polteramt sozusagen, der Polteramt des Filmemachens ist dann, finde ich, dass dieser Moment, wenn man im Feinschnitt ist und mit Regie und den Kolleginnen und Kollegen zusammen wirklich im Raum sitzt, die Folgen guckt und dann alle gemeinsam drüber sprechen und dann gemeinsam sogar vielleicht Änderungen machen, also als Team in einem Raum, das finde ich, ist eigentlich der Moment, wo die Vision dann auch Wirklichkeit wird, weil jeder so seine Sachen auch noch sagen kann.
18:59 Und das ist so ein finaler Schritt, kurz bevor man dann irgendwie der Produktion was zeigt oder dem Sender sowieso. Also und ich finde, das ist ein wahnsinnig schöner Schritt, weil man da, ja, weil man das Gefühl hat im Team, dass mit mehreren Personen das gemeinsam zu machen, ist nochmal erhabener oder, sag ich mal, fühlt sich noch toller an, als das jetzt vielleicht nur zu zweit zu machen, wie man es klassischerweise kennt. Eine Editorin, eine Regisseurin, das wäre vielleicht jetzt mein persönlicher Moment, wo die Vision Wirklichkeit wird sozusagen.
19:31 Jan Henrik Pusch: Aber nehmen wir das doch mal analog zu dem Alleinschneiden, dann ist das ja auch der Moment, wo die Regie dazu kommt. Und oft hört man doch dann, dass man sagt, ja, der Editor oder die Editorin hat doch da schon die Vision vorher reingelegt. Das war ja sozusagen... Oder ich glaube, die Frage stelle ich mal anders. Mit welcher Vision arbeitet man denn bis zu diesem Moment? Macht da jeder sein Ding? Oder man muss ja da auch schon etwas finden, oder?
20:05 Gast: Ich würde mal von unserem jetzigen Projekt erzählen. Ich arbeite gerade mit zwei Kolleginnen, Katja Fischer und Friedemann Schmidt, mit denen ich schon zusammen gearbeitet habe. Auch mehrfach und da hat sich natürlich schon so ein Grundvertrauen aufgebaut. Wir sind jetzt noch mitten in der Drehzeit und einer der schönsten Momente für mich ist, dass ich mit einer Szene, die ich gerade aufstelle, in den Nachbarschneideraum gehen kann und sagen kann, du guck mal, ich arbeite gerade an Figur XYZ. Ich habe hier verschiedene Varianten. Du bist auch auf den späteren Folgen, wenn ich das jetzt hier so aufsetze. Ich habe zwei Möglichkeiten. Kann ich ihn kälter, kann ich ihn wärmer irgendwie aufstellen?
20:38 Schau mal rein, was meinst du denn? Wie setzt sich das denn fort? Also man kann ganz, ganz viel im Vorab miteinander besprechen, wenn denn sich alle darauf einlassen, dass sie an einem großen gemeinsamen Werk arbeiten und nicht nur an einer Folge. Das bedeutet natürlich auch, dass die alle irgendwie die ganze Staffel im Kopf haben und sich immer wieder auch darauf referenzieren. Also für uns heißt das jetzt gerade, dass wir ständig neue Bücher lesen dürfen, weil da immer noch an den späteren Folgen gearbeitet wird. Gleichzeitig ist es aber halt auch total schön, weil man einfach auch eine andere Figur und Tiefe im Zweifel auch erzeugen kann, weil man nochmal einen zweiten Blickwinkel mit reinbekommt.
21:14 Rainer Nigrelli: Kennt ihr den Film For the Birds von Netflix, dieser Kurzfilm mit den Vögeln? Sagt euch das was?
21:21 Jan Henrik Pusch: Nee, die auf einer Hochspannungsleitung sitzen.
21:25 Rainer Nigrelli: Ganz genau. Ich habe das Gefühl, das ist das Bild, was wir hier gerade beschreiben. Da möchte dieser große Vogel auch dazu und versucht, im Rhythmus mitzuwippen. Und die akzeptieren den aber nicht. Das kommt dazu, das ist keine gute Teamarbeit. Die wollen den halt nicht. Aber die anderen, das funktioniert jetzt gut. Ich glaube, man wippt sich so langsam ein. Durch welche Prozesse auch immer. In den Schneideraum gehen, das Binge-Watching, das Weekly. Darüber sprechen, was man mit den Figuren macht. Und sobald das einer nicht tut, dann wird es natürlich schwieriger mit der Zusammenarbeit. Und ich meine, ihr kennt das ja auch von den Regie-Personen, nehme ich an.
21:58 Es gibt ja Regie-Leute, die einfach ihr eigenes Ding machen wollen. Ich sage das Beispiel, das habe ich schon erlebt, Block 2 von Regie-Person 2, Regie-Person 2 mag Block 1 nicht und sagt, lass uns das ganz anders machen und viel besser. Und zwar so. Wie geht ihr denn damit um? Weil das ist ja eigentlich diametral zum Teamgedanken.
22:20 Gast: Ich glaube, man muss da vorab auch noch mal in eine andere Konstellation bei der Serie reingucken. Also zumindest bei der High-Concept-Serie. A, wer ist der Produktionspartner? Und B, wer ist der Auftragspartner? Weil dementsprechend kommen natürlich noch mal andere Kriterien auch mit in den Schneideraum rein. Also ich hatte Serien, die sehr klar definiert waren, als wir möchten eine Interpretation von eben genau dieser Regie-Person. Die hatten eine andere Freiheit im Erzählen. Es gibt aber natürlich auch Serien, die sehr klar einen insgesamten Auftritt präsentieren sollen, die als Einheit sich darstellen sollen. Und da gibt es dann von der Produktion oder auch von dem Auftraggeber natürlich eine klar definierte, hoffentlich, nicht immer, eine klar definierte Zielsetzung, zumindest irgendwo irgendwie ganz tief hinten im Hinterkopf, die irgendwie erreicht werden soll und an die muss man rankommen.
23:10 Und wenn man dann natürlich Leute hat, die ihren eigenen Weg gehen wollen, und auch das hatte ich schon, dann wird es wahnsinnig kompliziert und irgendjemand muss nachgeben und irgendjemand bricht bei solchen Konstellationen auch.
23:21 Jan Henrik Pusch: Aber mich würde an der Stelle total interessieren, wie geht man denn insgesamt dann mit so Feedback um? Wenn wir uns jetzt vorstellen, als Team haben wir jetzt lange schon gemeinsam gearbeitet, haben auch eine Vision irgendwie gemeinsam entwickelt. Und vielleicht gibt es ja die Situation, dass dann plötzlich Feedback, sagen wir es mal, von einem Sender sonst wie da draufkommt. Und plötzlich ist es ja anders als sonst. Man ist ja eine viel größere Gruppe, die das zu verantworten hat, was jetzt gefeedbackt wird. Könnt ihr dazu was erzählen, ob das anders ist, als wenn man in kleineren Gruppen dann dieses Feedback bekommt? Oder wie geht man insgesamt in dieser Konstellation mit Feedback um?
24:08 Gast: Du meinst von Produktion und Senderseite?
24:11 Jan Henrik Pusch: Zum Beispiel, genau. Sehr offene Frage, tut mir leid.
24:17 Rainer Nigrelli: Soll ich antworten? Ich kann antworten.
24:19 Gast: Rainer, bitte. Rainer.
24:21 Rainer Nigrelli: Dann machen wir. Ich habe das Gefühl, bei diesen High-End-Serien ist der Prozess, in der man mit dem Sender kommuniziert, mit Netflix, mit Disney Plus und so weiter, lang gestreckter, länger, als im deutschen Fernsehen. Also mir fällt das immer wieder auf, ich habe jetzt eine Serie von einem Kollegen, da habe ich mitbekommen, wie die arbeiten. Und zwar arbeiten die die ganze Zeit mit der Regie für ein halbes Jahr gefühlt und die letzten zwei Wochen sind für den Sender reserviert und dann wird das ganz schnell fertig gemacht mit dem Sender. Und während bei diesen High-End-Serien, in meinem Gefühl, diese Runden, die man mit Netflix dreht, drei Runden, vier Runden, fünf Runden, einfach viel in viel längerer Zeitraum ist.
25:01 Sprich, es wird mehr zu einer Zusammenarbeit. Und klar, auf der einen Seite sind Notes Notes, das ist wie ein Spiel, die erledigt man dann irgendwann. Manche Sachen muss man einfach machen, weil das ist halt so, so ist das Spiel. Auf der anderen Seite habe ich jetzt die Erfahrung gemacht, ich weiß nicht, wie es euch geht, dass da sehr viel auf Augenhöhe argumentiert wird. Und dann man vielleicht sogar auch als Editor viel mehr wahrgenommen wird in diesem Prozess, als ein Partner auf Augenhöhe. Natürlich steht über einem die Regie oder der Showrunner oder Showrunnerin. Aber dadurch, dass man so lange in einem Prozess drin ist, ich weiß nicht, ob ihr auch in diesen Calls dabei seid.
25:39 Ich war jetzt bei der letzten Produktion immer dabei und man diskutiert da einfach mit.
25:44 Gast: Ja, kann ich bestätigen. Also ist auch ein Grund, warum ich tatsächlich das Serienschneiden irgendwie immer mehr schätze, weil ich das Gefühl habe, dass die Position der Editorin des Editors irgendwie wirklich als Partner wahrgenommen wird. Es geht los, damit es die Notes, zumindest mit den Auftraggebern, mit denen ich zu tun hatte in den letzten drei Jahren, ganz anders formuliert sind. Da wird schon auch in der Tonalität drauf geachtet, dass man konstruktiv ist. Also ich habe, ich glaube seit vier Jahren nicht mehr gehört, finde ich scheiße. Was wirklich schön ist, so. Also früher gab es irgendwie Anmerkungen, die da lauten, manches ist noch zu lang und anderes noch zu kurz.
26:22 Was machst du damit? Feierabend. Ja, und da habe ich schon irgendwie das Gefühl, dass da eine andere Verantwortung auch übernommen wird gegenüber dem Produkt, das gewünscht ist. Und das ist es halt einfach, was wir herstellen von Auftraggeberseite. Also das sind schon auch Notes, mit denen ich durchaus was anfangen kann. Ich habe das Gefühl, da haben Leute den Prozess begleitet. Ich bin nicht immer glücklich mit den Notes. Kann ich nicht sein, weil ich manchmal einfach Sachen anders sehe, irgendwie oder eine Figur eine Chance geben würde, die sie so uns nicht bekommt, oder in der Kommunikation mit dem Zuschauer vielleicht was anders machen wollen würde. Aber da habe ich immer die Chance, ein Angebot zu machen.
27:01 Und das ist das, was ich sehr schätze. Das heißt, ich darf Klamotteile schicken. Sie wollen sie sich angucken. Sie möchten sich auseinandersetzen. Das ist auch der klare Auftrag an uns, unser bestmöglichstes Ergebnis einfach abzugeben. Ob sie das gleiche Ziel verfolgen, ist nicht jedes Mal von vornherein ersichtlich. Und ich habe auch festgestellt, ich muss an meiner Kommunikation mit ihnen anders arbeiten und auch noch mal klarer definieren lernen, warum ich das jetzt vorschlage. Also mit welchem Ergebnis ich sie da gerne überzeugen möchte.
27:29 Rainer Nigrelli: Aber schlussendlich ist das ja wie so eine Erweiterung des Teams. Eigentlich ist das auch Part des Teams, also Teil des Teams, diese Leute.
27:37 Gast: Ja, sie steigen einfach nur zu einem anderen Zeitpunkt ein und geben zu einem anderen Zeitpunkt schon mal Verantwortung ab. Also das heißt, die drehbegleitende Arbeit liegt sehr, sehr, sehr klar. Im Verantwortungsbereich des Schneideraums, da Feedback zu geben, da klar in die Kommunikation zu gehen, wenn was fehlt, wenn irgendwie Bedenken da sind, da auch Sachen rauszuschicken. Also ich finde es mega.
27:59 Gast: Ich finde eher, dass das so fast keinen Unterschied macht, ob man jetzt zu zweit im Schnitt sitzt und dann die Produzenten und die Redaktion in den Schneideraum kommen oder ob man da zu sechst sitzt und die alle in den Schneideraum kommen. Gefühlt ist es, glaube ich, kein Unterschied, was rein jetzt von dem Prozess der Sichtung und des Drüber-Sprechens, weil entweder bin ich jemand vom Typ, der gerne mitspricht und auch seine Meinung sagt oder ich bin sehr schüchtern als Editor oder Editorin und bin dann eher ruhig und höre mir alles an und lasse das wirken auf mich. Also ich glaube, das ist fast eher Typ-Sache, wie viel man dann mitspricht.
28:38 Caro, du hast natürlich voll recht, jetzt so im Verantwortungsbereich, das ist natürlich super und das macht auch Spaß, wenn man da viel kommuniziert mit allen. Das sehe ich auch so und das ist natürlich bei großen Projekten generell mehr erforderlich als jetzt bei kleineren. Das ist, glaube ich, klar. Ich glaube, was den Unterschied macht, ist eher wirklich die Dynamik. So das, was wir vorhin auch schon gesagt haben, dass es einfach, wenn man jetzt mal sagt, wir haben Gruppe Schneideraum und wir haben Gruppe Produktion, jetzt ganz blöd gesagt, oder Gruppe Auftraggeber, dann ist so die Dynamik, wenn wir zu viert oder sechst ein Team Schneideraum sind, ist natürlich cooler oder macht vielleicht auch mehr Spaß, als wenn wir es jetzt nur zu zweit sind, eine Regie und eine Person aus dem Schnitt.
29:24 Ich glaube, das wäre für mich, glaube ich, der Hauptunterschied. Aber so gefühlt, auch vom Feedback, ich meine, beim TV-90er, den man alleine macht, muss man ja auch mit der Redaktion sprechen und seine Meinung sagen. Also ich glaube, für mich tut sich da nicht so viel.
29:41 Rainer Nigrelli: Na gut, Lucas. Na gut, dann siehst du es halt anders. Ich hätte jetzt noch die Frage, weil wir haben jetzt darüber gesprochen, dass sich ja Sachen gut anfühlen müssen mit KollegInnen, dass man zusammenpassen muss, dass man sich vertrauen muss. Wenn Material gesichtet wird, also wenn eine Szene da geschnitten ist, die man überarbeitet, dann guckt man nicht nochmal das ganze Rohmaterial, weil man eben das Vertrauen hat, dass da eben schon gearbeitet wurde. Habt ihr irgendwelche Arten von Konflikten mal gehabt? Also was passiert denn, wenn es nicht so gut läuft in der Teamarbeit? Ist das aufgetreten? Wir fragen aus eigenem Interesse, weil vielleicht hat das ja was mit uns zu tun.
30:24 Gast: Ihr arbeitet doch gerade zusammen, oder?
30:26 Rainer Nigrelli: Ja, dazu gleich.
30:30 Gast: Es gibt die kurzfristigen Konflikte. Du bist jemandem auf den Fuß getreten, ohne es mitbekommen zu haben. Es gibt irgendwas, was du gesagt hast, gehört hast, nicht weitergegeben hast. Du hast eine Szene zu früh gefeedbackt. Und wir reden jetzt nur von innerhalb des Schneideraums, noch nicht nach außen. Du hast auf irgendwas nicht Rücksicht genommen. Du bist selber überrollt worden von irgendwas und bist jetzt erstmal sauer. Natürlich gibt es das, um Gottes Willen. Ich sehe die Leute in dieser Zeit, mit denen ich zusammenarbeite, mehr als meine Familie. Und ich treffe sie auf dem intimsten Rahmen, den es, glaube ich, zumindest in meinem Arbeitsumfeld gibt. Nämlich, ich zeige dir was, was noch nicht fertig ist.
31:06 Ich hätte gerne eine Meinung von dir. Ich bin gerade offen, weil ich an der Figur, an der Szene arbeite. Und natürlich bist du da auch bis zum gewissen Grad sehr verletzlich, wie in diesen ganzen Entstehungsprozessen. Da tut es dann weh, wenn jemand nicht so reagiert, wie ich da gerne gerade umgehen wollen würde. Und da tut es dann auch weh, wenn es gerade nicht einfach ist, weil du eigentlich gerade keine Zeit hast für Kompliziert. Das darf man ja nicht vergessen. Also diese ganzen Set-ups sind ja gemacht worden in der Teamarbeit, um zeiteffizient zu sein. Also es ist natürlich doof, wenn es dann anfängt zu menscheln.
31:43 Rainer Nigrelli: Und wie geht ihr damit um, wenn es auch kreativ anders wird? Also wenn man sagt, die Szene ist völlig falsch geschnitten, Caro. Die muss viel lustiger, die muss viel trauriger. Warum hast du da so einen Actionfilm draus gemacht? Diese Art von Diskussion habt ihr ja. Und wie geht ihr dann damit um?
31:58 Gast: Im Prinzip ist die Frage, wer liegt richtig? Also muss man dann vielleicht auch mit jemandem reden, der von außen nochmal drauf guckt und sagt, was ist denn die eigentliche Vision? Weil das dann der Konflikt ist, den ich nicht mehr als Team alleine klären kann.
32:13 Rainer Nigrelli: Ja, weil du bist nicht die Regie, du bist nicht die Showrunnerin in dem Moment.
32:19 Gast: Ich glaube, was ja cool ist, ist, wenn man schon öfter zusammen gearbeitet hat und sich dann schon so gut kennt und auch so die Macken des anderen kennt, dann werden ja so, genau Caro, was du gerade sagst, auch so kleinere Probleme oder kleinere Hürden werden dadurch ja noch kleiner oder entspannter, weil man einfach sagen kann, keine Ahnung, also ich bin dann irgendwie super picky, was Tempt-Musik angeht oder so und der, und alle hassen mich dafür und keine Ahnung. Und dann zeigt Andreas mir eine Szene und ich sage, oh, die Musik, die geht aber nicht. Er so, ja, es geht ja erstmal nicht um die Musik, es geht um den Schnitt und so.
32:55 Also keine Ahnung, das sind ja nur so kleine, jeder hat so seine Macken und wenn man sich dann kennt, ist es halt auch super, dass man darüber hinwegsehen kann. Und vielleicht ist es auch das, dass wenn man frisch zusammenarbeitet, auch diese Macken erstmal natürlich kennenlernen muss und auch einschätzen muss. Das ist ja auch ein Teil des Prozesses sozusagen.
33:14 Rainer Nigrelli: Ja, letzten Endes, danke für das Stichwoll.
33:16 Gast: So, jetzt kommt nämlich die Überleitung zu euch beiden.
33:18 Rainer Nigrelli: Du hast sie gebaut.
33:19 Gast: Rainer und Jan.
33:19 Rainer Nigrelli: Du hast sie gebaut. Letzten Endes muss man zusammenpassen, ist ja das, was ihr sagt. Das muss schon klappen und wenn es halt mal nicht passt, muss man darüber sprechen und kriegt das wahrscheinlich dann auch noch hin. Ich habe übrigens, ich habe eine Analogie, Jan. Ich habe eine Analogie zu unserem Podcast. Du formulierst zum Beispiel sehr oft Sätze, also wenn es um die Show Notes geht, ohne Interpunktion am Schluss.
33:41 Gast: Ohne alles.
33:42 Rainer Nigrelli: Und das macht mich wahnsinnig, weil ich denke, das ist eine Frage. Da kommt ein Fragezeichen hin. Wo ist das Fragezeichen?
33:48 Jan Henrik Pusch: Vielleicht sollten wir jetzt auch bei Rechtschreibung nicht so picky, ich meine jetzt nur das Fragezeichen.
33:53 Gast: Vielleicht sollten wir der Folge einen Untertitel geben, so was wie die Wahrheit zwischen Jan und Rainer oder sowas.
34:00 Rainer Nigrelli: Nein, nein, nein, es geht um euch. Aber wir hätten gerne einen Rat. Wir haben nämlich gerade angefangen. Wir haben gerade zusammen eine Serie gestartet. Es ist keine High-End-Serie, muss man dazu sagen.
34:14 Jan Henrik Pusch: Merkt man daran, dass wir nicht so viel Zeit haben?
34:15 Rainer Nigrelli: Wir haben nicht so viel Zeit. Der Arbeitstitel ist Messiah. Es geht um einen alternden Pop-Star aus den 90ern, der jetzt quasi eine Dokumentation bekommt über sich. Das ist eine Art Mockumentary sozusagen.
34:28 Jan Henrik Pusch: Natürlich ist es Comedy und ich glaube, wir haben ja gedacht, komm, wir beide haben ja schon viel zusammengearbeitet, aber jetzt merken wir, man arbeitet ja plötzlich dann doch in einem anderen Kontext.
34:41 Rainer Nigrelli: Ja, es ist doch was anderes. Was sollten wir jetzt machen? Weil wir fühlen das gerade und gestern gab es auch so einen Knirschmoment, wo wir gemerkt haben, okay, da müssen wir jetzt nochmal drüber sprechen, wer denn jetzt eigentlich welche Aufgabe hat bei diesem Projekt.
34:54 Gast: Von meiner Seite, wenn man sozusagen weiß, was man selber total wichtig findet oder was man ja so gut kann, ist falsch gesagt. Also wenn man weiß, auf was man selber total gerne achtet, dann kann man sich ja absprechen und sich da auch so ein bisschen aufteilen. Also zum Beispiel, ich bin super picky mit dem Ton generell und wenn man das weiß, dann kann ich sagen, hey, wenn du willst, gehe ich nachher noch mal durch die Folge durch und putze den Ton, weil ich das total wichtig finde und mir macht das auch Spaß, in Anführungsstrichen, aber ich will gern, dass die Folge super sauber mit dem Ton durchläuft.
35:32 Und wenn man dann sagt, ja, total gerne, weil da habe ich gerade gar keinen Bock drauf und beim Schneiden achte ich da auch nicht drauf, dann ist das total cool. Also wenn ihr theoretisch zwischen euch sagen könntet, Rainer ist total picky mit dem Ton und Jan sagt, ja gut, dann macht das doch. Also so kann man sich, man muss sich ja nicht sehnenweise aufteilen. Man kann sich auch mit so technischen Sachen aufteilen, beispielsweise und ja, aber das beantwortet die Frage nicht.
35:59 Gast: Ja, teilweise glaube ich.
36:00 Rainer Nigrelli: Doch, weil ich glaube, wir können ja so ein bisschen auch konkreter werden. Zum Beispiel Jan, das können wir jetzt mal hier live besprechen, würde ich gerne ein bisschen mehr die Kommunikation in die Hand nehmen mit, ich sag mal, Produktion auch mit Regie, aber so, dass ihr natürlich alles mitbekommt. Aber ich glaube, ich würde das so gerne ein bisschen mehr steuern. Ich würde das gerne streamlinen. Das wäre so fänd ich gut, wenn wir das sozusagen einheitlich als Team schicken.
36:24 Jan Henrik Pusch: Ich glaube, damit hat das gestrige Ich da auch gar kein Problem. Das Problem, was entstand, war, dass die Kommunikation ja bei dir nicht enden darf, sondern du es ja dann auch weitergeben musst.
36:36 Gast: Aber das ist ein total interessantes Stichwort Kommunikation, weil das hatte ich auch schon und Caro nickt auch schon. Also, dass dann einer aus dem Editing-Team plötzlich mit Regie kommuniziert und die anderen kriegen es gar nicht mit oder so. Das ist tatsächlich ein interessanter Punkt.
36:52 Gast: Er ist kein guter Punkt.
36:53 Gast: Er ist kein guter Punkt.
36:54 Rainer Nigrelli: Er ist ein schwieriger Punkt.
36:55 Gast: Er ist ein schwieriger Punkt.
36:57 Rainer Nigrelli: Also mein Vorschlag, wir haben noch dazu das Problem, dass wir keine physischen Schneideräume haben, sprich, wir sind nicht Nachbarn in dem Projekt. Das heißt, jeder arbeitet an einem anderen Schneideraum über die Stadt verteilt. Und das ist tatsächlich die Herausforderung. Wie kriegt man es hin, dass jeder alles auch mitbekommt?
37:14 Gast: Und jetzt kommt ein Nachteil des Teamarbeitens. Man telefoniert sehr, sehr viel. Oh ja.
37:23 Gast: Frage eins, wie geht man mit Konflikten um? Ich glaube, man muss trennen zwischen, haben wir gerade einen beruflichen Konflikt oder haben wir gerade einen menschlichen Konflikt? Das heißt, ich habe angefangen, irgendwie darüber nachzudenken. In solchen Situationen redest du gerade mit deiner Kollegin oder redest du gerade mit mir als Caro? Und es gehört ganz, ganz, ganz viel eigene Innenschau dazu, auch zu merken, wo man selber vielleicht den Ton gerade irgendwie falsch zurückgeworfen hat. Und eine der besten Methoden, die ich für mich entwickelt habe, die bei mir hilft, ist, dass ich sage, okay, komm, lass uns mal ganz kurz vom Schneideraum weggehen, woanders hin und das kurz besprechen.
37:54 Also in einen neutralen Raum rausgehen und einfach dabei auch nochmal definieren, wer redet hier eigentlich gerade mit wem? Redet hier gerade Kollegin mit Kollegin oder redet hier gerade Freundin mit Freundin irgendwie? Und was ist der eigentliche Kern des Pudels? Das zweite, was ich festgestellt habe, ist, entspannt euch. Ihr braucht zwei, drei Wochen, bis ihr eingelaufen seid, mindestens. Und ich weiß, dass es bei anderen Projekten tatsächlich die Zeit, in der man schon feststehen sollte. Bei der Serie ist es so, ich habe jetzt ein Team, mit dem ich im Assistenzteam im letzten Projekt zusammengearbeitet habe und trotzdem kalkuliere ich immer, wenn einer einsteigt, zwei Wochen Adaptionszeit mit ein, bis sich alles eingespielt hat.
38:37 Ganz besonders, weil wir ja auch wieder remote arbeiten. Die Erfahrung sagt, bis sich das alles wieder gefunden hat, jetzt auch mit dem neuen Material, mit dem neuen Drehteam, mit der neuen Regie, mit der neuen Produktion, das braucht seine Zeit. Und sich da irgendwie den Druck zu machen, dass das vom ersten Moment an fluffig laufen soll, ist irgendwie Quatsch. Also, sorry. Aber das meine ich nicht böse euch gegenüber, sondern einfach auch um mich wieder mal zu beruhigen, weil ich ja auch so ein Perfektions- und Kontroll-Liebhaber bin. Und da dann irgendwie, also ich einfach auch selber immer mal wieder zu sagen, hey komm, irgendwie ist alles ok, es läuft irgendwie, es hat seine Stolpersteinchen, die zu einem Anfang dazugehören, das passt schon.
39:20 Rainer Nigrelli: Ja, gut, ich glaube das berührt uns. Ja, oh dritter Punkt.
39:24 Gast: Ja, weil das war ganz toll, das hat mir immer ganz viel Druck genommen, das hat eine Produzentin mal zu uns gesagt, die meinte, wisst ihr, es ist so beeindruckend, wie oft wir irgendwie Leute wild zusammenwürfen und wie regelmäßig das eigentlich gut geht und wie viel öfter das gut geht, weil Filmemacherinnen einfach so sind, wie sie sind. Also, dass es nicht funktioniert, ist eigentlich eher die Ausnahme als die Regel und das finde ich ganz spannend und das hat dann auch dazu geführt, dass ich öfter mal noch länger nach einer Lösung suche, als ich angefressen bin.
39:56 Rainer Nigrelli: Ich glaube, das Tolle am Filmemachen ist ja, man hat das gleiche Ziel. Bei einer Serie hat man das Ziel, diese Serie eben so gut zu machen, wie es nur geht. Und da hilft es nicht, wenn, weiß nicht, Folge eins die meiste Liebe bekommt. Da muss alles genauso viel Liebe bekommen. Man muss es im besten Fall zusammen hinkriegen.
40:16 Gast: Ja, ich habe immer gesagt, es gibt halt ein einziges Ego, dem ich bereit bin zu dienen und das ist die Geschichte. Also alle anderen müssen sich dann in dieser Zeit hinten anstellen. Das gilt auch für mich.
40:27 Jan Henrik Pusch: Ich habe den Eindruck genug über Rainer und Jan gesprochen. Wir haben hier viel mitgenommen, werden ab heute Nachmittag nur noch ganz viel telefonieren. Übrigens, so viel kann ich schon mal sagen, dass mit dem die Rolle definieren, machen wir schon sehr viel. Wir rufen an und sagen, hier ist jetzt Serien-Jan und hier ist Podcast-Rainer. Das ist schon, wir haben nämlich noch die zweite Ebene.
40:52 Rainer Nigrelli: Aber was ich gelernt habe, ist Privat-Rainer müssen wir auch tatsächlich jetzt einführen, Privat-Jan, damit wir diese Konflikte auch trennen können voneinander.
40:59 Gast: Also das heißt auch drei Rollen, Privat-Podcast und Beruf.
41:05 Rainer Nigrelli: Es ist nicht leicht.
41:06 Gast: Wow, ist es schön, so vieles zu sein.
41:08 Gast: Ihr habt es nicht leicht.
41:10 Jan Henrik Pusch: Wir haben es wirklich sehr, sehr schwer. Jetzt haben wir was ganz Leichtes vor, und zwar die Kategorien.
41:16 Gast: Liebe Filmfreunde, kommen wir nun zu unserer Rubrik Knutsch The Kintop. Was sind ihre Darlings?
41:24 Jan Henrik Pusch: Das ist ganz einfach. Da kann der Rainer mal anfangen und sagen, was ist die bestgeschnittene Serie?
41:32 Rainer Nigrelli: Die im Team geschnitten wurde?
41:33 Jan Henrik Pusch: Das ist egal.
41:34 Rainer Nigrelli: How to sell Drugs Online Fast. Das ist eine ganz toll geschnittene Team-Serie. Da habe ich mitgearbeitet.
41:40 Jan Henrik Pusch: Lucas?
41:42 Gast: Da hätte ich mich vorbereiten müssen.
41:44 Jan Henrik Pusch: Okay, Caro?
41:45 Gast: Ja, ich auch. Aber tatsächlich, ich mochte wahnsinnig, was ich... und jetzt kommt leider ein Klassiker, was ich gehört habe von den Kolleginnen und Kollegen, die The Bear geschnitten haben über die Zusammenarbeit. Das hat nach etwas geklungen, was ich gerne irgendwie auch erlebt hätte.
42:01 Rainer Nigrelli: Kannst du das ganz kurz zusammenfassen, was sie gesagt haben über The Bear?
42:06 Gast: Wenn ich mich richtig erinnere, war es einfach, dass sie viel miteinander gesprochen haben und dass es sehr, sehr oft eben um diesen inneren Kern ging, der die Serie ausmacht und wie man den in der Formsprache findet und im Material. Und dafür irgendwie, also neben der Telefonzeit, wäre das etwas, was ich wahnsinnig gerne in die Postproduktionspläne mit reinarbeiten würde, irgendwie und zwar auch schon in die Pre-Production, dass man Konzeptionszeit für den inneren Kern der Erzählform aufbaut.
42:33 Rainer Nigrelli: Das ist ja sowieso was, Caro, was du da sagst, dass Produktionen das doch bitte mal einplanen sollen, dass auch wir uns vorbereiten. Das ist oft nicht geplant und oft wird dann gesagt, ja, aber du kannst ja erst schneiden, wenn Material da ist. Das ist eben nicht so. Man kann auch vorher schon anfangen zu schneiden, auch wenn kein Material da ist.
42:52 Gast: Ja, ich brauche also vor allem hätte ich ganz gern Gespräche. Also die Vorbereitungszeit, die kann danach mal kommen. Die soll mal damit anfangen, uns regelmäßig in die Gespräche mit reinzuholen über Look and Feel, Arena-Building, World-Building, Character-Building. Und wie diese ganzen Gespräche, die auch mit der Autorenschaft geführt werden. Natürlich sind für uns hoch interessant, weil an diesen inneren Kern und die in den Büchern drin stecken, an denen orientieren wir uns. Und sehr, sehr oft suche ich Sachen im Material, die mir dann mit einem einzigen Satz, der nicht im Editors Log steht, irgendwie vielleicht erklärt werden könnte.
43:26 Gast: Okay. Schnittschau.
43:33 Jan Henrik Pusch: Hier wird jetzt nach dem Lieblingszitat gefragt. Und zwar ist es so, dass wir ja alle in Schneideräumen kommunizieren und viel miteinander sprechen. Und es sind doch immer wieder sehr lustige Dinge dabei entstanden. Und wir wissen im Schneideraum, was im Schneideraum gesagt wird, darf nicht nach draußen kommen und so. Aber irgendein lustiges Zitat habt ihr doch auf jeden Fall für uns, bin ich mir ganz sicher.
44:02 Gast: Lustig oder gemein?
44:04 Jan Henrik Pusch: Beides, alles.
44:06 Gast: Nach der 28. Umstellung, irgendwie der 34. Notlösung und dem 700. Schnitt, die Regie, die neben dir sitzt und sagt, warum denn nicht gleich so? Und das Gefühl von, ja scheiße, warum eigentlich nicht? Weil jetzt haben wir es endlich geknackt, aber es ist einfach so unfair.
44:28 Gast: Was ja immer witzig ist, ist, wenn gesagt wird, ja lass mal so und so machen und dann fängt man an zu basteln und macht vielleicht aber, zieht kurz erstmal die Musik gerade oder den Ton, bevor man dann wirklich den Bildschnitt setzt, weil es gerade besser passt in der Timeline. Und man spielt ja eh immer wieder ab und dann spielt man ab und dann kommt irgendwie, ja so ist gut und man hat aber eigentlich noch gar nichts geändert. Ich meine, das kennt ihr, das kennen ja alle. Und man dann denkt, okay, sage ich jetzt was oder sage ich nichts? Und dann man einfach nichts sagt und cool, dann kommen wir weiter.
45:02 Rainer Nigrelli: Viel, es war viel besser.
45:03 Gast: Nee, aber was ich zum Beispiel tatsächlich witzig finde, was auch immer mal wieder passiert ist, bei Abnahmen ist das Erste, was man irgendwie aus der Redaktionsrichtung hört, aus der Senderecke. Ja, da sind noch einige Anschlussfehler drin. Also wenn das wirklich der erste Satz ist, den man nach einer Sichtung hört, dann fragt man sich wirklich so ein bisschen, ja cool, dann müsste ja eigentlich das einem sehr gut gefallen haben. Weil wenn man schon direkt über einen Anschluss fährt.
45:36 Rainer Nigrelli: Aber wie geht die denn damit um? Also ich würde sofort explodieren, aber wie geht man damit produktiv um? Das ist ja schon krass, dass man sich sozusagen auf sehr unwichtige Sachen stürzt, bevor es…
45:48 Gast: Ja, ich glaube, innerlich explodiert man dann kurz. Aber ich weiß nicht, wie macht ihr das? Keine Ahnung. Mittlerweile sagt man, wenn es dann wirklich zur Sprache kommt, dann sagt man, ja, das machen wir noch. Jetzt geht es ja erstmal ums große Ganze. Also keine Ahnung.
46:00 Rainer Nigrelli: Ich komme dann sofort ins Philosophieren und sage, das ist doch nicht das Wichtige an der Montage. Aber das ist wahrscheinlich nicht produktiv.
46:09 Gast: Also ich wäre gerne so schlagfertig und ich trainiere es, dass ich dann tatsächlich in so einem Moment hoffe, sagen zu können. Das ist aber cool. Also wenn das alles ist, hey, mega.
46:22 Rainer Nigrelli: Noch dazu passend, Caro. Ich habe einen der Editorinnen mal von The Bear kennengelernt, nämlich Adam Epstein. Und der meinte, was er ganz toll findet, ist, wenn Notes kommen zur Musik. Weil er sagt dann immer, also wenn das alles ist, super, dann ist ja eigentlich gar nichts mehr zu arbeiten für uns. Dann seid ihr ja schon happy mit allem. Also weil die Musikdiskussion ist eine andere. Da wird es jetzt nicht mehr darum gehen, dass irgendwas nicht funktioniert, sondern wenn das euer einziges Problem ist, super.
46:52 Jan Henrik Pusch: Dann, wenn wir schon bei den Anekdoten sind.
46:57 Gast: Auf Montage, die Anekdote der Woche.
47:01 Rainer Nigrelli: Jetzt bin ich dran zu fragen, ob ihr irgendwelche lustigen Geschichten erinnert, die euch passiert sind im Schneideraum, vielleicht sogar im Team Schneideraum.
47:11 Gast: Es gibt eine, die ich tatsächlich gerne erzähle, weil es einfach so ein schöner Moment war, in einer verzweifelten Nacht. Folge 7, Folge 8 gingen von den Minuten nicht auf, nachdem wir auch ein paar andere Sachen aufgestellt hatten und umgestellt hatten. Und wir haben mit der Regie in zwei Schneideräumen gearbeitet. Und der Haupteditor sogar auf der Folge war gerade nicht da. Der saß in Berlin, hat an seiner zweiten Folge gearbeitet. Und wir haben einfach diese beiden Folgen in sich zerpflückt, irgendwie um sie in dieser großen Minutendiskussion wieder neu zu greifen. Und ich saß mit der Regie an Folge 7 und habe dann nur zu meiner Kollegin Katja Fischer gesagt, du greif dir das alles mal, wir finden gerade keine Antworten.
47:54 Wir bauen hier jetzt erstmal minutenmäßig irgendwas zusammen, was vielleicht Sinn macht. Aber vielleicht hast du ja noch mit einem zweiten Blick irgendeine Idee. Und der Abend wurde immer länger, es wurde immer gruseliger, was man so an das geht nicht und das geht nicht und das geht nicht. Und mit dem Hebel kommen wir der ganzen Sache nicht näher. Und auf einmal ging die Tür hinter uns auf und Katja kam rein und sagte, ich weiß es, wir erzählen einfach in der Folge 7 eine lange Nacht und in der Folge 8 einen langen Tag. Und das ist unser Ordnungssystem. Und absurderweise, du stehst in dem Moment da und denkst, wovon redet sie, denkst du es dann gemeinsam mit ihr durch, sie hat es dann gepitcht und das war die Lösung.
48:36 Also wir mussten es tatsächlich nach Tageszeiten nochmal neu sortieren, bzw. die Tageszeiten als Thema machen. Gar nicht so sehr in der Linearität, sondern als thematische Zuordnung und damit haben wir es geschafft. Und eben auch der Begriff lang. Also einfach auch mit der Länge der Zeit nochmal neu umzugehen innerhalb der Erzählung.
49:00 Rainer Nigrelli: Ja cool, das ist eine schöne Geschichte.
49:03 Jan Henrik Pusch: Jetzt geht der Podcast mit einer Neuerung weiter. Und zwar haben wir uns gedacht, an dieser Stelle haben wir ja regelmäßig die Zuhörerinnen fragen. Und das haben wir diesmal uns gespart und haben in Zusammenarbeit mit Maike Nissen, Vegasfilms, ein Quiz vorbereitet, was wir jetzt in Teams spielen können. Wir kennen die Antworten und Fragen nicht. Das ist alles auf Maikes, wenn wir es mal misst, gewachsen. Und wir haben selber ziemlich Spammel, aber wir wollen uns einfach mal ausprobieren.
49:41 Rainer Nigrelli: Lass uns kurz die Teams definieren. Also wir haben Team Credit to the Edit. Das wären Jan und Rainer. Und wir haben das Team, Achtung, Team. Was denkt ihr von meinem Namen?
49:51 Gast: Das Team ist ein cooler Name.
49:53 Rainer Nigrelli: Bestehend aus Caro und Lukas. Und wir spielen jetzt gegeneinander. Wir spielen vier Runden. Und falls wir da auf Gleichstand haben, zwischen beiden Teams, ich sage es nochmal, zwischen Team Credit to the Edit und Team Team, dann gibt es noch eine Schätzfrage. Also es wird auf jeden Fall einen Gewinner geben. Also gibt es gar nicht so viele.
50:13 Gast: Gibt es auch einen Preis?
50:15 Rainer Nigrelli: Lukas, warte ab.
50:18 Gast: Also nein, toll.
50:26 Jan Henrik Pusch: Die erste Frage ist für das Team Team.
50:31 Gast: Der Film fängt an. Wir sehen ein Hochhaus in New York. Wie bezeichnet man diese erste Einstellung?
50:38 Gast: Was?
50:40 Gast: Establisher?
50:42 Gast: Hätte ich jetzt auch gesagt, einen E-Shot?
50:45 Jan Henrik Pusch: Seid ihr euch da einig?
50:46 Rainer Nigrelli: Seid ihr euch sicher?
50:48 Gast: Opening Shot.
50:50 Gast: Oh ja, sehr gut. Opening Shot.
50:52 Jan Henrik Pusch: Aber warum New York? Das ist schwierig.
50:55 Gast: Amerikanischer Opening Shot.
51:00 Rainer Nigrelli: Ich glaube, wir müssen weiter abspielen.
51:03 Jan Henrik Pusch: Habt ihr euch geeinigt?
51:05 Gast: Wir nehmen zwei Antworten. Also vielleicht...
51:08 Gast: Ja, ich würde auch sagen, Opening E-Shot.
51:12 Jan Henrik Pusch: Okay, Opening E-Shot klingt super. Wir hören rein, was Maike sagt.
51:20 Gast: Establishing Shot.
51:22 Rainer Nigrelli: Ja, das habt ihr sehr gut gemacht, sehr, sehr gut. New York ist schon verwirrend. Aber gut.
51:28 Jan Henrik Pusch: So, jetzt kommt die nächste Frage für das Team Credit to the Edit.
51:32 Rainer Nigrelli: Das sind wir.
51:33 Gast: An einem Filmset ist die Positionierung der Kameras entscheidend. Aber was passiert, wenn man die 180-Grad-Regeln nicht beachtet?
51:40 Rainer Nigrelli: Schnittfehler, Continuity, Achsensprung.
51:45 Gast: Eine Änderungswunsch in der Liste. Komischer Schnitt.
51:51 Gast: Oder gewünschte dramaturgische...
51:53 Rainer Nigrelli: Hey Team, Team, könnt ihr bitte ruhig sein.
51:54 Jan Henrik Pusch: Ach so, die versuchen uns hier schon irgendwie so aus dem Konzept zu bringen.
51:59 Gast: Achsensprung. Ein Achsensprung.
52:04 Rainer Nigrelli: 1-1.
52:04 Jan Henrik Pusch: Findet ihr nicht, dass dieses Geräusch vor der Antwort euch total an so eine Wursttheke im Supermarkt von früher erinnert?
52:13 Gast: Ich hatte jetzt eher an einen Bahnhof gedacht, aber Wursttheke ist auch gut. Ja.
52:18 Rainer Nigrelli: So weiter.
52:19 Jan Henrik Pusch: Kommen wir wieder zu der nächsten Frage für das Team Team.
52:23 Gast: Wir schreiben das Jahr 2008 und Breaking Bad läuft auf unseren Endgeräten. Wir sehen, wie Walter White ein tropfendes Wasserrohr repariert. Schnitt auf eine Tee-Tasse, in die in derselben Sekunde ein Tropfen hineintropft. Wie nennt man diesen Schnitt?
52:38 Gast: Matchcut.
52:39 Rainer Nigrelli: Ja. Echt, ist das ein Matchcut? Ist das nicht das mit dem Knochen und dem Raumschiff der Matchcut?
52:46 Gast: Das ist auch ein Matchcut.
52:47 Rainer Nigrelli: Das ist auch ein Matchcut. Ich habe mir das diskutiert. Ich gebe euch keine Tipps. Matchcut ist falsch. Das ist ganz falsch.
52:53 Gast: Matchcut.
52:57 Gast: Yes.
52:59 Rainer Nigrelli: 2-1 für Team Team.
53:01 Jan Henrik Pusch: So, jetzt hier. Team Credit to the Edit. Das ist scheiße, dass wir immer an zweite Position kommen. Dann werden wir uns unter Druck gesetzt.
53:07 Rainer Nigrelli: Wir werden noch gewinnen.
53:08 Gast: Das ist wie beim F-Meter schießen.
53:10 Rainer Nigrelli: Wir dürfen aber jetzt nicht verlieren.
53:13 Jan Henrik Pusch: Das wird peinlich.
53:13 Gast: Mal einen Podcast machen.
53:16 Gast: Na nun, Kameraeinstellung und Bildausschnitt haben sich gar nicht verändert. Aber wir haben einen Zeitsprung. Durch welchen Schnitt kann man das erreichen?
53:24 Rainer Nigrelli: Jan, sag du oder sag ich?
53:27 Jan Henrik Pusch: Das ist ganz eindeutig ein Sprungsschnitt.
53:29 Rainer Nigrelli: Ich finde übrigens wichtig, dass wir das Sprungsschnitt nennen, so wie man das früher im WDR gesagt hat und nicht Jumpcut.
53:34 Gast: Ach echt?
53:35 Rainer Nigrelli: Ich habe das mal im WDR aufgenommen. Seitdem sage ich auch immer Sprungsschnitt.
53:40 Jan Henrik Pusch: Mal gucken, ob Maike das weiß.
53:43 Rainer Nigrelli: Aber wir sagen Jumpcut natürlich. Ziemlich gut. Es steht 2-2.
53:51 Jan Henrik Pusch: Und noch eine Fleischwurst dazu. So, Team Team.
53:57 Gast: Wir haben noch alle keine Zeit und erst recht nicht im Film. Manche Handlungsstränge muss man auch gar nicht komplett auserzählen. Mit welcher Montagetechnik kann man dieses Dilemma lösen?
54:08 Rainer Nigrelli: Man kann einfach alles rausspeisen.
54:12 Gast: Also es gibt ja die Parallelmontage, die beschreibende Montage, die zusammenfassende Montage und die intellektuelle Montage.
54:20 Rainer Nigrelli: Wow, Lucas hat einen Filmschnitt studiert. Caro ja auch. Lucas gibt an einfach.
54:26 Gast: Ich glaube, es ist die Lipse, die gemeint ist.
54:28 Gast: Ja genau, das würde ich auch sagen. Aber die Lipse ist eigentlich die zusammenfassende Montage. Aber sie meint wahrscheinlich die Lipse.
54:35 Jan Henrik Pusch: Machen wir jetzt weiter, bevor das hier noch zu.
54:38 Gast: Mit einer Montage-Sequenz. Einen halben Punkt gibt es auch für Zeitraffer oder Timelapse.
54:43 Gast: So Leute, die Frage war irgendwie komisch gestellt und Lucas hatte recht.
54:47 Rainer Nigrelli: Ganz kurz, wir machen hier nicht die Gesetze. Maike hat das so definiert und Maike hat natürlich recht.
54:55 Jan Henrik Pusch: Maike hat...
54:56 Rainer Nigrelli: Strengt euch ein bisschen an einfach.
54:58 Jan Henrik Pusch: Minuspunkt für euch.
54:59 Gast: Das war aber eine gute Frage, Maike.
55:00 Rainer Nigrelli: Vielen Dank.
55:03 Jan Henrik Pusch: So, Rainer, jetzt haben wir die Chance natürlich, den Elfmeter zu verwandeln.
55:07 Gast: Wie nennt man die Drehtechnik, die FilmeditorInnen fast arbeitslos macht?
55:12 Jan Henrik Pusch: Ah, der One Take.
55:14 Rainer Nigrelli: Ach so, ah ja, der One Take. Ja, sehr gut. Einfache Frage. Wir haben eine einfache Frage bekommen.
55:22 Gast: Aber da gibt es noch einen Begriff.
55:24 Jan Henrik Pusch: Oh, oh. One Shot.
55:28 Rainer Nigrelli: Ach so. One Take, hätte ich gesagt. Ja, ja, da gibt es noch irgendwas. Aber One Take ist doch bestimmt.
55:34 Jan Henrik Pusch: Ja, die kommen.
55:35 Rainer Nigrelli: One Take.
55:36 Gast: Ja, macht mal, macht mal.
55:39 Gast: Plansequenz.
55:41 Rainer Nigrelli: Und um es dazu zu sagen, die Faust von Caro ist in die Luft geschnellt, weil die den Punkt nicht gemacht haben. Okay, das heißt, obwohl wir es richtig haben, haben wir auch jetzt keinen Punkt.
55:54 Jan Henrik Pusch: Ja, ich nehme an, die Gesetze macht ja hier eindeutig Maike und das war eindeutig nicht klar.
55:59 Rainer Nigrelli: Plansequenz, na gut.
56:02 Gast: Wie nennt man eine nach jemandem benannte Kameratechnik, bei der einem im Schnitt ziemlich schwindelig wird?
56:11 Gast: Also, keiner weiß es, na toll.
56:15 Gast: Also, es gibt ja den Vertigo-Effekt, aber das ist ja eher nach dem Film benannt und nicht nach Hitchcock, oder?
56:25 Jan Henrik Pusch: Sehr gut.
56:27 Gast: Weil das ist ja nach dem, weil es im Film Vertigo zum ersten Mal benutzt wurde. Was ist das nicht, Vertigo-Effekt?
56:34 Gast: Also, ich würde auf den Vertigo-Effekt insgesamt setzen, weil, also rein im Ausschlussverfahren.
56:45 Jan Henrik Pusch: Und du willst damit behaupten, Maike weiß nicht, dass es nach dem Film benannt wurde, sondern denkt, es gibt den Herrn Vertigo?
56:52 Gast: Ich weiß es nicht, aber ich wüsste jetzt nichts, was ich sonst ins Rennen werfen würde.
56:56 Rainer Nigrelli: Okay, Vertigo-Effekt haben sie gesagt.
56:58 Jan Henrik Pusch: Vertigo-Effekt.
57:01 Gast: Ballhauskreisel.
57:04 Rainer Nigrelli: Ah, das ist tricky. Tricky, tricky, tricky. Ballhauskreisel.
57:09 Gast: Noch nie gehört.
57:10 Rainer Nigrelli: Ja, Ballhaus ist immer in 360 Grad um die Leute bei Scorsese gefahren. Stimmt.
57:15 Gast: Ich dachte, dass es eventuell irgendwie genau dieses Momentum ist, aber ich habe tatsächlich nicht gewusst, dass es einen Namen hat.
57:21 Rainer Nigrelli: Ja, schade für euch.
57:22 Jan Henrik Pusch: Mal wieder, mal wieder die Chance jetzt hier.
57:25 Gast: Können wir nicht zu der alten Situation zurückzugehen, mit der Zuschauerfragen?
57:30 Gast: Wie viel steht es denn?
57:31 Rainer Nigrelli: Oh, das steht sehr gut für uns.
57:34 Jan Henrik Pusch: Wir haben jetzt noch die letzte Frage.
57:35 Rainer Nigrelli: Ist es 2-2? Haben wir nicht irgendwas?
57:37 Jan Henrik Pusch: 2-2, eben haben wir die Plansequenz.
57:40 Rainer Nigrelli: Okay, wir können jetzt gewinnen. Komm Jan, komm.
57:44 Jan Henrik Pusch: Jetzt hauen wir raus.
57:44 Gast: Wir sehen einen Mann mit ausdruckslosen Gesicht. Wie wäre es, wenn wir eine Tellersuppe, eine Frau und einen Sarg reinschneiden? An dem Ausdruck an sich verändert sich gar nichts. Aber wir denken das. Wie nennt man diesen Effekt?
57:57 Rainer Nigrelli: Sag es richtig Jan.
58:01 Jan Henrik Pusch: Da wir es in der letzten Folge besprochen haben, das ist natürlich der Editors Effekt.
58:06 Rainer Nigrelli: Ja, aber warte, warte, warte, warte. Sie sagt wahrscheinlich Vertigo. Sie sagt wahrscheinlich Vertov. Kuleshov. Sie sagt Kuleshov wahrscheinlich.
58:13 Jan Henrik Pusch: Natürlich sagt sie Kuleshov.
58:14 Rainer Nigrelli: Ja, aber warte, sagt sie Kuleshov oder Editors Effekt?
58:17 Jan Henrik Pusch: Sie sagt Kuleshov.
58:18 Rainer Nigrelli: Okay, Kuleshov Effekt.
58:22 Gast: Kuleshov Effekt.
58:24 Rainer Nigrelli: Okay, das tut uns natürlich sehr leid, dass unsere Gäste nicht gewonnen haben, aber wir waren halt auch schon ziemlich gut.
58:31 Gast: Ihr solltet aber mal mit Maike reden.
58:34 Rainer Nigrelli: Nein, nein, nein. Maike hat Recht, haben wir gesagt. Kommen wir zum Ende. Wir haben uns, weil wir ja mit euch über die Team-Montage sprechen, uns gefragt, wenn ihr jetzt schon so viel mit Teams arbeitet, mit Teams arbeitet und montiert, habt ihr da auch so langsam die Nase voll oder soll das für immer weitergehen? Also wollt ihr nicht auch alleine arbeiten oder findet ihr es genau so richtig?
58:58 Gast: Ich mag so weitermachen. Also ich schätze es auch, mich zwischendurch alleine auf Dinge zu konzentrieren und kleinere Projekte zu haben. Aber müsste ich mich für eine Sache entscheiden, dann würde ich ihr das solitäre Arbeiten aufgeben als das Teamarbeiten.
59:15 Gast: Ja, ich schließe mich Caro da an. Also ich finde es auch, ich würde es auch immer wieder und weiter im Team machen. Und es ist ja nicht nur, sind nicht nur wir, die jetzt als Editorinnen und Editoren arbeiten, sondern zum Team gehören ja auch ganz klar die Assistentinnen und Assistenten und die VFX-Editorinnen. Also das ist ja das ganze Team und ohne, also man muss das auch nochmal betonen, ohne Assistenz und die anderen Kolleginnen und Kollegen aus dem Editorial, wäre das ja, werden so große Serien ja auch gar nicht tragbar.
59:44 Gast: Das kann ich nur bestätigen. Also unser Schneideraum, unser Editorial, würde nicht laufen ohne die Kolleginnen aus dem Assistenzraum. Großteil der Arbeit, die da passiert, kriege ich gar nicht mehr mit, sondern ich werde eigentlich nur noch informiert darüber, welche Prozesse im Hintergrund gerade laufen. Meine Arbeit als Editorin fängt eigentlich mit dem fertigen Bin an, irgendwie und alles, was davor irgendwie gemacht werden musste, getrackt werden musste, an Informationen verarbeitet werden musste, wird über die Kolleginnen aufgefangen. Und neben dem irgendwie ist es immer häufiger der Fall, dass sie ja sogar mit mit assemblen oder eben auch Vertonungen unterstützend irgendwie vorantreiben und teilweise sogar auch Ideen mit einliefern, je nachdem, wie das Setup irgendwie aufgestellt ist, durch die Zuarbeit, die sie leisten.
1:00:29 Und das ist eine Neuerung, die einfach wirklich wirklich toll ist und auch schön.
1:00:34 Gast: Ganz kurz als Beispiel dazu, was Caro gerade meinte, bei Hagen musste unfassbar viel vertot werden. Da musste so viel Sounddesign schon gemacht werden, parallel zum Schnitt. Und das haben unsere Assistenten alles so wahnsinnig cool gemacht. Und ohne das, also das ist natürlich auch genreabhängig, aber gerade bei so aufwändigen Sachen, so Mittelalter und Pferde und Schwerter, da würde man niemals den gleichen Effekt erzielen im Schnitt, wenn es keine Sounds gäbe.
1:01:03 Rainer Nigrelli: Und ich glaube bei dir sogar, Caro, ist das so, dass du ganz viele mitnimmst in die Projekte absichtlich und dann auch denen, du hast das mal erzählt, einen anderen Credit gibst, ne?
1:01:14 Gast: Also wenn die Aufgabenprofile sich einfach so erweitern, irgendwie aus dem reinen Assistieren heraus in das Additional Editing, dann ist es ganz klar, dass wir mit der Produktion sprechen, dass sie auch dementsprechend die Credits dafür bekommen.
1:01:28 Rainer Nigrelli: Plus natürlich...
1:01:29 Jan Henrik Pusch: Ihr sprecht jetzt ganz auf Schwimmung.
1:01:31 Rainer Nigrelli: Wir sind gleichzeitig. Was für ein Konflikt haben wir denn jetzt hier? Nee, wir sind... Aber natürlich schafft die dadurch, natürlich auch so eine Art Berufseinstieg zu geben, weil es ist ja oft die Schwierigkeit, für Assistenzen überhaupt schneien zu dürfen, weil es eben in der Vita nicht steht. Und wenn die auf einmal dann so einen Additional Editors Credit haben, ist das natürlich viel einfacher.
1:01:53 Jan Henrik Pusch: Ich finde den Gedanken wunderbar, Rainer, dass wir jetzt wieder neu das Konzept, was es früher mal gab, dass Assistenten im Schneideraum lernen, wie man schneidet, dass das jetzt vielleicht in der Serie ja tatsächlich wieder passieren könnte. Ich glaube, das ist was, was wir raustragen sollen. Und wir wollen vor allem raustragen, dass wir uns bei euch bedanken, dass ihr das mit uns geteilt habt, dass ihr uns beraten habt.
1:02:21 Gast: Ich würde sagen, wir machen Weekly draus, oder?
1:02:24 Jan Henrik Pusch: Auf jeden Fall.
1:02:25 Gast: Jeden Donnerstag.
1:02:26 Jan Henrik Pusch: Solange die kostenlos bleibt.
1:02:27 Rainer Nigrelli: Mit Quiz.
1:02:29 Jan Henrik Pusch: Mit Quiz. Vielen Dank dafür, dass ihr uns da mitgenommen habt.
1:02:32 Rainer Nigrelli: Vielen Dank.
1:02:33 Gast: Vielen Dank an euch.
1:02:34 Gast: Vielen Dank für die Einladung überhaupt und dass ihr euch den ganzen Sermon anhört.
1:02:38 Rainer Nigrelli: Hallo, Sermon.
1:02:39 Gast: Nicht sagst du richtig. Ja, vielen Dank. Hat großen Spaß gemacht.
1:02:46 Gast: Wir haben also gesehen, dass die Filmschnitte in den Händen einer Montage-Equipe im Gleichklang gesetzt werden müssen, sowie die Ruder einer Galere. Die Taktung muss einheitlich sein, der Atem, der den Schnitt von Folge 1 bis 100 trägt, darf keine eigenen Handschriften von Individuen, keine Kapriolen, geltungsenthemmter Schnittwichtel oder dergleichen zulassen. Hier ist die Gruppe als austauschbare Schraubensammlung verantwortlich für Wohl und Wehe des Gesamtwerkes, ohne dass Raum oder Rübe für Eitelkeiten oder Profilierungssucht zulässig wären. Je größer und segmentierter das Projekt, desto höher das Recht der Selbstdisziplin all jeder Hände die Hand anlegen.
1:03:26 Rainer Nigrelli: Austauschbare Schraubensammlung, so, jetzt haben wir es mal.
1:03:30 Jan Henrik Pusch: Es ist sehr, sehr schön, was hat er gesagt, irgendwas mit Ego hinten anstellen und sonst was, finde ich super. Wir sagen ja immer hier, woran, was nehmen wir mit aus dem Gespräch, ich finde das Vertrauen, finde ich super spannend, dass man wirklich darauf vertrauen kann, dass jemand anderes das Richtige ausgesucht hat, ist ein spannender Gedanke, den ich irgendwie so mitnehmen möchte und mal darauf achten, wie sehr ich dir und du mir in unserem Projekt jetzt vertraust.
1:03:59 Rainer Nigrelli: Vertraust du mir, Jan?
1:04:01 Jan Henrik Pusch: Das ist jetzt die Vertrauensfrage, die wir ja in Deutschland im Moment viel stellen.
1:04:06 Rainer Nigrelli: Wer hat nicht darauf geantwortet? Ist euch das aufgefallen?
1:04:10 Jan Henrik Pusch: Wieso, was denn?
1:04:11 Rainer Nigrelli: Vertraust du mir, Jan?
1:04:13 Jan Henrik Pusch: In allen Punkten, immer.
1:04:14 Rainer Nigrelli: Vertraue ich dir? Ja.
1:04:16 Jan Henrik Pusch: Was ist die Frage?
1:04:18 Rainer Nigrelli: Vor allen Dingen sollten wir, habe ich mir gedacht, das habe ich mir gerade noch notiert während des Gesprächs, weil das gesagt wurde, auf die positiven Effekte hinweisen, die Teamarbeit mit sich bringt. Was ich glaube, ist, dass dieses Intimarbeiten am Ende, vor allen Dingen natürlich bei Serien, eine bessere Serie hervorbringt, weil wir da eben Stärken umverteilen können, denn wie jetzt Lucas meinte, dann ist er halt sehr penibel bei Musiken. Dann lass doch den das machen, der die Musiken besonders gut kann. Vielleicht hat er auch ein sehr gutes dramaturgisches Gespür, was den Einsatz von Musiken angeht und macht vielleicht das, was der Editor A machen würde, nämlich die Folge zu spammen mit Musik.
1:05:01 Vielleicht macht er das einfach nicht und macht daraus einfach was intelligenteres oder schöneres. Also quasi diese Möglichkeit haben, sich auf Stärken zu verlassen. Das ist, glaube ich, das schlagende Argument für Arbeiten im Team.
1:05:14 Jan Henrik Pusch: Ich glaube, wir sollten auch hinweisen noch auf eine Folge von dem Indie-Film-Talk Podcast, in dem wir ja auch schon mal zu Gast waren. Aber die Folge, die ich meine, die ist schon ein bisschen älter, glaube ich, wo Carlotta Kittel und Anne Jünnemann da waren und über Team-Editing gesprochen haben. Das ist sehr, sehr spannend.
1:05:36 Rainer Nigrelli: Ja, ganz klarer Hinweis, bitte reinhören und Grüße an Susanne und Eugene an dieser Stelle.
1:05:43 Jan Henrik Pusch: Wir danken der VGB-Stiftung Kulturwerk und Adobe, die uns beide auch bei dieser Folge wieder unterstützen.
1:05:51 Rainer Nigrelli: So, dann lass uns mal weiterarbeiten, oder? Ich glaube, wir haben noch ein paar offene Szenen.
1:05:56 Jan Henrik Pusch: Ich ruf dich dann gleich wieder als Serien-Jan an.
1:05:59 Rainer Nigrelli: Machst du Folge 3 jetzt eigentlich weiter direkt?
1:06:02 Jan Henrik Pusch: Nee, ich bin ja in der 4, 3 hab ich schon gemacht.
1:06:04 Rainer Nigrelli: Du bist in der 4. Weil ich hab eins und zwei mit Bode gemacht.
1:06:09 Gast: Sie haben gesehen, Filmschnitt ist also gar nicht zu kompliziert. Und denken Sie immer daran. Um eine Filmmontage richtig und möglichst mit Perfektion durchführen zu können, wird einiges Werkzeug benötigt. Es ist selbstverständlich, dass alle benutzten Geräte sowie das erforderliche Material bestimmte Voraussetzungen erfüllen müssen.




